28. Juli 2016

Terror Warten auf den großen Knall

Aus unterschiedlichen Gründen

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Bildquelle: shutterstock Bange Erwartung: Klammheimliche Hoffnung?

Offenlegung: Für die folgende Vorschau benutze ich kein belastbares Faktenmaterial. Nur den hierzulande etwas verpönten gesunden Menschenverstand, der im angelsächsischen Sprachraum als „common sense approach“ glatt durchgeht. Ferner über zwei oder drei Gespräche unter moderater Weinzufuhr, die mich etwas nachdenklich gestimmt haben.

Also: Wenn es demnächst auch hierzulande einen Big Bang geben wird – damit meine ich nicht irgendein suboptimal gemanagtes Massaker, keine „Schießerei“ mit ein paar Toten, keinen „Amoklauf“ eines selbstredend immer psychisch gestörten, „einsamen und kranken Einzeltäters“, auch kein dilettantisches Suizid-Gebombe mit ein paar Verletzten; nicht derlei minderschwere Vorfälle mithin, die einigen zur falschen Zeit am falschen Ort Befindlichen schon mal passieren können, bekanntlich aber seltener als Pilzvergiftungen sind – nein, dieses Kleinkaliber meine ich nicht.

Sondern einen Terrorakt jener Dimension, die man aus Bagdad oder Kabul oder Nigeria kennt. Wenn er in Deutschland geschähe – 150 Zerfetzte, 300 Verletzte oder so bei „Rock am Ring“ oder in der Allianz-Arena –, was wäre dann wohl? Kein Geheimnis. Das käme, aus unterschiedlichen Motiven, auch manchen Bio-Deutschen nicht ungelegen. Die rechtsradikale Szene ersehnt naturgemäß ein islamistisches Meisterstück à la 9/11, das ihr ein für allemal recht geben soll. Nicht wenige User einschlägiger Websites gieren nach dem größten anzunehmenden Anschlag.

Aber auch bei jenen Konservativen, die über Merkels CDU inzwischen bloß noch den Kopf schütteln, keimt hier und dort – natürlich nur klammheimlichst – der Gedanke, nur eine spektakuläre Schreckens-Großtat, so widerwärtig die Vorstellung auch sei, könne die verkorkste Situation noch wenden. Die torkelnde Partei schlagartig ernüchtern. Das Irrenheim der Berufsbeschwichtiger, Kulturrelativierer und Augenzudrücker vielleicht doch noch auf Vernunftkurs trimmen. Nebenbei den Klebers und Augsteins das Maul stopfen.

Brave Bürger mit derart beängstigenden Gedanken gibt es nicht? Doch. Leider. Dafür sorgen Politik und Medien. Zum Beispiel jeden Abend nach dem jeweils neuesten Anschlag, wenn halbwegs informierte Menschen durch „Tagesschau“ und „heute“ belehrt werden sollen, dass nichts mit nichts zu tun habe. Unschwer zu erahnen, wie sich da vor den Glotzen eine Phalanx von Mittelfingern ausstreckt.

Auch auf der anderen Seite, gegenwärtig arg unter Rechtfertigungsdruck, erhoffen sich manche den großen Knall. Bloß andersrum. Eine Terroraktion hocheffizienter NSU-Nachfolger vielleicht, beim Freitagsgebet in einer Duisburger Moschee? Endlich wieder genehmere Schlagzeilen! Oder wenigstens ein Mob, der ein Flüchtlingsheim abfackelt, vor laufenden Kameras. Hoyerswerda reloaded, das wäre der ideale Vorwand für die endgültige Ermächtigung gegen „Hate Speech“ und „Rassismus“. Beziehungsweise gegen all das, was Maas, Schwesig und ihre Hiwis darunter verorten möchten.

Polizei und Geheimdienste von der Leine lassen, Telefone anzapfen, Social Media durchschnüffeln, Wohnungen filzen – das ganze Programm. Dieses „Pack“ mal so richtig aufmischen – was für eine verlockende Vorstellung. Wie es gegenwärtig aussieht, könnten sich die Hoffnungen der ersten Gruppe zeitnah erfüllen. Die zweite Gruppe muss auf ihr 9/11 womöglich noch ein Weilchen warten. Mit dem Pack verdreschen hat sie vorauseilend aber schon mal angefangen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


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