14. Juni 2016

Politik gegen Bikini-Reklame Warum sexualisierte Werbung nicht verboten gehört

Wer sie nicht mag, soll wegschauen

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Bildquelle: shutterstock Nicht jedermanns Sache: Bikini-Model in der Werbung

Leider war ich zu spät, und die Werbung war schon wieder weg: Eigentlich wollte ich ein Foto von zwei nebeneinander hängenden Plakaten in der Kölner U-Bahn machen, die unsere Politiker im Zweifel zur Weißglut treiben: Auf der einen Seite eine lasziv in Turnringen hängende verschwitzte junge Frau – Werbung für ein Fitness-Studio –, auf der anderen eine Werbung für eine E-Zigaretten-Marke. Beides Dinge, die unsere Regierungspolitiker am liebsten verboten sähen, weil sie entweder irgendwie schädlich für die „Volksgesundheit“ (Rauchen, auch als Surrogat) oder für das gesunde Volksempfinden (weibliche Haut) sein könnten. Der Nanny-Staat greift an allen Ecken und Enden nach der Werbung, die ihm nicht genehm erscheint – und auch, wenn es hier nur um ein Detail geht: Mit Freiheitlichkeit hat so etwas sicher nichts zu tun!

Nun bin ich umgekehrt kein besonderer Fan von allzu stark sexualisierter Werbung. Nicht, dass die nicht auch ästhetisch sein könnte, aber in den meisten Fällen geht es doch wohl eher um das plumpe Andeuten von Sexualität, das Austesten der Grenzen des guten Geschmacks. Oder anders gesagt: Ich habe wenig Freude an Werbebildern, die mir – sagen wir mal – als Desktophintergrund gegenüber Freunden peinlich wären. Das hat nicht nur damit zu tun, dass viele solcher Bilder eine Herabwürdigung der Frauen darstellen können, sondern dass sie versuchte Tabubrüche darstellen in Richtung einer Sexualität, deren Rahmen doch eigentlich die Ehe darstellen sollte, oder – sagen wir als Kompromiss – wenigstens eine feste Beziehung. Das „lüsterne“ Betrachten fremder Frauen auf derartigen Werbeplakaten dagegen, dazu hat sich schon Jesus eindeutig geäußert (wer’s nicht weiß: nachschlagen unter Matthäus 5,28). Ein Bild an sich allerdings – so viel Differenzierung sollte schon sein – macht noch keinen Ehebruch, kann höchstens einen Anreiz dazu bieten.

Insofern halte ich sowohl als Christ als auch als Liberaler nichts von einem Bilderverbot in der Werbung, solange sie nicht in eklatanter Form pornographisch angelegt ist. Bislang haben mich meine Kinder noch nicht nach dem Sinn der Abbildung solcher Frauen gefragt, aber ich glaube, das kann man ihnen erklären, ohne rote Ohren zu bekommen: Mit optischer Schönheit Werbung zu machen, das lohnt sich halt. Und Hässlichkeit kann man den abgebildeten Frauen im Normalfall sicher nicht unterstellen. Als Katholik muss man also sexualisierte Werbung nicht gut finden, man kann – wenn sie zu extrem wird – auch Beschwerde bei den Unternehmen einlegen. Man kann aber auch einfach wegschauen oder – das ist dann allerdings die hohe Kunst – sich an der Schönheit erfreuen, die Gott dem Menschen in seinem Körper geschenkt hat. Was man nicht fordern muss, ist ein Verbot solcher Werbung.

Das müssen aber Katholiken, die das anders sehen, heute auch schon deshalb nicht, weil ihnen da die Politik bereits entgegenkommt: Darstellung von Frauen, gar lasziv lächelnd, womöglich noch in einem nicht zwingenden Zusammenhang mit dem beworbenen Produkt: Das geht gar nicht! Und wenn dieser Zusammenhang besteht, dann trifft der Bannstrahl sogenannter Gleichstellungsbeauftragter diese Werbung trotzdem. Ob man sich an deren Stelle lieber einen auf einen Holzklotz gezogenen Schlüpper vorstellt, der den Körper einer Frau nicht mal annähernd nachahmt? Wer weiß. Das Thema beschäftigt jedenfalls derzeit München: Am dortigen Marienplatz hängt am Hugendubel-Haus eine Bikiniwerbung; dargestellt ist eine Frau in – so schreibt es die „Süddeutsche Zeitung“ – „aufreizender Pose“ und, dem Werbeobjekt entsprechend, nur mit einem Bikini bekleidet. Ist das nicht zu sexualisiert, müsste so etwas nicht verboten werden?

Die zuständige Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) wird jedenfalls mit den Worten zitiert: „So weit ich informiert bin, können wir gegen diese Werbung nichts tun.“ – Der Satz weist darauf hin, was sie gerne täte. Und wenn einem neben allgemeiner Prüderie kein Argument einfällt, dann geht noch ein anderes. Die „SZ“ schreibt: „Das Thema sexualisierte Werbung beschäftigt inzwischen auch die Bundesregierung, die nach den Vorfällen der Silvesternacht in Köln an einem gesetzlichen Verbot arbeitet.“ – Aha, da sind also testosterongesteuerte Vollpfosten (wie sich zwischenzeitlich herausgestellt hat, in dem Fall tatsächlich in großer Zahl Flüchtlinge) unterwegs, die möglicherweise nach dem Anblick eines solchen Plakates Frauen belästigen – dann gehören die natürlich verboten? Haben die sie noch alle? Die sollen kalt duschen gehen!

Schwingt sich der Papsttreue also nun zur Verteidigung einer solchen Werbung auf? Nein, das ist nicht meine Absicht – aber mit Verboten herumzufuchteln, wird weder eine Lösung sein für Übergriffe wie die in der Silvesternacht, noch wird es die Situation von Frauen in den Ecken der Welt verbessern, in denen sie wirklich unterdrückt werden. Wer solche Werbung nicht mag, soll wegschauen oder bei den Anbietern nicht mehr einkaufen. Man kann auch andere dazu auffordern, es einem gleichzutun – nichts ist ein so wirksames Einflussmittel auf die Unternehmen wie Umsatzeinbußen.

Aber wer heute solche Werbung verbietet, dem fallen morgen noch ganz andere Dinge ein, die einen stören könnten, von denen man sich nicht stören lassen möchte. Oder wie Ludwig von Mises, der Grandseigneur der Österreichischen Schule der Nationalökonomie und Libertärer, mal so schön formuliert hat: „Ein freier Mensch muss es ertragen können, dass seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muss sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Papsttreuen Blog.


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