15. Juni 2016

Fußball-Europameisterschaft Betreuter Spielplatz für Patrioten

Sport als politisches Erziehungsinstrument

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Bildquelle: shutterstock Wo Mann noch Mann sein darf: Beim Fußballgucken

Es gibt kein Entkommen. Im Supermarkt, in allen Medien, auf der Straße, in der Gastronomie: Fußball-Overkill überall und rund um die Uhr. Endlich sind die murrenden Bürger, insbesondere die Männer, eine Zeit lang abgelenkt. Abgelenkt von der Finanz- und Staatsschuldenkrise, abgelenkt von der unkontrollierten Masseneinwanderung und ihren dramatischen Folgen, abgelenkt von der minderwertigen Performance Brüssels und der europäischen Regierungen, abgelenkt von den dunklen Wolken, die sich über Europa zusammengezogen haben.

Fußball ist der Männerauslaufplatz in unserer politisch korrekten Gesellschaft. Fußball, das ist eines der letzten Zugeständnisse der durchgegenderten, feminisierten Gesellschaft an den europäischen Restmann. Beim Fußball darf der dekonstruierte Mann nach seiner erfolgreichen Verhausschweinung (Konrad Lorenz) in einem zeitlich und örtlich genau definierten Rahmen ein paar seiner Resttriebe und Bedürfnisse ausleben, ohne dass sofort die politisch korrekten Mahner, die feministischen Tugendwächter und andere modernen Moral- und Gerechtigkeitsinstanzen entrüstet ihre Zeigefinger erheben und noch mehr Verbote und Verhaltensregeln fordern. Trotz aller Bestrebungen, aus Fußball eine harmlose Familienveranstaltung zu machen, darf der Mann in diesem Reservat noch ein bisschen Mann spielen, ein bisschen. Und weil das im modernen Europa mittlerweile etwas so Außergewöhnliches ist, wird eine riesige Sache daraus gemacht. In unserem postheroischen Zeitalter werden – ausnahmsweise – die Torjäger als große Helden verehrt, im Werbefernsehen wimmelt es aktuell nur so von kernigen Fußballfans, und die Sport-Kommentatoren dürfen Vokabeln verwenden, die man vor allem aus dem militärischen Bereich kennt.

Beim Fußball dürfen Männer noch Rudel bilden, Kameradschaft pflegen, Siege und Tore lautstark feiern, es geht um Auseinandersetzung, Wettbewerb, den Kampf zwischen Mannschaften und Nationen. Der in unseren Breiten mittlerweile verpönte Patriotismus ist beim Fußball – ausnahmsweise – erlaubt. Vieles, was im politisch korrekten Europa einen Hautgout hat, darf in dieser Sphäre spielerisch, rituell nachgestellt werden.

Nur noch beim Fußball darf der Europäer, der europäische Mann ohne schlechtes Gewissen nationale Symbole tragen, darf patriotisch sein, ohne dass die politisch korrekte Moralpolizei sofort lautstark „Nazi“ brüllt. Wobei selbst das Schwenken eines schwarz-rot-goldenen oder rot-weiß-roten Fähnchens den Gutmenschen-Hardlinern entschieden zu weit geht. So haben jetzt die Grünen zum Verzicht auf Fahnen bei der EM und die faschistische Antifa zum Klauen derselben aufgerufen. Selbst der degenerierte Party-Patriotismus geht den linken Nachwuchs-Jakobinern zu weit. Ganz auf dieser Linie ist auch die deutsche Nationalmannschaft, auf ihren EM-Trikots sucht man die Nationalfarben mit der Lupe. Zumindest homöopathischer Patriotismus wird beim Fußball aber nicht nur geduldet, er ist sogar erwünscht. Das politische Establishment liebt es, auf den VIP-Tribünen in den Stadien Volksnähe zu simulieren, wenn es mit dem Schal in den Nationalfarben gestenreich und kamerawirksam das Spiel „seiner“ Mannschaft mitverfolgt. Ein zumeist erbärmliches Schauspiel. Beliebt sind auch gemeinsame Fotos mit den Fußballhelden. Wenn die Nationalmannschaft bei einer EM oder WM erfolgreich spielt, mutiert selbst Angela Merkel zum Deutschlandfan. Kein Wunder, dient doch Fußball dem politisch korrekten Establishment als Hebel und wichtiges Argument für die Multikulturalisierung der europäischen Gesellschaften. Anhand der Spieler mit Migrationshintergrund versucht man dem gemeinen Fußballfan die Vorzüge der unkontrollierten Masseneinwanderung schmackhaft zu machen. Ohne die jährlich Hunderttausenden von Einwanderern aus der Dritten Welt hätten „wir“ auch keinen tollen Torjäger XY. Multikulti ist für den Erfolg einer Mannschaft, einer Gemeinschaft, einer Gesellschaft extrem wichtig, so die simple Botschaft. Dieses bei linken Politikern so beliebte Argument auf Kindergartenniveau basiert auf dem sich in diesen Kreisen hartnäckig haltenden Vorurteil: Rechter gleich Prolet gleich Vollpfosten gleich Fußballfan. Mit Fußball – so meint man – kann man dem dämlichen Wahlvieh die nicht vorhandenen Vorteile der Multikulti-Ideologie zielgruppenadäquat näherbringen.

Deshalb finden es die Apologeten dieser politischen Irrlehre auch gar nicht lustig, dass das deutsche Handballteam ganz ohne Multikulti höchst erfolgreich ist. „Die Zeit“, das Zentralorgan für empörte Linke, schreibt: „Das frische Erfolgsteam hat keinen einzigen Spieler mit dunkler Hautfarbe oder auch nur südländischem Teint. Es handelt sich, mehr noch, um eine Mannschaft ohne jeglichen Migrationshintergrund. 100 Prozent kartoffeldeutsche Leistungsbereitschaft. Offenbar ist dieser Sport sozialdynamisch irgendwo vor drei Jahrzehnten steckengeblieben. Er verweist mit aller Macht auf eine selig verklärte, deutsche Reihenhausvergangenheit der 80er Jahre.“ Huch, wie Nazi ist das denn? Um so etwas künftig zu vermeiden, wird es wohl schon bald verpflichtende Migranten-Quoten für Nationalmannschaften geben.

Sport als politisches Erziehungsinstrument. Eine deutsche Fußballnationalmannschaft ohne Spieler mit Migrationshintergrund ist mittlerweile undenkbar. Nicht aus sportlichen Gründen. Im Gegenteil. Sie könnte ja erfolgreich sein und damit die Multikulti-Heilsbotschaften Lügen strafen. Und das geht gar nicht. Mit Sport oder Leistung hat das recht wenig zu tun. Fußball ist für die Indoktrination und Erziehung der Bürger genauso wichtig wie öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Universitäten, Schulen, Kunst- und Kulturförderung.

Fußball wird vom Establishment zunehmend instrumentalisiert. Brot und Spiele, Sozialstaat und Fußball. Ich spiele nicht mit, sehe mir kein EM-Match an und widme mich stattdessen einer Sportart, die die politisch korrekten Moralapostel so gar nicht mögen.


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