11. Januar 2016

Übergriffe gegen Frauen Nein, nein, nein!

„Frauenrechtlerinnen“ messen mit zweierlei Maß

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Bildquelle: shutterstock Im Land des Flüsterns: Gutmenschen mit Schnappatmung

Vor einiger Zeit las ich, dass eine Frau während einer Vergewaltigung „im Schnitt“ 72 Mal „Nein“ sagt. In dem Artikel wurde auch genau beschrieben, ab welchem Moment eine Vergewaltigung beginnt (nämlich dann, wenn das erste Mal ein „Nein“ zu vernehmen ist) und dass es ein noch unerträglicheres Martyrium ist, wenn eine solche Gewalttat auch noch zudem in „Gesellschaft“, also öffentlich, geschieht. Wenn also zu dem ganz persönlichen Grauen noch die zusätzliche Scham dazukommt, dass andere zugesehen und damit passiv mitgemacht haben.

Als Vorlage für den Artikel diente ein Film mit Jodie Foster, „Angeklagt“, bei dem eben diese von mehreren Männern missbraucht worden ist und eine ganze Gruppe begeistert mitgeklatscht – und dem Treiben erst so eine richtig perverse „Faszination“ verliehen hat.

Als ich den Film vor vielen Jahren zum ersten Mal sah, ging er mir tagelang nicht aus dem Kopf, so verstörend war dieses Gefühl der Hilflosigkeit, das vom Opfer ausging – und dass man diese förmlich körperlich spüren konnte, ohne dass man von ihr selbst betroffen war. In „Angeklagt“ wurden die Täter schlussendlich entsprechend bestraft, und man hatte das Gefühl, dass von dem Elend, dass das Opfer erleiden musste, ein bisschen wieder gutgemacht worden war.

Als ich das erste Mal von den Geschehnissen nicht nur in Köln hörte und las, konnte und wollte ich es zuerst nicht glauben, zumal in der breiten Presselandschaft kaum darüber berichtet wurde. Ein paar wenige Hinweise im Internet, ein kurzer Bericht im Radio, das war‘s.

Fast bekam man den Eindruck, dass da wieder so ein paar „Übertreiber“ unterwegs waren, die der „Flüchtlingsdebatte“ auf fiese Art und Weise neue Nahrung geben wollten.

Nur nach und nach, und wohl nur aufgrund des überwältigenden Drucks durch die Masse, kamen die unfassbaren Geschehnisse immer mehr ans Tageslicht. Und heute – sieben Tage später – ist von Vergewaltigungen und sonstigen sexuellen Übergriffen in allen möglichen Städten nicht nur in Deutschland die Rede; sogar zwei minderjährige Mädchen sollen betroffen sein.

Trotzdem habe ich das Gefühl, im „Land des Flüsterns“ zu leben, denn fast noch schlimmer als die Taten an sich ist der Umgang der Politik, der Medien und einer überwältigenden Überzahl von „Meinungsmachern“ mit den Geschehnissen.

Der Umgang mit dem, was passiert ist, ist beschämend – gerade und vor allem von den weiblichen Gutmenschen, die schon Schnappatmung bekommen, wenn der Mann für die Arbeit, die eine Frau nicht machen möchte, mehr Geld als diese bekommt. Keine dieser sogenannten „Frauenbeauftragten“, „Gleichstellungsbeauftragten“ und sonstigen völlig überflüssigen Jobinhaberinnen für sonst nicht Vermittelbare taucht empört in der öffentlichen Wahrnehmung auf.

Keine der sogenannten Frauenrechtlerinnen fragt nach den Opfern, niemand von den „Menschenfreund(innen)“ fragt nach den Angehörigen der Opfer, die jetzt Monate und Jahre brauchen, bis sie das Erlebte (wenn überhaupt) verarbeitet haben. Niemand von den „Alles-ist-super-Brüller(innen)“ fragt danach, was jetzt für Zeiten auf die Opfer und ihre nahestehenden Vertrauten zukommen.

Nein, eine Oberbürgermeisterin schwadroniert von „Armlängen“, eine Frau Roth fabuliert davon, dass das nichts mit der Herkunft der Täter zu tun hat, sondern ein „Männerproblem“ ist, Frau Merkel sagt wie immer im Prinzip nichts. Und die unselige Frontfrau des Staatsfernsehens, Dunja Hayali, fabuliert davon, dass „die Vorgänge in Köln kein Auswuchs spezieller Kultur seien“.

Allerorts flüchtet man sich in Beschwichtigungen, in Relativierungen und in eine Scheinwelt, in der alles angeblich in bester Ordnung ist. In eine Welt, in der eine Frau Roth von einer „Männerwelt“ plappert, obwohl es meines Wissens kein Ereignis in den letzten 100 Jahren gegeben hat, bei dem europäische Männer wie eine wilde Horde von Steinzeitaffen über das weibliche Geschlecht hergefallen sind.

