14. November 2016

Trumps Triumph Der letzte Tanz des Establishments

Da ist man gerne wieder Transatlantiker

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Jung, weiblich, vegan: Neue Experten für Spiegel Online

Ich gebe zu, dass ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte. Es waren die frühen Morgenstunden des 9. November, und ich wachte auf dem Sofa auf. Während die ARD-Redaktion im geselligen Plausch für Clinton frohlockte, musste ich wohl eingeschlafen sein. Da saß ich nun und blickte in die etwas entgeisterten Gesichter der Hauptstadtpresse, während das Unglaubliche über den Bildschirm flimmerte: The next President is Donald Trump. 

Ja, ich verspüre eine gewisse Genugtuung. Was mussten wir uns anhören! Der irre Kandidat Trump wird niemals eine Chance haben – ein völliger Außenseiter, ein dümmlicher Hetzer: All die Sätze konnte man schon auswendig. 

In wöchentlichen Kommentaren stellte Spiegel Online Trump als „populistisch“ dar und verunglimpfte seine vielen Wähler als ungebildete, frustrierte, weiße Männer. Hillary Clinton hingegen sei eine Heilsbringerin, die die Qualifikation zur Präsidentin habe, mit dem einzigen Auftrag, Trump zu verhindern. 

Junge Studentinnen, Master of Gender Studies und vegane Bioladenbesitzer in Berlin-Friedrichshain wurden zu Bento-online-Experten. Menschen, die sich für Trump aussprachen, wurden als rückwärtsgerichtete, rassistische, homophobe Spinner bezeichnet. 

Wundern wir uns eigentlich noch über irgendetwas? Amerikanische Bürger, die nun monatelang als Idioten dargestellt wurden, nur weil sie ansatzweise mit den Ideen Trumps sympathisierten, fühlten sich verunsichert. Möglicherweise gaben sie im Zuge dessen bei Umfragen an, für Hillary Clinton zu stimmen. So und durch gelenkte Umfragen kam eine vermeintliche Schwäche Trumps zustande. „Es lohnt sich nicht, ihn zu wählen“, sollte suggeriert werden – wie neutral! 

Dabei sind die Ansätze Trumps aus liberaler Sicht nicht verkehrt. Die Wahrung des Rechts auf bewaffnete Selbstverteidigung, konsequente Friedenspolitik und militärische Zurückhaltung, Steuersenkungen, eine progressive Flüchtlingspolitik – im Vergleich zu Hillary Clinton war Trump der freiheitlichere Kandidat. 

Und überhaupt: Die Anmaßungen der deutschen Presse, Trump als undemokratisch zu bezeichnen! Viele Bürger, selbsternannte Intellektuelle und Anhänger eines breiten Linksspektrums erklären mittlerweile große Teile der amerikanischen Gesellschaft für politisch grenzdebil und nicht zurechnungsfähig. Das Prinzip der Freiheit des Einzelnen und der Meinungsfreiheit muss genau hier verteidigt werden – ein uramerikanischer Gedanke! 

Die Angst vor Trump ist unberechtigt – die Angst vor einem Demokratieverfall nachvollziehbar. Stimmen, Trump solle durch Wahlmänner verhindert werden, werden laut. Mordwünsche im Zuge der Fassungslosigkeit linker Clinton-Anhänger sind keine Seltenheit mehr. Wir müssen genau hier aufpassen, dass kein Werteverfall stattfindet. Angela Merkel mahnte bereits, Trump möge sich an westlichen Werten orientieren. (Dieses Statement wäre gegenüber dem freundlichen Ziegenflüsterer aus Ankara angebrachter gewesen.) Freuen wir uns auf die Gesichter der Presse in den nächsten Tagen. Freuen wir uns auf vierwöchige Wählerbeschimpfung, bis es Sachsen wieder an den Kragen geht. 

Clinton hat Geschichte geschrieben. Ihre Korruptheit, ihr schlechter Charakter, ihre blanke Boshaftigkeit haben uns etwas Großes ermöglicht: einen Präsidenten Donald Trump. Da ist man gerne wieder Transatlantiker. Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Freitum.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: US-Wahlen 2016

Mehr von Thorben Schwarz

Über Thorben Schwarz

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige