31. Mai 2016

Börse Die VTG-Aktie war mal für sechs Euro zu haben

Augen auf an der Bahnschranke

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Bildquelle: shutterstock Augen auf: Anlagemöglichkeiten lauern überall

Eine Erfolgsstory für alle Beteiligten. Der Waggonvermieter VTG macht an der Börse Furore. Beachtliche Erfolge lassen sich an der Börse auch ohne großes Risiko erzielen.

Die besten Anlagemöglichkeiten liegen meist genau vor der Haustür. Im Fall der VTG-Aktie sollte man besser sagen: an der Bahnschranke. Immer wenn so ein ellenlanger Güterzug an mir langsam vorbei zuckelte und ich ärgerlich im Auto warten musste, sah ich das Zeichen „VTG“ an den Kesselwagen. Irgendwann begann ich darüber nachzudenken, was es mit dieser „VTG“ auf sich hat. Das war im Jahr 2007.

Damit nahm eine meiner besten Value-Entdeckungen ihren Anfang. Schon damals war die VTG mit Sitz in Hamburg in Europa der größte nicht-staatliche Waggonvermieter. Doch kaum ein Investor hat sich zu dem Zeitpunkt mit der Aktie beschäftigt. Kaum einer verstand das Geschäftsmodell. Die meisten konnten die Bilanz nicht richtig interpretieren, wenn sie sich überhaupt die Mühe gemacht haben, sie zu lesen.

Die VTG-Gruppe war 2005 von dem amerikanischen Investor Wilbur Ross, einem erfahrenen „Haudegen“, gekauft worden. Verkäufer war die alte Preussag, die sich nun TUI nannte. 
Kurz danach, im Jahr 2007, brachte Wilbur Ross die VTG-Aktie an die Börse. Ross blieb über seine Holding alleiniger Mehrheitsaktionär.

Für mich war sehr schnell klar, um was für eine gute Gelegenheit es sich für Investoren hier handelte. Das Geschäftsmodell mit seinen langen Mietverträgen war bestechend, der langfristige Trend von der Straße auf die Schiene einleuchtend. Aber niemand wollte sich meinen Argumenten anschließen. Zumal der Kursverlauf der Aktie zunächst unerfreulich war. Und dann noch dieser in Deutschland unbekannte Großaktionär, der nie in Erscheinung trat!

Als meine Berechnungen ergaben, dass die VTG zu den ganz wenigen Aktien gehörte, die damals unter Buchwert notierten (von den stillen Reserven und dem Goodwill ganz zu schweigen), war für mich der Fall klar. Zwischen 2008 und 2009, mitten in der Lehman-Finanzkrise, fing ich an, auf VTG-Aktien zu setzen. Die ersten Kurse lagen bei sechs Euro. Heute notiert die VTG-Aktie bei 29 Euro.

Die Aktie blieb an der Börse unverstanden, die Kurse waren über lange Zeit gedeckelt. Als der Kurs 16 Euro erreicht hatte, wies ich im Finanzmagazin „Der Aktionär“ auf die kolossale Unterbewertung hin.

Als im Frühjahr 2016 Wilbur Ross anfing, sich altersbedingt zurückzuziehen, und es ihm gelang, die Joachim Herz Stiftung (Tchibo-Familie) als strategischen Investor zu gewinnen, war das Eis gebrochen. In meinem Blog vom 16. März 2016 „Eigener Research lohnt sich“ sowie in meinem Gastkommentar im Finanzportal Wall Street Online „VTG rücken ins Rampenlicht“ (vom gleichen Tag), habe ich dann auf die noch besseren Aussichten der VTG-Aktie aufmerksam gemacht.

Letzte Woche gab es einen erneuten Paukenschlag. Der Großunternehmer Kühne von Kühne + Nagel übernahm ein 20-Prozent-Aktienpaket von Wilbur Ross. Das Kursniveau lag bei 28 Euro pro Aktie.

Aus dem Mauerblümchen VTG, dem kaum Beachtung geschenkt wurde, ist dank guter Arbeit des Managements und des Aufsichtsrats sowie der Umsicht des alten Großaktionärs eine hochinteressante Aktienstory geworden. Die Tatsache, dass in der Zwischenzeit drei große Profi-Aktionäre auf hohem Kursniveau engagiert sind, spricht langfristig für die guten Zukunftsaussichten der VTG. Auch in unserem Value-Fonds „ME Fonds – Special Values“ sehen wir keinen Grund, die Aktie zu verkaufen. Wir bleiben engagiert.

Wenn ich mir bei Durchsicht der Depotauszüge den Einstiegskurs der VTG-Aktie zu sechs Euro anschaue, dann wird mir immer wieder bewusst: Um an der Börse sein Kapital zu vervielfachen, brauche ich mir nicht in Silicon Valley mit Start-ups unüberschaubare Megarisiken aufzuladen. Es geht auch anders. Zu Hause – mit viel Geduld und Stehvermögen. Also: Augen auf im Alltag, auch vor der Bahnschranke.

Markus Elsässer: „Eigener Research lohnt sich“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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