26. November 2015

Börsengang von Ferrari Ein Beispiel für den klassischen IPO-Effekt

Warnung für Anleger

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Bildquelle: Burachet / Shutterstock.com Ferrari World Park: Attraktion in Abu Dhabi

Am 3. November 2015 habe ich in meinem Blog „Eine aufregende Woche. Für Investoren gibt es viel zu entscheiden“ auf die Ferrari-Aktie hingewiesen. In der Tat, da gab es viel zu entscheiden. Inzwischen ist klar: Aus dem Fall der Ferrari-Aktie kann der Geldanleger viel lernen.

Es ist typisch für die Börse, dass sich Verhaltensmuster der Anleger wiederholen. Das hängt mit den Mechanismen der Börse, den Geschäftsinteressen der verschiedenen Teilnehmer und der Psyche der Geldanleger zusammen. Mit der Einführung der Ferrari-Aktie an der Wall Street haben wir ein anschauliches Beispiel für solch eine typische Börsenkonstellation. Zunächst zum Hintergrund: Bei Ferrari (Symbol: RACE) haben wir es mit einer hoch interessanten Automobilaktie zu tun, die gleichzeitig dem Luxussegment an der Börse zugeordnet werden kann. Das ist spannend. Denn hier streiten sich die Geister: Mehr Auto- oder mehr Luxusmarken-Aktie? Das hat erheblichen Einfluss auf die Bewertungskriterien der Aktie.

Aber darauf kommt es im Moment gar nicht an. Die Kursentwicklung signalisiert etwas ganz anderes. Die Aktie wurde an der Wall Street erst vor kurzem zum Preis von 60 Dollar eingeführt. Der Kurs von Ferrari hat sich dann oberhalb von 50 Dollar eingependelt und ist nun auf 47,60 Dollar abgesackt. Mit was haben wir es hier zu tun? Nun, mit dem typischen IPO-Effekt (IPO – Initial Public Offering oder auf Deutsch: Börseneinführung), der leider immer wieder von Geldanlegern unterschätzt wird!

Es ist ein alter Hut – erfahrene Börsianer raten aus Vorsichtsgründen generell vom Kauf von Aktien in einem IPO ab. Denn: Für die involvierten PR-Agenturen, Rechtsanwälte und Investmentbanker ist ein IPO ein hoch lukratives Geschäft. Es geht um zu viel Geld. Es wird alles getan, einen maximalen Kurs zu erzielen und das meiste Geld reinzuholen. Nach Möglichkeit wird die Zukunft in rosigen Farben ausgemalt. Viele Aktien werden im IPO nicht in langfristig strategische Hände plaziert, sondern landen in – nennen wir es einmal – „Zwischen-Parkstationen“ des Finanzsystems.

Meine Strategie als Value-Investor ist ganz einfach: Ich nehme nie an einem IPO teil. Ich nehme die Aktie aber auf meinen Research-Radarschirm. Dann lasse ich mir Zeit und beschäftige mich intensiv mit dem Unternehmen. Nach sechs bis zwölf Monaten ist für mich die Quarantäne-Zeit vorbei. Bis dahin sind die IPO-„Kursverzerrungen“ meist ausgebügelt. Gelegentliche Ausnahmen zu dieser Börsenregel lassen mich kalt. Denn eine andere Börsenregel gilt ebenfalls: Kursverluste zu vermeiden ist wichtiger, als theoretische Kursgewinne zu verpassen. In unserem Value-Fonds „ME Fonds – Special Values“ hat uns diese klare Haltung seit 14 Jahren vor viel Unheil bewahrt.

Zum Abschluss fällt mir gerade ein Satz meines Freundes S.G. aus B. ein. Er arbeitet in vierter Generation als erfahrener Privatbankier alter Schule. Seit Jahren warnt er mich: „Markus, pass auf. Die besten Verkäufer der Welt arbeiten an der Wall Street“, und dann schaut er mir tief in die Augen... Ferrari lässt grüßen.

Eine erfolgreiche Woche mit viel „Value“, Ihr Markus Elsässer.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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