14. Januar 2016

Audi-Aktie Die Perle des VW-Konzerns

Aus dem Dornröschenschlaf geweckt?

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Bildquelle: Art Konovalov / Shutterstock.com Traditionsmarke auf dem Weg in die Zukunft: Audi

Einmal mehr hat sich 2015 gezeigt, von welch überragender Qualität die Audi-Gruppe ist.

VW sollte die Zeit des „Großreinemachens“ nutzen, um den Wert der Audi-Aktie zu heben. VW sollte auf dem Weg zu einem besseren Corporate Image auch das Problem der Audi-Aktiennotiz und seinen Umgang mit den Audi-Minderheitsaktionären in Angriff nehmen.

Am Samstag stand es als Schlagzeile in der Zeitung: „VW verliert – aber Audi nicht“. Gemeint ist das Fazit des Geschäftsjahres 2015. Die Auslieferungen der Kernmarke VW gingen 2015 um 4,8 Prozent weltweit zurück. Aufgrund des Abgasskandals schrumpfte der Absatz der Kernmarke VW in den USA ebenfalls um 4,8 Prozent auf knapp 350.000 Fahrzeuge. Doch nun das Bemerkenswerte im „Kleingedruckten“: Gerade dort, in den USA, konnte Audi um elf Prozent zulegen auf 202.000 Autos.

Audi feierte 2015 nicht nur in den Vereinigten Staaten von Amerika Erfolge. Weltweit steigerte Audi den Verkauf um 3,6 Prozent auf den Rekordwert von 1,8 Millionen Fahrzeugen. Die Ingolstädter verkauften trotz Dieselskandal so viele Autos wie noch nie.

Wir fühlen uns in unserem Value-Fonds „ME Fonds – Special Values“ mit unserem Engagement bei Audi bestätigt. Seit Jahren halten wir die Aktie als „Spezialität“ im Bestand. Auf der Hauptversammlung 2015 vertraten wir das größte Paket unter den verbliebenen freien Minderheitsaktionären. VW hält 99,5 Prozent der Audi-Aktien. Der Free Float in Höhe von 0,5 Prozent macht immerhin 140 Millionen Euro aus.

Bis heute gibt es keine Erklärung, warum sich der VW-Konzern für solch einen kleinen Free Float eine Börsennotiz mitsamt Hauptversammlung, Berichterstattung, Investor-Relations-Managern und so weiter leistet. Ein überaus kostspieliges Unterfangen.

2015 habe ich wiederholt auf die substantielle Unterbewertung der Audi-Aktie hingewiesen. An den Aussagen hat sich nichts geändert. Ohne mich zu wiederholen, hier noch einmal die Haupt-Vermögenswerte der Audi AG: die Automarke Audi, die Automarke Lamborghini, die Motorradmarke Ducati, 8,33 Prozent am Fußballclub FC Bayern München und ein Kassenüberschuss in Milliarden-Euro-Höhe.

Das alles steht hinter einer Audi-Aktie. Beim aktuellen Kurs von etwa 670 Euro pro Aktie ist der gesamte Audi-Konzern lediglich mit etwa 28,8 Milliarden Euro bewertet. Zum Vergleich: BMW hat eine Marktkapitalisierung von 55 Milliarden Euro.

Allein die Marke Lamborghini ist einmal in Vergleich zu Ferrari zu setzen. Denn mittlerweile ist die Ferrari-Aktie an den Börsen in Mailand und New York eingeführt worden. Trotz eines schlechten Finanzumfeldes wird Ferrari mit 7,5 Milliarden Euro bewertet.

Es ist zu wünschen, dass die neue VW-Führung das Audi-Thema angeht. Sich auf juristische Spitzfindigkeiten bezüglich eines alten Gewinnabführungsvertrages hinsichtlich der Minderheitsaktionäre zu berufen, ist nicht mehr zeitgemäß. Hier geht es um mehr. Aus meiner Sicht stehen VW zwei Lösungswege für die Werthebung offen: Erstens die komplette Einverleibung von Audi in den VW-Konzern. Audi würde dann als Division so wie SEAT oder Škoda geführt. Die Börsennotiz würde eingestellt. Die Audi-Aktionäre wären mit einer marktgerechten Bewertung abzufinden. In dieser Variante würde VW jährlich erhebliche Mittel und Zeitaufwand einsparen und ein Beispiel für gute „Corporate Governance“ zeigen.

Zweitens: Audi als „Finanzretter“ in der US-Schadensersatz-Krise. VW entschließt sich, Audi aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken. Audi wird ein DAX-Unternehmen. VW behält die unternehmerische Kontrolle mit etwa 30 bis 40 Prozent Aktienanteil und bringt die restlichen 60 bis 70 Prozent der Audi-Aktien an die Börse. Damit würden dem VW-Konzern nach meiner überschlägigen Berechnung etwa 30 bis 40 Milliarden Euro in die Kassen fließen. Hier unterstelle ich eine ähnliche Bewertung wie derzeit bei BMW.

Das Jahr 2016 wird spannend. Das Thema VW und sein Verhältnis zu Audi wird an Aktualität gewinnen. Im „ME Fonds – Special Values“ bleiben wir am Ball.

PS: Wichtig: Bei der derzeitigen Audi-Börsennotiz werden an manchen Tagen nur wenige Aktien gehandelt. Dies sollten Geldanleger im Hinterkopf behalten. Es ist eine Aktie für professionelle Investoren, die gewohnt sind, mit marktengen Papieren umzugehen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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