12. Juli 2017

Nach den Ausschreitungen beim G20-Gipfel Gewalt ist niemals links

Wie sich Linke die Welt nach Hamburg zurechtbiegen wollen

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Bildquelle: shutterstock Geht niemals von Linken aus: Gewalt

Die deutsche Linke ist in einem Dilemma. Ideologisch unterstützen die Linken von der LINKEN bis zur SPD, also von ganz linksaußen bis linksaußen, die Forderungen der G20-Gegendemonstranten. Dummerweise hat es in Hamburg massive Ausschreitungen gegeben, bei Demonstrationen, die von Linken organisiert wurden, zu denen Linke aufgerufen haben, die von Linken angemeldet wurden, um linken Themen ein Forum zu schaffen und gegen den Kapitalismus, die Globalisierung, die Armut und alles, was Linke sonst noch zwar nicht kennen, aber bekämpfen, zu demonstrieren. Das, so erklären nun Linke landauf und landab, seien keine Linken gewesen. Die Plünderer, die zu einer linken Veranstaltung angereist sind, das waren keine Linken. Die Steinewerfer, die aus dem Schutz einer Demonstrantenmenge einer von Linken angemeldeten und organisierten Demonstration auf Polizisten geworfen haben, das waren keine Linken. Die Linken, die in Hamburg seit Jahrzehnten Häuser besetzen und der Polizei auf der Nase herumtanzen, das sind keine Linken.

Das sagt Dietmar Bartsch von der LINKEN, der Nachfolgepartei der PDS, die wiederum die Nachfolgepartei der SED war, jener linken Partei, die ihre eigene Bevölkerung hinter einer Mauer und Stacheldraht geschützt mit Selbstschussanlagen jahrzehntelang eingesperrt hat. Das waren auch keine Linken. Die SED, also der Zusammenschluss aus SPD und KPD, die Partei der Ulbrichts, Honeckers, der Piecks, der Stophs und Grotewohls, sie war, trotz aller ihrer Bemühungen, einen Ursprung in der Arbeiterbewegung zu finden, keine linke Partei. Und wo wir gerade dabei sind: Der real existierende Sozialismus, den die DDR jahrzehntelang praktiziert hat, solange, bis das Land wirtschaftlich und finanziell ruiniert war, das war auch keine linke Ideologie. Linke Ideologie ist Ideologie, die klappt. Ideologie wie der Sozialismus der DDR, die nicht geklappt hat, ist keine linke Ideologie und keine linke Politik, sonst hätte es geklappt. Und das gilt genauso für die Sowjetunion, für Venezuela, für Kuba und all die anderen Länder, in denen ursprünglich linke Politik ein zerstörtes Land hinterlassen hat. Das war keine linke Politik auf Basis linker Ideologie.

Ralf Stegner hat per Dekret erklärt, dass Linke keine Kriminellen und keine Gewalttäter sind, womit wir wieder bei den Hamburger Krawallen, bei den Gewalttaten, die aus linken Demonstrationen heraus begangen wurden, von Personen, die sich als Antifa dem linken Spektrum zuordnen und von der SPD, die dann keine linke Partei sein kann, unterstützt werden, die von Attac in eigenen Protest Readers suggeriert, nein den Teilnehmern offen als Handlungsweise angedient wurde. Aber das sind alles keine Linken, denn Linke, das sind Friedensengel, Menschen, die nie die Hand erheben würden gegen einen Mitmenschen, Menschen, die Parteien formen, die nie Kriegskrediten zustimmen würden (was die SPD nun endgültig als Gewaltpartei diskreditiert und aus der Linken ausgliedert). Denn, Ralf Stegner hat es festgestellt, Gewalt ist rechts. Linke kennen keine Gewalt, haben nie Gewalt angewendet, würden nie Gewalt anwenden. Linke sind die wahren Pazifisten, die die rechte Backe hinhalten, nachdem sie auf die linke Backe geschlagen wurden. Sie glauben es nicht? Suchen Sie Ralf Stegner auf, er wird sich gerne als lebendes Exemplar dieser reinen linken Spezies zur Verfügung stellen und seine Backen hinhalten (anschließend wird er dann noch über die Kieler Förde laufen, um seiner Reinheit Kultstatus zu verleihen).

