04. Oktober 2015

Dimensionen des Vermögens Eine Million, eine Milliarde?

Auch wer mega-reich ist, kann sich nicht ausruhen

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Bildquelle: shutterstock Muss bewahrt und entwickelt werden: Vermögen

Wann ist man finanziell unabhängig? Vermögend? Wohlhabend? Reich? Für die meisten Menschen sind alle Millionäre gleichermaßen reich. Doch der Unterschied innerhalb der Welt der Wohlhabenden und Reichen ist viel größer, als man sich vergegenwärtigt. Ist Ihnen der Unterschied zwischen einer Million und einer Milliarde bewusst? Wirklich? Dann schauen wir einmal.

So komisch es klingt, am besten veranschaulicht das Bargeld die Dimension eines Vermögens. Eine Million Euro in 100-Euro-Scheinen, in bar übereinander gestapelt, ist etwa 30 Zentimeter hoch. Und wie hoch ist nun der Stapel, den ein Milliardär an den Tisch bringt? 120 Zentimeter? Zwei Meter? Drei Meter? Nein, es sind 300 Meter. Ganz richtig, das hätten Sie nicht gedacht. Und zur besseren Veranschaulichung: Der Kölner Dom ragt gerade mal 157 Meter in die Skyline. Also, so sieht es mit den Dimensionen aus: 30 Zentimeter gegen 300 Meter. So viel zur Gleichheit unter den Reichen und Superreichen.

Meine Beobachtung der letzten Jahre hat mir immer wieder gezeigt, dass eine große Zahl von Geldanlegern sich viel reicher fühlt, als sie in Wirklichkeit sind. Besonders nach dem Verkauf von Immobilien oder ganzen Firmen und Gewerbebetrieben sind sie beeindruckt von den stolzen Summen, die auf ihren Depot- und Kontoauszügen erscheinen. Gut beraten ist derjenige, der sich nicht zu viel darauf einbildet. Denn wie sieht es auf der internationalen Ebene des Private Banking hinter den Kulissen aus? Als vermögend wird auf dem globalen Bankenparkett eingestuft, wer mehr als 30 Millionen Euro Kapitalvermögen bei der jeweiligen Bank besitzt. Internationalen „First Class Service“ bieten die Banker in Zürich, Genf und London erst ab 300 Millionen Euro. Wenn Sie mit geringeren Summen am Schalter in der Kassenhalle antreten, so wird man Sie zwar zuvorkommend hofieren. In Wirklichkeit wird sich aber niemand für Sie ein Bein ausreißen.

Grundsätzlich ist Geldanlegern dringend eine „Vorwärtsstrategie“ in ihrer Vermögensanlage anzuraten. Nicht der ängstliche Vermögenserhalt, sondern eine gezielte, aktive Vermögensausweitung mit langfristiger Perspektive ist allen Vermögenden zu empfehlen. Dazu braucht es Talent, erstklassige Beratung und das Erlernen im Umgang mit Risiken. Dies alles sollte in eine ausgewogene Anlagestrategie münden. Was von den weniger reichen Menschen nicht verstanden wird: Hier geht es nicht um unersättliche und schwer nachzuvollziehende Geldgier, sondern um einen möglichst langen Erhalt des Vermögens, am besten über die Generationen hinweg. Denn die eigentlichen Herausforderungen für große Vermögen sind die Rückschläge, die erfahrungsgemäß das Schicksal so mit sich bringt. Das immer wiederkehrende Crash-Szenario an den Finanzmärkten, das ist der eigentliche Lackmustest. Und hier spielt die Höhe des Vermögens auch wiederum eine ganz entscheidende Rolle. Zur Veranschaulichung nehmen wir wieder das Beispiel unseres Millionärs und unseres Milliardärs.

Im letzten Finanzdebakel 2008 hat ein Bekannter von mir, ein Großerbe in der sechsten Generation, durch einen Firmenzusammenbruch 97 Prozent seines Vermögens eingebüßt. Da er aber vor dem Crash über eine Milliarde Euro besessen hatte, verbleiben ihm – trotz des Nackenschlags – noch 30 Millionen Euro. Zum Vergleich: Hätte er nur eine Million Euro besessen, wäre er heute bei einem Gesamtvermögensstand von gerade mal 30.000 Euro angekommen. Ich brauche Ihnen den Unterschied und die Konsequenzen für die Zukunft nicht näher auszumalen. Der Punkt ist klar.

Fazit: Keiner weiß, was die Zukunft bringen wird. Fest steht aber, dass auch gute Aktien in schlimmen Zeiten 90 Prozent und mehr fallen können. Nicht nur 1929 und auch 2008 ist dies alles schon vorgekommen.

Wer dabei ist, sich ein beachtliches Vermögen aufzubauen oder ein solches bereits zu verwalten hat, sollte sich nicht als „Glückspilz“ fühlen. Innerlich grinsend, wie gut es einem geht, oder selbstgefällig, mit stolzer Brust nachts selig einzuschlafen, ist der falsche Ansatz. Der vermögende Geldanleger hat vielmehr ein ernstzunehmendes Mandat, im Sinne der Vermögensabsicherung und der Nachfahren, sich der systematischen Ausweitung des Vermögens zu widmen. Und so gilt auch für Mega-Reiche: Fleißig weitermachen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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