21. Oktober 2015

Die Grünen und die Flüchtlinge Anton Hofreiter, grenzenlos

Wenn sie auf die Straße gehen...

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Bildquelle: Metropolico.org Schlafwandler: Anton Hofreiter

In der gleichen Nachrichtensendung, in der Polizeigewerkschaftschef Rainer Wendt eine Grenzsicherung forderte, trat auch Anton Hofreiter vor eine Kamera und sprach schweratmend ins Mikrofon: „Will er etwa Leute niederknüppeln lassen und Wasserwerfer auffahren?“

Eine Zurückweisung an der Grenze und ein Aufnahmestopp würden es auch tun, verbunden mit dem Eingeständnis: Wir schaffen es nicht mehr. Genau das hatte Hofreiters Parteifreund Boris Palmer kürzlich festgestellt, grüner Oberbürgermeister von Tübingen und – anders als Hofreiter und Katrin Göring-Eckardt – qua Amt sowohl verantwortlich für echte Menschen als auch darüber informiert, dass alle winterfesten Unterbringungsmöglichkeiten mittlerweile schlicht voll und überbelegt sind.

Der entscheidende Punkt ist ein anderer. Wer es für eine gute Idee hält, immer noch täglich bis zu 10.000 Menschen ins Land zu schleusen, obwohl das Aufnahmesystem schon kollabiert, schlafwandelt ganz anderen Gewaltszenen entgegen. Und die finden demnächst nicht im Bayerischen Wald statt, sondern in deutschen Innenstädten. Was werden Hunderttausende junger kräftiger Männer – ausgestattet mit einer eher kurzen Zündschnur – denn tun, wenn sie im Sommer 2016 immer noch in hoffnungslos überfüllten Notquartieren feststecken, wenn sie wegen der noch immer fehlenden Bescheinigung nicht arbeiten können und noch nicht einmal ihren Fall vortragen durften, weil die Wartezeit bis zum sogenannten Erstgespräch mittlerweile bis zu neun Monaten beträgt? Wenn es mit dem Haus, das nach der festen Vorstellung vieler Araber jeder Neuankömmling in Deutschland bekommt, nichts geworden ist, und mit allem anderen auch nichts?

Wenn sie auf die Straße gehen, dann handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht um einen disziplinierten Marschblock von Doppelkinn- und Anglerhutträger um die 50 wie in Dresden, die inhaltlich und phonetisch so etwas wie „Buh“ rufen, sondern um eine etwas agilere Truppe. Möglicherweise erinnert sich dann einer aus der Menge an eine Partei, die 2015 ganz besonders ergreifend von einer besseren Zukunft geschwärmt hatte, von der „alle profitieren“ (Katrin Göring-Eckardt). Falls die desillusionierten Neuankömmlinge im kommenden Jahr auch vor der Parteizentrale der Grünen stehen sollten, wird Anton Hofreiter hoffentlich darauf verzichten, die Polizei zu rufen, zumal Wasserwerfer dann ohnehin nichts mehr nützen. Und ihnen stattdessen schwerschnaufend persönlich entgegentreten, um die Sache bei einem Kännchen grünem Tee mal richtig auszudiskutieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


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