21. September 2016

Digitalisierung Fluch oder Segen?

Die Herausforderung annehmen

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Bildquelle: shutterstock Digitalisierung: Verbindend oder verblödend?

Ein Auto, das alleine fährt, und ihr sitzt auf dem Fahrersitz, schließt die Augen und entspannt euch – könnt ihr euch das vorstellen? Nicht so ganz, richtig?

Eine Bank, die euch online alles bietet und den Gang in eine Filiale überflüssig macht – könnt ihr euch die vorstellen? Wohl schon eher.

Ein Versicherungsmakler, der kein Mensch ist, sondern nur virtuell in Erscheinung tritt – könnt ihr euch den vorstellen? Vermutlich gerne, denn so mancher Makler versteht es, an den Nerven zu sägen.

Wenn ihr mich vor diesem Hintergrund fragt, wie das diesjährige Forum Alpbach war, kann ich nur sagen: spannend! Es ging um die Digitalisierung, deren Folgen vielen von uns noch nicht richtig bewusst sind. Tiefgreifende Veränderungen kommen auf uns zu, da dürfen wir uns nichts vormachen. Millionen von Menschen weltweit werden ihre Jobs verlieren.

Ihr habt richtig gelesen. Arbeitslosigkeit ist die Folge jener Digitalisierung, die viele so laut bejubeln. Denken wir an die Industrialisierung zurück. Ihr habt sicher von den Maschinenstürmern gehört. Ähnliches wird im Zuge der Digitalisierung stattfinden. In manchen Regionen wird die Arbeitslosigkeit auf bis zu 50 Prozent steigen, die Menschen werden in ihrer Wut auf die digitalen Konzerne losgehen wollen und keine Angriffsflächen vorfinden, weil die Server irgendwo anders stehen.

Das ist bitter, sehr bitter, wir können das aber auch als Herausforderung annehmen, sofern wir mutig sind und bereit, uns selbst als digitale Menschen weiterzuentwickeln. Eine andere Wahl, als an uns selbst zu arbeiten und mit dem Fortschritt mitzuhalten, haben wir nicht.

Bleiben wir bei den Entwicklungen in der Automobilbranche. Selbstfahrende Autos werden unsere Straßen erobern, denn sie bedeuten: weniger Unfälle und weniger Stau. Weniger Unfälle, weil Autos, um es so zu sagen, nicht kiffen, nicht trinken und beim Fahren nicht müde werden. Studien zufolge würden selbstfahrende Autos die Reisezeit um 40 Prozent verkürzen, alles wäre organisierter, ohne Menschen hinter dem Lenkrad läuft es gleich viel reibungsloser. Studien zufolge soll es so allein in den USA 30.000 Verkehrstote im Jahr weniger geben. Hinzu kommt, dass die meisten dieser Autos Elektroautos sein werden, was die Umwelt entlastet.

Für eine flächendeckende Einführung muss noch die Technologie weiterentwickelt werden, um die nötige Sicherheit zu gewährleisten; auch eine Klärung rechtlicher Fragen ist unabdingbar. Denn, und das muss bei den vielen Vorteilen klar gesagt sein: Selbstfahrende Autos wissen sehr viel über uns. Sie wissen, wohin wir fahren. Sie wissen somit, wo wir essen, wen wir besuchen und was wir in unserer Freizeit machen. Wem gehört dieses Wissen nun, wem gehören diese Daten? Dem Automobilhersteller? Euch? Oder jener Firma, über deren Software die Daten gesammelt werden? Und wie sieht es bei Unfällen aus? Wer ist dann verantwortlich?

All das sind Fragen, die derzeit eine ganze Industrie beschäftigen – doch eine Klärung ist in Sicht, und selbstfahrende Autos sind nicht mehr aufzuhalten. Cars2Call – also selbstfahrende Bestellautos – werden Taxifahrer überflüssig machen. Man ruft einfach an und lässt sich abholen. Auch die Tage von Lkw-Fahrern sind gezählt. Erfreulich ist das für diese Berufsgruppen natürlich nicht. Was können wir tun, um nicht selbst zu denen zu gehören, die ihre Jobs verlieren werden?

Umschulen heißt das Zauberwort. Viele Berufstätige müssen umgeschult werden. Ein hartes, undankbares Wort, aber eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Es werden mehr Techniker vonnöten sein, mehr Menschen, die das Verkehrsmanagement technisch übernehmen. Ob diese Umschulung funktionieren wird? Ich habe meine Zweifel. Womit wir wieder bei den Maschinenstürmern der industriellen Revolution wären. Und wir wissen ja, wie die Sache damals ausging...

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog fisch+fleisch.


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