11. September 2015

„Hart aber fair“ am Montag Vielleicht noch ein drittes Mal?

Gute Show, aber nicht politisch

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Bildquelle: shutterstock Irrweg: Gender-Ideologie

Chips und Bier lagen bereit, auf zur zweiten Runde in der Frage, ob Gender ein Wahn oder eine Wissenschaft ist. Die „Hart aber fair“-Redaktion hatte sich dabei einen halben Zungenbrecher als Titel ausgedacht. Nach dem eher polemischen „Nieder mit dem Ampelmännchen – Deutschland im Geschlechterwahn?“ lief die Sendung am Montag unter dem kryptischen Titel „Der Gender-Streit: Was darf zu Mann und Frau gesagt werden?“ Und so war die Sendung denn auch …

Vielleicht zuerst ein Wort zu WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn, der zu Beginn der Sendung anwesend war und sich irgendwie genötigt sah, den Eiertanz, den sein Sender um die erste Sendung, ihre Löschung aus der Mediathek und das Wiedereinstellen gemacht hatte, zu entschuldigen. Da er zum Thema Gender nichts beitragen konnte, wurde er nach rund 20 Minuten aus der Runde entlassen, und ich frage mich immer noch, warum der Mann eigentlich dabei war. Der Erfinder des Begriffs „Demokratieabgabe“ für die öffentlich-rechtlichen Zwangsgebühren wollte offenbar das ganze Geschehen, die Prägung der Reaktionen des Senders durch Lobbyeinflussnahme, umwidmen in einen demokratischen Prozess. Verstanden hat er wohl selbst nicht, was er mit seinem Wortschwall sagen wollte, so bleibt nur die bestätigte Vermutung, dass gerade der linke WDR-Staatsfunk den politischen NGOs mehr als hörig ist. Man verzeihe mir die direkten Worte, aber: Wer keine „cojones“ hat, sollte in einer Talkshow nicht auch noch die Hosen runterlassen!

Nach dem ruhmlosen Abgang Schönenborns war die alte Runde nur noch verstärkt um Sybille Mattfeldt-Kloth vom Landesfrauenrat Niedersachen, eine der Beschwerdeführerinnen gegen die frühere Sendung, die sich auf Nachfrage erst mal beklagte, dass sie bislang auf ihre Beschwerde noch keine schriftliche Antwort erhalten habe. Auf dem Niveau blieb es dann auch. Birgit Kelle hatte wohl recht, wenn sie Frau Mattfeldt-Kloth attestierte: „Frauen wie Sie“ seien „schuld daran, dass das mit der Frauenbewegung nie was wird“. Nicht wirklich nett, aber der Biestigkeit, mit der die Dame beispielsweise der wieder in den Ring gestiegenen Sophia Thomalla entgegentrat, durchaus angemessen.

Und da saßen nun also Frau Mattfeldt-Kloth, Anton Hofreiter, Vorsitzender der grünen Bundestagsfraktion, der sich beinahe niedlich bemühte, den Unterschied zwischen Gender Mainstreaming und Gender Studies deutlich zu machen, und die wie immer ohne näher ausgewiesene Kompetenz agierende Anne Wizorek, nach eigenen Angaben „Medienberaterin“ – um Himmels willen! – und damals Initiatorin der Twitter-Aktion „Aufschrei“ im Umfeld der gegen den FDP-Politiker Rainer Brüderle gestarteten Sexismuskampagne. Aus dieser Rolle muss man ihre Aggressivität gegenüber Birgit Kelle verstehen, die mit ihrer Kolumne und dem nachfolgenden Buch „Dann mach doch die Bluse zu“ gerade diesen Hype auseinandergenommen hat.

