02. Oktober 2015

Einwanderung und Kriminalität Letzte Ausfahrt Bützfleth

Laser- statt Dienstpistole

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Bildquelle: shutterstock Haben in Deutschland nichts zu befürchten: Einbrecher

Die Wellen der Einbruchskriminalität, die auch über meinen norddeutschen Landkreis schwappen, haben nichts mit dem aktuellen Einstrom nach Deutschland zu tun. Es gibt diese Wellen seit über zehn Jahren. Nach der sechsten EU-Erweiterung (Bulgarien und Rumänien) im Jahr 2007 haben sie an Dynamik kräftig zugelegt.

Das Einbruchsthema war letzthin der meistdiskutierte Aufreger, wenn es um die sogenannte innere Sicherheit ging. Bis Merkel die Schleusen öffnete und eine neue Debatte auf die Agenda setzte. Was nicht heißt, dass sich die Lage an der Einbruchsfront entspannt hätte. Im Gegenteil.

Man liest bloß weniger darüber. Die Medien haben derzeit alle verfügbaren Recherchekräfte mobilisiert, um Beispiele geglückter Migrantenintegration aufzuspüren. Der Verdacht, dass ein Zugewanderter in Rekordzeit Deutsch gelernt hat oder eine total nette Muslima an einer Supermarktkasse Dienst schiebt, setzt unverzüglich Reporterteams in Marsch.

Ja, der Journo als solcher hat sich erstaunlich verändert. Aus dem skrupellosen Witwenschüttler von dunnemals ist ein ethisch lupenreiner Migrantenknutscher geworden. „Flüchtlings-Jungs schnappen Supermarkt-Räuber“ – Narrationen wie diese rauschen sofort in die Willkommenskulturteile der Blätter. Lesen Sie alles darüber! Die „Hamburger Morgenpost“: „Gerade einmal seit drei Wochen in Hamburg und schon Helden!“. Ein 17-Jähriger aus Syrien, der seinen Husky-Welpen auf der beschwerlichen Reise nach Almanya mitschleppte, schaffte es unverzüglich in die „Bild“, auf focus.de und in andere Qualitätserzeugnisse.

Ein Hund! Noch dazu ein ganz niedlicher!

Da bleibt einfach kein Raum für Einbruchs-Petitessen. Zwar bekam der Überfall einer siebenköpfigen rumänischen Bande, die einen 72-Jährigen in seinem Haus am Starnberger See ermordet und seine Ehefrau schwer verletzt hatte, Anfang September noch etwas überregionale Beachtung. Für die Leitmedien war das Thema aber erledigt, als die Gang bei einem frischen Bruch in Österreich erwischt wurde.

Ein bisschen beschlich einen das Gefühl, dass diese unschöne Geschichte mit leiser Absicht nicht sonderlich hoch gehängt wurde.

Lokalblätter allerdings melden immer öfter einschlägige Fälle. Meist werden Häuser oder Wohnungen nachts ausgeraubt, zunehmend auch tagsüber. Täter werden selten geschnappt. Es handele sich, sagen Experten für den Bereich Organisierte Kriminalität, überwiegend um aus Ost- und Südosteuropa gesteuerte Profis, die systematisch ganze Landstriche ausbaldowern und abgrasen. Manche gehen extrem brutal vor. Werden sie von Hauseigentümern überrascht, schlagen sie sofort zu. Es gab schon Fälle, in denen Opfer gefoltert wurden, damit sie das Versteck von Geld oder Wertsachen preisgaben.

Das hier hat nichts mehr mit den erratischen Wohnungsaufbrüchen der Vergangenheit zu tun, die zumeist auf das Konto von Junkies oder Gelegenheitskriminellen gingen. Das hier ist eine Art von Terrorismus.

Die Polizei? Hat beim Komplex Einbruch weitgehend die Kontrolle verloren. Sie macht daraus kein Hehl. Weil sie die Bürger nicht mehr schützen können, erklären Polizeibeamte bei „Präventionsvorträgen“, wie die Bürger sich doch bitteschön selber schützen können. Zum Beispiel, indem sie ihre Behausungen zu Hochsicherheitstrakten umgestalten lassen. Wer dafür kein Geld hat, besitzt gute Chancen, demnächst Besuch aus der großen bunten Welt zu bekommen.

Natürlich ahnt die Polizei, dass ihre nicht mehr verbergbare Ohnmacht gegenüber einer Gemeingefahr schwer am Ordnungshüter-Image kratzt. Daher vermeldet sie gern Erfolge, die an anderen Frontabschnitten erzielt werden. Dort wird statt der SIG Sauer P6 die Laserpistole gezückt – auch sehr spannend.

Eine kleine Zwischenbilanz des immerwährenden Kampfes zwischen Gut und Böse schmückte vor ein paar Tagen das Presseportal der Polizeiinspektion Stade.

Sie betraf eine „Kontrollaktion“ der Stader Wache, durchgeführt im dörflichen, stadtkernfernen Ortsteil Bützfleth. Was passierte da in der Nacht von einem Sonntag auf den Montag? „Zwischen 03:10 Uhr und 04:50 Uhr gingen ihnen (den wackeren Sheriffs) vier Schnellfahrer ins Netz, die mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit unterwegs waren und nun mit einen Bußgeld und Punkten rechnen müssen. Hier war der Spitzenreiter mit 104 statt mit 70 Stundenkilometern in die Messung gefahren.“ (O-Ton der Polizeipressemeldung.)

Lies: Inklusive Anfahrt, Positionierung, Justierung der Gerätschaften und Rückfahrt waren mindestens zwei Beamte mindestens fünf Nachtstunden damit ausgelastet, Einbrechern nicht nachzustellen und auch nicht in Wohnvierteln präventiv Streife zu fahren. Stattdessen beschäftigten sie sich damit, „Raser“ zu stellen, von denen ein einziger die Schallmauer der erlaubten Höchstgeschwindigkeit um sagenhafte 34 Stundenkilometer durchbrach. Auf einer fast leeren Piste namens Obstmarschenweg.

Ortskundige wissen, dass in dem kontrollierten Abschnitt die Bürgersteige gewöhnlich um 21:30 Uhr hochgeklappt werden. Sechs Stunden später strampelt dort kein Radler, torkelt kein Betrunkener mehr auf der Straße. Auch sämtliche Kinder pennen. Das Verkehrsgeschehen in einer Bützfleth-Nacht muss man sich ungefähr so gefahrvoll vorstellen wie jenes auf der Insel St. Helena im Südatlantik, wo der verbannte Napoleon starb.

Wer sich durch die Staatsgewalt in noch halbwegs geordneten Zeiten derart behütet weiß, kann sich künftige Sicherheitsstandards unschwer ausmalen. Manch einer geht womöglich gleich auf die Website der kanadischen Regierung, Abteilung „Citizenship and Immigration.“ Nur mal so, für alle Fälle.

Klarstellung: Ich bin weder von den obengenannten Laserpistoleros abgeschossen worden, noch kenne ich jemanden, dem dies widerfuhr. In Flensburg habe ich keinen Punkt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


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