Da wir nun alle wissen, dass links, selbst dann, wenn sich Linke explizit auf Marx oder Lenin berufen, nicht links ist, wenn Gewalt vorkommt, können wir nunmehr eine Liste der Nicht-Linken zusammenstellen, die fälschlicherweise von Tausenden von Historikern und Politikwissenschaftlern für links gehalten werden: Lenin und sein Russland, Stalin und seine Sowjetunion, Mao und sein China, Pol Pot und sein Kambodscha, die Rote-Armee-Fraktion, die Baader-Meinhof-Gruppe, die Rote Kapelle, die Bewegung 2. Juni, die Revolutionären Zellen, Linksruck, Marx21, die Rote Hilfe Deutschland. Nicht zu vergessen: Die Rigaer Straße in Berlin, dort leben auch keine Linken. Linke haben nicht in Berlin gegen Gentrifizierung demonstriert, denn da gab es Gewalt. Linke haben nicht in Frankfurt gegen die EZB demonstriert, denn da gab es Gewalt (Blockupy), Linke haben nicht gegen die Startbahn West demonstriert, nicht gegen Gorleben, nicht gegen Atomtransporte, denn da gab es Gewalt.

Wenn man es richtig überlegt, haben Linke noch nie wirklich demonstriert, denn alle Demonstrationen, von denen man bislang angenommen hat, sie seien von Linken organisiert, mit linken Themen bestückt und von Linken durchgeführt worden, waren gewalttätig, können entsprechend keine linken Demonstrationen gewesen sein. Außer St. Ralf aus dem hohen Norden werden also nicht viele Genossen, die aufgrund ihrer Ablehnung von Gewalt denselben Heiligkeitsstatus annehmen können wie St. Ralf, übrigbleiben. Tatsächlich macht sich Stegner mit seiner Aussage zu einer ziemlich einsamen Person, schon weil sie natürlich logischer Unsinn ist, auf den nur Minderbegabte hereinfallen. Es ist nicht einmal ein besonderer logischer Fehlschluss, denn ein solcher Fehlschluss setzt noch ein Mindestmaß an Argument voraus. Die einfache Aussage von Stegner hat die folgende logische Struktur: Linke sind keine Kriminellen. Linke sind keine Gewalttäter. Also: Wenn sich Linke als Kriminelle und als Gewalttäter entpuppen, dann sind beziehungsweise waren sie keine Linken. Das nennt man einfach einen Zirkelschluss. Man kann, wenn man sich systematisch um den Verstand reden will, einen Zirkelschluss in viele Worte verpacken: „Hey, das Meer ist aber rauh heute.“ – „Poseidon zürnt.“ – „Woher weißt du, dass Poseidon zürnt?“ – „Siehst du nicht, dass das Meer rauh ist?“ (Das Poseidon-Beispiel stammt vermutlich von Aristoteles, vielleicht auch von Xenophanes. Aristoteles wurde 384 vor Christus geboren, Xenophanes ist noch älter. 2.401 Jahre nach Aristoteles gibt es immer noch Leute, die einen Zirkelschluss für bare Münze nehmen.) Oder: „Linke würden nie eine Gewalttat begehen.“ – „Ich habe Linke gesehen, die Gewalttaten begangen haben.“ – „Das waren keine Linken.“ – „Wieso waren das keine Linken?“ – „Linke würden nie eine Gewalttat begehen.“

Wenn die geistige Verwirrung derart weit fortgeschritten ist, dass Politiker anfangen, den Unsinn, den sie erzählen, selbst zu glauben, muss an Zwangsmaßnahmen gedacht werden. Schließlich leben wir im Zeitalter von Nudging! Kann niemand Stegner in Richtung einer für ihn geeigneten Institution nudgen, damit der Rest der Bevölkerung den Tatsachen, wie sie sich darstellen, ungestört ins Auge sehen kann? Linksextremismus ist ein erhebliches Problem in Deutschland. Wenn Linke demonstrieren, werden Schaufenster eingeschlagen, Autos abgebrannt, Läden geplündert, Pflastersteine aus dem Gehweg gerissen, die Krankenhäuser füllen sich mit Polizisten, und es geschieht vieles mehr, das man normalerweise Kriminellen zuschreibt. Nun wäre es ein Fehlschluss, zu sagen, alle Linken sind kriminell. Aber manche Linken sind kriminell. Manche Linken sind Gewalttäter. Die linke Ideologie ist ein Hafen für linke Gewalttäter. Die deutsche Linke hat ein Problem, wie es die Muslime haben: Es gibt Terroristen in beiden Reihen. Es wird Zeit, dieser Tatsache ins Auge zu sehen und entsprechend zu handeln.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Science Files“.


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Michael Klein

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