22. Oktober 2015

Banken Die fetten Jahre sind vorbei!

Jetzt wird eingespart, aber macht das Sinn?

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Bildquelle: shutterstock Alles muss raus: Das Tafelsilber der Großbanken

Die Deutsche Bank sorgt dieser Tage für Schlagzeilen. Erstmals soll der Vorstand radikal umgebaut werden, Köpfe rollen, Sparten werden zusammengelegt. Diese Maßnahmen zeigen vor allem eines: dass die fetten Jahre der Banken vorbei sind. Mir tut das insofern leid, als Banken teils zu Unrecht für die Wirtschafts- und Finanzkrise verantwortlich gemacht wurden. Die Hauptschuld daran trugen die globalen Hedgefonds, Investmentbanken (dazu zählt auch die Deutsche Bank) und Ratingagenturen sowie die tief verschuldeten US-Haushalte. Nun müssen auch lokale Banken, deren Mitarbeiter und deren Kunden leiden, also Banken, die die lokale Wirtschaft ankurbeln, und die mit der Finanzkrise nichts zu tun haben. Schade.

Dass die guten Zeiten der Banken vorbei sind, daran sind nicht nur die Spätfolgen der Wirtschafts- und Finanzkrise schuld: Aus der New Economy gehen weitreichende Entwicklungen hervor, die den Banken zu schaffen machen und sie vor noch nie dagewesene – und meines Erachtens kaum überbrückbare – Herausforderungen stellen. Denn es gibt sehr gute, innovative Mitbewerber. Firmen, oftmals Startups, die Private Banking, Konsumkredite, Auslandsüberweisungen, den Vertrieb von Finanzanlageprodukten, Kreditkartengeschäfte und so weiter anbieten. Geldüberweisungen zum Beispiel über Paypal oder Konsumentenkredite über Auxmoney oder Lendico sind auch in Deutschland bekannt. Es ist bereits zu sehen, wie Banken unter Druck geraten. Sie verkaufen daher weltweit ihr Tafelsilber. In Wien, meiner Heimatstadt, ist das in der Innenstadt gut zu beobachten. Banken veräußern die vielen schönen Immobilien, die sie jahrzehntelang besessen haben. Aber was dann? Diesen Besitz können sie nur einmal mit Gewinn verkaufen, dann ist er weg.

Das Problem ist, dass Banken wirklich schlechte Karten haben. Die Konkurrenz ist kleiner, flinker als sie. Bankstrukturen sind behäbig, groß und veraltet, wie sie da mithalten wollen, also wie sie den Kunden bessere Preise als die Konkurrenz anbieten wollen, das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Ebenso werden Banken seit der Finanzkrise unter Generalverdacht gestellt (auch die Banken, die die Finanzkrise nicht verursacht haben). Sie müssen die Kosten für die überbordende Regulierung in den Bereichen Compliance, Risk und Anti Money Laundering tragen, obwohl diese Regulierungen die nächste Finanzkrise nicht verhindern werden. 

Die Deutsche Bank spart nun kräftig ein, doch macht das Sinn? Die Folgen sind schwer abzuschätzen. Top-Manager wird das nicht anziehen, sie werden nicht für weniger Geld arbeiten wollen und lieber woanders ihr „Glück“ suchen. Wenn Spitzenkräfte lieber zur Konkurrenz weiterziehen, so wird das auch wenig helfen. Die fetten Jahre bei klassischen Banken sind zumindest in Europa (ausgenommen Großbritannien) mit Sicherheit vorbei.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog fisch+fleisch.


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