09. November 2015

Survival-Bewegung Überleben mit den Old Order Amish?

Die Faszination von Preppern für eine christliche Tradition

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Bildquelle: shutterstock Adrett und überlebenstauglich: Die Amish

Die Nationalisten des 20. Jahrhunderts träumten von weltumspannenden Imperien, doch die „neuen Rechten“ des 21. Jahrhunderts jammern über ihren drohenden Untergang. In den USA hat sich bereits seit längerem eine bunte Szene von ultra-„besorgten Bürgern“ entwickelt, die gemeinsam der Auffassung sind, dass „der Kollaps“ nicht mehr aufzuhalten sei. Da keinerlei Übereinstimmung darüber besteht, ob es sich um einen Atom-, Religions- oder Bürgerkrieg, eine globale Energie-, Terror-, Finanz- oder Wirtschaftskrise, einen Asteroideneinschlag oder eine Pandemie handelt, verwenden inzwischen Abertausende „Survivalists“ (Überlebenswillige) gerne symbolische Kürzel: „SHTF“ heißt „Shit hits the Fan“, deutsch: „Wenn die Sch... eintritt“, und „TEOTWAWKI“ steht für „The End Of The World As We Know It“, das Ende der Welt, wie wir sie kennen. „Preppers“ (deutsch: Prepper) gehen einen Schritt weiter und bereiten sich („prepare themselves“) auf das kommende Desaster etwa durch den Bau von „sicheren Unterschlupfen“ und das Anlegen von Vorräten vor.

Religionswissenschaftlich spannend ist dabei, dass die aus dem deutschsprachigen Raum erwachsene, nur in Nordamerika erhaltene Religionsgemeinschaft der Old Order Amish unter „Preppern“ wachsendes Interesse findet. So wird in einer Spezialausgabe des „Survivalist“-Magazins nicht nur geschildert, wie die früher als „dumb Germans“ – dumme Deutsche – verspottete Minderheit ihr Leben ohne Elektrizität und Massenprodukte bewältige, sondern auch, wie sie ihr Gemeinwesen organisiere (religiös und dezentral, netzwerkartig, mit klaren Rollenverteilungen und Mischungen aus Wahl- und Losverfahren) und durch ihren Kinderreichtum eine „Wiederbesiedlung“ der Erde nach der Katastrophe bewirken könnte. Weitere Kapitel der – sinnigerweise einfach als E-Book erhältlichen – Ausgabe befassen sich mit den handwerklichen und medizinischen Fähigkeiten der Amish, mit Kochrezepten, wenigen historischen Hintergründen sowie den Möglichkeiten und Bedingungen von Übertritten in eine Amish-Gemeinde.

Auch auf Youtube finden sich Videos, die „Amish Survival Skills“ verschiedenster Art anpreisen. Aus einer evolutionären Perspektive ließe sich wohl auch einfach festhalten, dass zumindest einige US-amerikanische Survivalists inzwischen so weit sind, den buchstäblichen „Überlebensvorteil“ anzuerkennen, den Religionsfreiheit und die daraus folgende religiöse und kulturelle Vielfalt mit sich bringen können. So weit sind die meisten „besorgten Bürger“ in Europa leider noch nicht...

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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