27. Januar 2016

Zensur Dieser Beitrag wurde zensiert, so eine Gemeinheit!

Aber stimmt das eigentlich?

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Bildquelle: shutterstock Nicht immer lesenswert: Beiträge und Kommentare im Internet

Gestatten, ich bin Ihr Zensor. Nicht hier, aber auf meinem eigenen Blog (ortneronline.at) bin ich immer wieder gezwungen, die Beiträge einzelner User zu löschen. (Warum, erklär ich gleich). Und dann beginnt, wie in jedem anderen Online-Medium auch, immer das gleiche Gewinsel: „Zensur!“ Oder, bei den ganz Beknackten: „ZENSUR!!!“

Besonders dann, wenn hochemotionale Ereignisse – wie etwa die Gewaltexzesse der Kölner Silvesternacht – diskutiert werden, sind manche User besonders flott mit dem Vorwurf „Zensur“ zur Stelle. Deshalb ist jetzt vielleicht auch ein recht günstiger Zeitpunkt, da einmal etwas Klarheit zu schaffen, was es mit dieser vermeintlichen Zensur eigentlich so auf sich hat.

Erstens: Zensur kann definitionsgemäß nur der Staat oder ein Staatsorgan ausüben. Der Duden definiert das so: „… von zuständiger, besonders staatlicher Stelle vorgenommene Kontrolle, Überprüfung von Briefen, Druckwerken, Filmen oder Ähnliches, besonders auf politische, gesetzliche, sittliche oder religiöse Konformität.“ Also: Zensieren kann nur der Staat, sonst niemand. Deshalb kann auch keine Zeitungsredaktion, kein Onlinemedium, kein Blog und auch sonst kein Privater „Zensur“ ausüben.

Zweitens: So wie jeder Eigentümer einer Wohnung frei darüber entscheiden kann, wen er hereinlässt und wen nicht, entscheidet auch jedes Medium, was es abdruckt oder ins Netz stellt – und was nicht. Das muss schon allein deshalb so sein, weil jedes halbwegs funktionierende Medium derart viele Einsendungen, Zuschriften, Texte aller Art, Rückmeldungen, Hinweise und was Gott noch alles bekommt, dass irgendjemand dauernd entscheiden muss, was davon wie öffentlich gemacht werden soll und was nicht. Und dieser „jemand“ ist der, der vom Eigentümer des Mediums dafür bezahlt wird, diese Arbeit zu verrichten. Auch das hat mit Zensur rein gar nichts zu tun.

Drittens: Es gibt, auch wenn manche User das anders sehen, kein Recht darauf, irgendwo publiziert zu werden, so wie es kein Recht darauf gibt, in jede beliebige Wohnung eingelassen zu werden. (Die „Zensur“-Kläffer können das ja gerne mal ausprobieren.)

Viertens: Der Eigentümer eines privaten Mediums schuldet niemandem Rechenschaft darüber, warum er etwas nicht publizieren will. Wenn mir ein Text nicht gefällt, publiziere ich ihn manchmal trotzdem, und manchmal eben nicht. Warum das so ist, geht genau niemanden etwas an. In your face!

Fünftens: Wer einen einigermaßen klaren Gedanken hat, nicht herumpöbelt und sich sonstwie daneben benimmt, einigermaßen verständliche Sätze schreiben kann und einfach die Regeln des zwischenmenschlichen Umgangs halbwegs beherrscht, hat gute Chancen, gehört und gelesen zu werden.

Sechstens: Deswegen wäre ich außerordentlich dankbar, künftig nicht mehr mit dem albernen „Zensur!“-Geblöke behelligt zu werden. Danke im Vorhinein, Ihr Zensor.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Fisch und Fleisch.


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Dossier: Mediales

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Christian Ortner

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