In breiter Masse sind die Männer in den letzten Jahrzehnten zu Untertanen von Frauen degradiert worden (oder haben sich degradieren lassen). Kaum ein Mann traut sich noch, Mann zu sein, wenn er sich nicht dem Vorwurf des unsensiblen und unverzeihlich unempathischen „Grobians“ ausgesetzt sehen will.

Mit anderen Worten: Den Männern sind in weiten Teilen „die Eier abgeschnitten worden“; ein Umstand, dem vor allem die vielen Feministinnen positiv gegenüberstehen.

Frauen-„Rechtlerinnen“ haben jahrzehntelang (oft mit überaus unfairen Mitteln) nicht nur dafür gekämpft, in nahezu allen Bereichen mit dem männlichen Geschlecht gleichgestellt zu werden. Nein, sie sind ganz offen dafür eingetreten, dass Männer gefälligst in der Hölle schmoren sollen, wenn sie einer Frau nur zu tief in den Ausschnitt gucken. Das Beispiel von Rainer Brüderle ist da nur eines von vielen. Nun muss man kein Fan von Rainer Brüderle sein, aber außer einem blöden Spruch in weinseliger Stimmung ist der betroffenen Frau nichts passiert.

In der Silvesternacht ist jedoch sehr wohl etwas passiert. Sehr viel sogar.

Und was geschieht? Den Opfern wird die Schuld in die Schuhe geschoben. Da, wo Frauenrechte vor Silvester noch bis aufs Blut (und nur allzu oft in geradezu lachhafter Form) verteidigt wurden, sind diese nach Silvester keinen Pfifferling mehr wert.

Wobei das so auch nicht stimmt.

Wären nämlich die Angriffe von einer auch nur im Entferntesten so großen Horde von Männern mit (nur unterstelltem) Nazi-Emblem im Nacken verübt worden (selbst wenn dies nur ein winziger Verdacht gewesen wäre), wäre heute nicht nur in Deutschland der Teufel los. Ganze Heerscharen links-grüner Feministinnen würden nach 100-jährigen Haftstrafen für den „rechten Mob“ brüllen, würden Sondergipfel einberufen, würden Millionen an Euros für die Bekämpfung „rechter Gewalt“ einfordern. Keine einzige dieser Sauberfrauen würde öffentlich äußern, dass man jede einzelne Tat gesondert betrachten muss, dass man die Täter nicht „über einen Kamm scheren dürfe“ mit den sonstigen Männern des gleichen Milieus.

Nein, dann würden die selbstaufgestellten Gesetze der moralgetränkten Gutmenschlichkeit nicht mehr gelten.

Dann ginge es nur noch darum, Vergeltung zu fordern. Keine dieser „Damen“ würde erwarten, dass Frauen eine Armlänge Abstand zu halten. Keine dieser „Damen“ würde erwarten, dass man sich an die „Kultur“ der Angreifer zu „gewöhnen“ habe. Nee, nix da. Dann würde Jagd gemacht. Gnadenlos und mit voller Unterstützung der Politik, der Medien und der ganzen links-grünen Sippe, die permanent mit zweierlei Maß misst, nur damit das selbst zusammengezimmerte Weltbild nicht aus den Fugen gerät – selbst wenn es sich wie in Weil am Rhein um zwei minderjährige Mädchen handelt.

„Nein!“ Das ist das Wort, mit dem jede versuchte nicht gewünschte Annäherung sofort beendet sein muss. „Nein“ ist das Wort, das man grundsätzlich in jeder Sprache versteht – und zu verstehen hat. Egal, wer wem zu nahe tritt. Aber ein „Nein“ zählt bei dem einen Menschen als „Nein“, bei einem anderen als „Okay,vielleicht später“ und wieder bei einem anderen ist ein „Nein“ nichts wert.

Der letzte Fall scheint in Köln und anderswo geradezu massenhaft zugegen gewesen zu sein.

Für diese Tatsache Männer als Ganzes in Sippenhaft zu nehmen, ist eine unbegreifliche Unverschämtheit und zeigt nur erschreckend das Bild unserer Gesellschaft auf. Männer fremder Kulturen sind Männer fremder Kulturen, auf deren „Eigenarten“ wir Rücksicht zu nehmen haben. Männer der eigenen Kultur sind Männer, die von bestimmten Frauen für einen Blick in den Ausschnitt gesellschaftlich für tot erklärt werden (dürfen).

Ein irrwitziges Maß, mit dem gerade unsere „Frauenrechtlerinnen“ messen. Und dabei merken sie noch nicht einmal, wie sie sich selbst das Wasser abgraben, wie sie sich selbst in den Abgrund stürzen. Anscheinend ist dies auch egal. Wenn es nur der „richtige“ Abgrund ist.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Freiraum.


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