14. Juni 2016

Auf den Spuren des Elektroautos Hat sich nicht verkauft!

Als Golfcart aber unverzichtbar

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Bildquelle: shutterstock Erfand nur Marktgängiges: Thomas Alva Edison

Wer durch den Orangenstaat Florida fährt, bekommt seltsamerweise so gut wie nie frisch gepressten Orangensaft zum Frühstück. Dafür trifft er an etlichen Orten auf wunderbar gestaltete Museen, vom riesigen Kennedy Space Center bis zu den kuriosen Kabinetten des legendären Comic-Zeichners und Weltreisenden Robert Ripley („Believe it or not“). Nicht wenige Museen sind Erfindern gewidmet. Erfinder genießen einen guten Ruf in Amerika. Das ist etwas anders als in Deutschland, wo eine säkulare Priesterkaste lieber darüber predigt, welch schlimme Folgen gewisse Erfindungen gezeitigt haben oder womöglich noch zeitigen werden. Autos, Genfood, Herbizide, alles bekanntlich Satanswerk.

Im nördlich gelegenen Austern-Örtchen Apalachicola, nicht weit von der Grenze zu den US-Bundesstaaten Alabama und Georgia, liegt etwas versteckt inmitten eines heißen, mit Baummoos behangenen Südstaaten-Ambientes das Museum für John Gorrie. Sein epochaler Beitrag zur Zivilisation: 1845 erfand dieser Mann die Kältemaschine, mit der er bis zu zehn Eisblöcke pro Tag herstellen konnte. Auf dem Kompressorprinzip der Konstruktion basieren die heutigen Eismaschinen in Fischereihäfen, die Aircondition in Räumen, die Klimaanlagen in Autos, der Kühlschrank. Die halbe Welt wäre ein anderer, nämlich ein unkommod verschwitzter und oft gammelnder Ort, hätte es den Arzt John Gorrie nicht gegeben.

Die Klimaanlage wurde eher aus Versehen erfunden

Es spielt keine Rolle, dass der besessene Tüftler eigentlich auf der falschen Spur war (er wollte billiges Eis generieren, um Malariapatienten zu heilen; unwissend, dass Malaria durch eine Mückenart übertragen, nicht durch stickig-heiße Sumpfluft hervorgerufen wird). Irrelevant auch, dass er selber seine Maschine nicht auf den Markt bringen konnte (er fand dafür keine Investoren und wurde zudem von der damaligen Eisindustrie gemobbt, die winters Eisblöcke aus zugefrorenen Seen schnitt, einlagerte und teuer vermarktete). Die Bedeutung seines Patents wurde bald nach seinem frühen Tod im Jahre 1855 erkannt. Doch erst im 20. Jahrhundert setzte sich die Kältemaschine weithin durch.

Sicher gibt es Menschen, die Gorrie dafür verfluchen. Kältemaschinen verbrauchen reichlich Energie und begünstigen den Klimawandel, oder? Trägt dieser Kerl nicht eine Mitschuld daran, dass die Malediven dem Untergang geweiht sind? Wenn der Kölner Dom dereinst halb unter Wasser steht, wie es ein „Spiegel“-Titel („Die Klima-Katastrophe“, Heft 33/1986) weissagte, hat nicht Gorrie posthum seine Hand im Spiel? Gar nicht zu reden davon, dass die Kältetechnik manche Handelsströme von regional auf überregional, später gar auf global umstellte. „Chlorhühnchen“ aus Amiland, ohne Gorrie gar kein Thema!

Uns war das schnuppe, als wir in einem dank Gorrie gut gekühlten Automobil durchs heiße Florida fuhren. Unsere abendlichen Mojitos tranken wir nach dem Besuch des Gorrie-Museums stets mit einem Toast auf den großen Innovator.

Apropos Automobil! Im Museum of Florida History von Tallahassee begegneten wir einer anderen Idee, die sich leider bis heute nicht so recht durchsetzen konnte. Es handelte sich um das Baker Electric Car Baujahr 1911 – ein flotter Zweisitzer, der in der hübsch gezeichneten Werbung flink wie ein Windhund rüberkommt.

Den Elektroautos wurde schon früher eine große Zukunft prophezeit

Man muss wissen, dass den Elektroautos schon früher eine große Zukunft prophezeit wurde. Und zwar zu einer Zeit, da das Kutschieren von Autos mit Verbrennungsmotoren noch eine mühsame, stinkende und oft krachend fehlzündende Angelegenheit war. Anno 1900 stellte ein Mr. Baker auf der Autoshow in New York den ersten Stromer vor, dessen Antrieb er sich hatte patentieren lassen. Das Gefährt leistete 0,75 PS und soll laut Wikipedia eine Reichweite von 32 Kilometern besessen haben. Damals war es wohl nicht ganz verwegen, anzunehmen, dieses Vehikel sei eine Alternative zu den noch sehr primitiven Verbrennern, deren Kraftstoff man sich zum Beispiel in der Apotheke besorgen musste. Doch schon ein paar Jahre später hatte sich das Match gedreht. Ein Schild an dem Baker-Auto im Tallahassee-Museum rät ironisch, man solle sich die dort ebenfalls ausgestellte Werbung für das Modell von 1911 genauer ansehen. Tatsächlich ist diese recht kleinmütig geraten. Das Auto, erfährt man, „stelle alle vernünftigen Bedürfnisse des durchschnittlichen Autofahrers zufrieden“ und bringe den Nutzer „so weit, wie er an einem Tag will“.

Zu dieser Zeit waren Elektroautos gegenüber den Töff-Töffs bereits in die Defensive geraten. Kundenbeschwerden bezüglich der Reichweite waren üblich. Daher stellte die Baker-Werbung hauptsächlich auf den seinerzeit noch erheblichen Vorteil ab, dass man sich beim Elektroauto nicht die Finger schmutzig machen und auch keine Abgasschwaden atmen musste. Die Werbetafel für den Baker 1911 zeigt ein fahrendes Glamourpaar mit Golfausrüstung.

Als Golfcarts sind Stromer bis heute unverzichtbar

Yes, indeed. Als Golfcarts sind Stromer bis heute unverzichtbar. Hat Angela Merkel, die Deutschland mit subventionierten Elektroautos fluten möchte und der Legende nach was mit Physik studiert hat, wovon sie sich aber nichts anmerken lässt, vielleicht mal eine Baker-Werbung gesehen? Und da Anwendungsgebiete durcheinander gebracht?

Erstkunde des Baker Electric von 1900 war übrigens Thomas Alva Edison. Ihm ist das Edison Winter Home and Museum im floridanischen Fort Myers gewidmet. Der Titan der elektrischen Erfindungen (unter anderem Glühbirne, Generator, Phonograph, Telefon) hatte allerdings nichts mit der Produktion von Elektroautos im Sinn. Ihn interessierten allein Bakers Batterien, die er weiterentwickeln wollte. Im Museum sind auch starke Sprüche des Autokraten und Erzkapitalisten ausgestellt. Zum Beispiel: „Ich werde das elektrische Licht so billig machen, dass nur noch die Reichen Kerzen werden abbrennen können.“ Noch besser fanden wir sein Credo: „Etwas, das sich nicht verkaufen lässt, will ich nicht erfinden. Sein Verkauf ist der Beweis seiner Nützlichkeit, und Nützlichkeit ist Erfolg.“

Ob das mal jemand der Frau Merkel mitteilt?

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


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