Mit diesen drei Gender-Vertretern war der Ausgleich zu den in gleicher Aufstellung auftretenden Gender-Kritikern geschafft. Auf dieser Seite saßen die Journalistin und Buchautorin Birgit Kelle, FDP-Vize Wolfgang Kubicki und die Schauspielerin Sophia Thomalla. Gerade letztere stand im Nachgang der ersten Sendung und auch im Verlauf der gestrigen immer wieder in der Kritik, verbunden mit der Frage, welche Kompetenz sie eigentlich zu dem Thema aufzuweisen habe. Man muss ihr daher hoch anrechnen, dass sie sich dieses Theater erneut angetan hat. Die gleiche Frage nach der Kompetenz an sich selbst gerichtet musste allerdings auch Frau Wizorek im Raum stehen lassen, und auch wenn Frank Plasberg insistierte, seine Sendung sei keine Unterhaltungssendung, sondern eine politische Talkshow – nein, es ist wohl beides, und Unterhaltung ist ein großer Teil dessen, was den Erfolg der Sendung auszeichnet.

Getragen wurde die Sendung dann aber im wesentlichen von drei Teilnehmern: Herrn Hofreiter auf der Seite der Gender-Vertreter, dem man bisweilen ansehen konnte, wie ihn die Diskussion um Kompetenz der Teilnehmer und die Historie der Sendung nervte – ich glaube auch nicht, dass er glücklich war über die Riege der an seiner Seite diskutierenden Damen. Auf der anderen Seite Birgit Kelle und Wolfgang Kubicki, die – ja, es ist eine Unterhaltungssendung – Steilvorlagen der Gegenseite nicht liegen gelassen haben und verdeutlichen konnten, warum das, was Herr Hofreiter als Vorzüge des Gender Mainstreamings anpries, auf Grundlagen der Biologie beruht oder schlicht auf einer gesellschaftlichen Entwicklung, die bislang auch ganz gut ohne Gender-„Wissenschaften“ ausgekommen ist. Dass die Wahl einer Bundeskanzlerin auf das „kritische Hinterfragen von Konventionen“ zurückzuführen ist, glaubt er vermutlich selber nicht.

Was bleibt vom Abend? Das Thema „Was darf zu Mann und Frau gesagt werden?“ war eigenartig genug formuliert, dass es konsequent verfehlt wurde – wenn man Herrn Plasberg nach der ersten Sendung wegen angeblicher Parteinahme an den Pranger gestellt hat, dann muss man ihn jetzt auch wegen mangelnder Themenfokussierung kritisieren. Den Begriff der Gender Studies und deren Auswirkungen konnte nur Birgit Kelle mit kurzen Hinweisen auf die Vielzahl angeblicher Geschlechter, die eigentlich nur sexuelle Orientierungen darstellen, durchschimmern lassen. Besonders die Vertreter der Genderseite mieden dieses Thema wie der Teufel das Weihwasser – man muss annehmen, dass ihnen schon klar ist, dass sie das Thema nicht an den Mann und die Frau (und wen noch) bringen können und sich dann direkt die Frage stellt, wieso für diesen Unfug Geld ausgegeben wird. Die Gender-Vertreter dagegen zeichneten sich vor allem dadurch aus, dass sie erstens nicht erklären konnten, was ihr Anliegen eigentlich ist und sie zweitens aber von dem Gedanken beseelt zu sein scheinen, die Gesellschaft in ihrem Sinne – und das unter Zuhilfenahme politischer Macht – zu verändern. Dafür gibt es den wenig schmeichelhaften Begriff des Gesellschaftsingenieurs!

Neues hat der Abend also nicht gebracht, der Gender-Kaiser steht immer noch nackt da, auch die zweite Runde hat dessen Vertreter nicht dazu in die Lage versetzt, ihr Thema zumindest konsistent zu vertreten. Das TV-Experiment, als das die Neuauflage der Gender-Sendung von „Hart aber fair“ auch bezeichnet wurde, darf man darum getrost als gescheitert betrachten. Vielleicht muss der WDR noch eine dritte Ausgabe der Sendung machen, in der dann Vertreter einer angeblichen Gender-Wissenschaft unter sich diskutieren können. Ich fürchte, das wird aber auch nicht erhellender sein, dem Kaiser nicht mal einen Lendenschurz liefern. Und unterhaltend wird das erst recht nicht sein! Das war der Abend – dank Kelle und Kubicki – nämlich schon. Sorry, Herr Plasberg: Die Show war nicht schlecht, eine politische Talkshow war das aber wieder nicht!

Anmerkung: Die Sendung kann man in der ARD-Mediathek noch mal anschauen … noch!

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Papsttreuen Blog.


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