31. Mai 2017

Deutschland und die Welt Auf der Isolierstation

Amerika muss das Knie beugen

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Bildquelle: shutterstock Deutsche Spezialität: Wer nicht mitmacht, wird isoliert

Zuerst einmal wurde der Chinese isoliert. Es war damals, als die Olympischen Spiele anstanden und die ganze deutsche Welt nur ein Problem hatte: Die Menschenrechte der Chinesen dominierten ein halbes Jahr lang die innenpolitische Debatte im Land der höheren Moral. Eine Debatte nach deutscher Art, alle waren einer Ansicht, geht gar nicht, der Chinese muss genauso meinungsfrei sein wie der Deutsche, mit Zugang zu allen sozialen Medien samt aller Hass- und Hetzbotschaften. Nach der letzten gewonnenen Medaille schlief die Diskussion schlagartig ein, chinesische Menschenrechte waren kein Thema mehr, schon gar kein Problem.

Der nächste, den Deutschland und mit ihm die ganze westliche Wertegemeinschaft isolierte, war der Russe. Als Putin auf der Krim einmarschierte, nützte dem Potentaten aus dem Kreml auch die Tarnung seiner Soldaten mit unsichtbaren Panzern nichts. Der Russe war nun isoliert, der gesamte Westen stand wie ein Mann gegen den Mann in Moskau, der sich geirrt hatte. Niemals würde die NATO-Wertegemeinschaft es zulassen, dass Partikularinteressen Einzelner den Willen der ganzen Gruppe schwächen. Russland isolierte sich, es muss seitdem den Preis zahlen: keine G8 mehr, sondern nur noch G7, keine Freundschaft, sondern allenfalls gegenseitige Duldung. Wie China ist Russland isoliert.

Und es ist damit nicht ganz allein. Als die Briten sich entschlossen, die EU zu verlassen, wurden sie von einem wichtigen Mitglied der westlichen Gemeinschaft zu einer „mittleren isolierten Insel im Atlantik“, wie Deutschlands führender Außenpolitiker Elmar Brok urteilte. Am langen Arm, das stand fest, würde die EU die Abtrünnigen verhungern lassen, bis diese einsehen, dass Großbritannien ohne EU-Mitgliedschaft untergehen muss.

Eine Strategie, die so erfolgreich war, dass sie bei nächster Gelegenheit wieder angewandt wurde. Diesmal nahm sich Berlin die Türkei vor. Der Versuch des dortigen Präsidenten, eine nach deutschem Recht undenkbare Volksabstimmung über die Veränderung des Präsidialsystems durchzuführen, hatte deutliche Folgen. „Die Türkei ist außenpolitisch isoliert“, warnte die „Wirtschaftswoche“. Schlimmer noch: „Ob Europa oder der arabische Raum: Die Türkei isoliert sich außenpolitisch zunehmend in alle Richtungen.“

Zwar wurde Angela Merkel dann im goldenen Flüchtlingssommer des Jahres 2016 selbst auch isoliert. Doch an der Gesamtrichtung änderte das nichts. Alle isolieren sich von allen, vor allem Deutschland ist der große Isolator, in dem es fortwährend trötet, dass alle anderen „zunehmend isoliert“ seien.

Nun, quasi als Höhepunkt einer weltweiten Bewegung, die unter den bevölkerungsreichsten Staaten nur das arme Indien noch nicht erreicht hat, ist es Angela Merkel und der deutschen Presse gelungen, aus der G7 eine G6 zu machen. Denn nun sind aus deutscher Sicht auch die USA isoliert, 330 Millionen Menschen allein zu Haus, ohne Anschluss in der Welt, hilflos, zurückgelassen wie die 150 Millionen Russen, die 1.100 Millionen Chinesen, die 75 Millionen Perser und die 80 Millionen Türken.

Noch sind freilich nicht alle Türen zugeschlagen. Noch gibt es eine Rückkehr für Amerika in die Familie der friedliebenden, klimaschützenden, freihandelnden und nicht allzu sehr aufrüstenden Völker. Sie müssen das Knie beugen. Ihre falschen Führer davonjagen. Ihre falsche Politik beenden. Einsehen, dass es nur einen Weg in die Zukunft gibt. Und dass nur Deutschland ihn kennt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf politplatschquatsch.com.


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