05. Oktober 2015

Zinsanstieg Bedrohung für die Aktien?

An den Haaren herbeigezogen

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Bildquelle: shutterstock Boomt weiter: China

China-Ängste und ein drohender Zinsanstieg haben die Aktienbörsen in Angst und Schrecken versetzt. Wo stehen wir Aktionäre jetzt? Am Anfang einer langen Baisse?

Ich glaube, die Argumente für eine schlimme Baisse bei den Aktien sind an den Haaren herbeigezogen. Schon längere Zeit warteten die Börsen auf eine „Verschnaufpause“, auf eine Korrekturphase. Seit dem Ende der fürchterlichen Lehman-Pleite-Jahre ging es ja mehr oder minder stark bergauf mit den Kursen. Es ist ein altes Strickmuster in der Börsenpsyche, dass eine Korrekturphase nur mit Hilfe externer Argumente eingeläutet werden kann.

Diesmal sind es der „China-Schock“ und der drohende Zinsanstieg. In solchen Perioden der medialen Aufheizung, die Ängste schürt, hilft generell der Blick in eine weitere Zukunft. In Sachen China und Asien allgemein bin ich mir recht sicher, dass wir noch sehr viele Jahre mit guten Wachstumsraten rechnen können. Vor allem für nachgewiesene Qualitätsprodukte aller Art.

Die Bevölkerungszahlen sind gigantisch, der Anspruch auf bessere Lebensverhältnisse in den riesigen Städten und Metropolen ist berechtigt und nicht einfach vom Tisch zu wischen. Durchmischt mit vernünftigen, konjunkturellen Beruhigungsphasen wird es aufwärts gehen. Unternehmen mit starker globaler Präsenz, auch in diesem Teil der Welt, werden nachhaltig profitieren.

Und nun zum Schreckgespenst „Zinsanstieg“. Bei den guten Aktiengesellschaften in vielen Ländern liegen im Mittel die Dividendenrenditen zwischen zwei und drei Prozent im Jahr. Zusätzlich hat der langfristig engagierte Aktionär Aussichten auf Wertzuwächse und ist an einem „lebenden Sachwert“ beteiligt.

Und wie sieht es bei den Anleihen aus? Dazu ein paar ganz aktuelle Beispiele vom Schweizer Franken-Bonds-Markt: Coca-Cola bietet einen Coupon von 0,25 Prozent für eine Anleihe fällig im Jahr 2022. Und wer Coke sein Geld bis zum Jahr 2028 übergibt, der bekommt einen Coupon in Höhe von einem Prozent im Jahr. Bei Mondelez International (Milka Schokolade, Toblerone, Oreo Kekse und andere) gibt es einen 0,375-Prozent-Coupon mit Laufzeit bis 2020 und 1,125 Prozent bis zur Endfälligkeit 2023. Und das bei einem S&P-Rating von gerade mal BBB. Die Firma hat Anleihen von über zehn Milliarden US-Dollar in den Bondmärkten ausstehen. Am Ende der Laufzeit erhält der Anleger 100 Prozent seines Einsatzes zurück (wenn alles gutgeht), losgelöst von inflationären Entwicklungen in der Zwischenzeit.

Sollte nun in solchen Fällen das Zinsversprechen um 0,25 Prozentpunkte oder gar um 0,50 Prozentpunkte angehoben werden, fühle ich mich als Value-Investor in Versuchung geführt, mich von meinen guten Aktien zu trennen? Kribbelt es mir in den Fingern? Bin ich hin und her gerissen zwischen der Wahl Aktie oder Anleihe? In keiner Weise.

Ab wann würden Bonds auf dem Radarschirm der privaten Anleger in massiver Form wieder auftauchen? In unserem Value-Fonds „ME Fonds - Special Values“ bleiben wir dabei: Erst ab einem Zinsniveau in Höhe von fünf Prozent und mehr, in einer gesicherten Währung, mit gesicherter Rückzahlung eines guten Schuldners, wird es großen Anlagebedarf an den Bonds-Märkten geben. Und davon sind wir heute meilenweit entfernt, wahrscheinlich für sehr lange Zeit, wenn ich das so sagen darf.

Im Fazit: Auch im jetzigen Börsenherbst und -winter führt für langfristig denkende Geldanleger kein Weg an der Aktie vorbei. Kursschwankungen gehören nun einmal zur Aktienbörse. Das war schon immer so.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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