04. Oktober 2017

Bericht von der zwölften Jahreskonferenz der Property and Freedom Society in Bodrum, Türkei Hoppes Radikalkur

Niemals dem Bösen weichen

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Bildquelle: Henrique Pinto (CC BY 2.0)/flickr Zehn-Punkte-Katalog für den Transformationsprozess: Hans-Hermann Hoppe

Vom 14. bis 19. September ging die Jahreskonferenz der Property and Freedom Society – heuer zum zwölften Mal – in Bodrum in der Westtürkei über die Bühne. Wie in den Jahren zuvor konnte Hausherr Hans-Hermann Hoppe wieder ein beachtliches Aufgebot von hochinteressanten Referenten gewinnen, die ihre Standpunkte zu den unterschiedlichsten Themen präsentierten. Zu Wort kamen unter anderem Ökonomen, Philosophen, Rechtsanwälte, Historiker, ein Arzt und ein Architekt. Das Spektrum ihrer Themen reichte von Betrachtungen antiker Kulturen bis zum modernen Vertragsrecht und von der Geschichte des Unternehmertums bis zu Einblicken ins „Narrenasyl“ des EU-Parlaments. Insgesamt 15 Referate wurden den rund 80 aus aller Welt angereisten Teilnehmern geboten.

Hoppe selbst wählte für seinen die Konferenz abschließenden Vortrag ein im Zuge des zurückliegenden US-Präsidentschaftswahlkampfes hochaktuell gewordenes Thema: „Libertarianism und die Alt-Right“.

Die Erläuterung der zentralen libertären Prinzipien stand am Beginn seiner Ausführungen: Konfliktvermeidung bei konkurrierenden Interessen an knappen Gütern stehen demnach im Vordergrund. Führende Köpfe der amerikanischen Alt-Right-Bewegung, wie Paul Gottfried, Jared Taylor und Peter Brimelow oder Sean Gabb aus England, zeigen nicht nur weitgehende Übereinstimmung mit libertären Idealen, sondern waren darüber hinaus auch schon mehrfach als Besucher oder Vortragende bei der Property and Freedom Society gerne gesehene Gäste.

Zentrales Anliegen Hoppes war es diesmal nicht, die angestrebten Ziele des Libertarismus zu diskutieren, sondern das große Problem des Übergangs vom Status quo in eine libertäre Gesellschaft zu beleuchten.

Hierbei verortet er bei den Libertären generell einen zu theoretischen und häufig nur an Idealbildern orientierten Zugang. So kann etwa kein Zweifel daran bestehen, dass (im Hinblick auf die laufende Völkerwanderung) keine Rede vom „gleichen Recht für alle“ sein kann, wenn es um den Anspruch Fremder auf Aufenthalt in bereits besiedelten Gebieten geht. Selbstverständlich gilt auch hier der Grundsatz „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, womit der Freizügigkeit logische Grenzen gesetzt sind und denen, die schon länger hier leben, Vorrang gebührt. Gerade in der Frage der hier erkennbaren mangelnden Bodenhaftung einiger Libertärer ist von der Alt-Right, deren Problem wiederum darin besteht, über keine konsistente Theorie zu verfügen, einiges zu lernen. „Die Alt-Right weiß zumindest genau, was sie nicht will.“ Ihre immer wieder geäußerte Kritik an der Globalisierung und dem Freihandel sowie ihr Eintreten für staatlichen Protektionismus lassen sich auf das Fehlen theoretischer Grundlagen zurückführen.

Andererseits mangelt es den Libertären vielfach an gesundem Menschenverstand und Grundkenntnissen der Psychologie. Allein die Beachtung des Nichtaggressionsprinzips, die von vielen Libertären als hinreichende Basis für ein gutes Zusammenleben betrachtet wird, reicht im wirklichen Leben einfach nicht aus. Hoppe macht das am Phänomen des „schlechten Nachbarn“ deutlich. Allein, dass der seinen Müll nicht auf das Grundstück seines Nachbarn entsorgt, oder diesen nicht tätlich angreift, ist zu wenig. Man stelle sich etwa ein Szenario vor, bei dem der „schlechte Nachbar“ sein Anwesen verkommen lässt, sodass, davon ausgehend, massenhaft Ungeziefer die Nachbargrundstücke verseucht.

Dieses einfache Beispiel verdeutlicht, dass ein konfliktfreies Nebeneinander über libertäre Grundforderungen hinaus auch der Erfüllung kultureller Bedingungen bedarf, die von der Alt-Right zu Recht betont werden. An dieser Stelle erfolgt, nicht ohne Koketterie, der Hinweis auf einen von Hoppes meist zitierten Aussprüchen, nämlich die Notwendigkeit zum „physicalremoval“ (physischen Entfernen) inkompatibler und damit das friedvolle Zusammenleben torpedierender Elemente aus der Nachbarschaft.

Zur Frage der Transformation der derzeit bestehenden sozialistisch-kollektivistischen in freiheitliche Gesellschaften sind zunächst die wesentlichen Gegner und die derzeitigen Opfer zu benennen. Bei den ersteren handelt es sich primär um die willigen Vollstrecker des Wohlfahrtsstaates: Politiker, Banker und staatsabhängige Intellektuelle. Als Opfer stehen in erster Linie die Nettosteuerzahler da. Öffentlich finanzierte Wohlfahrtsprogramme und die „Systeme sozialer Sicherheit“ sorgen für die Schaffung einer scheinbar altruistischen Gesellschaft, dienen tatsächlich aber der Korrumpierung der Bürger. Dadurch wird das Problem des „schlechten Nachbarn“ aber nicht beseitigt, sondern – im Gegenteil – sogar noch nach Kräften gefördert.

Die von Friedrich A. Hayek getroffene Prognose, wonach sich die besseren Ideen (des Liberalismus) langfristig durchsetzen würden, hat sich als falsch herausgestellt. Die durch den Wohlfahrtsstaat erzeugten Verzerrungen haben sich als übermächtig erwiesen. Nicht einen „Kampf der Ideen“ zu führen verspricht Erfolg, sondern der gezielte Einsatz von „Bottom-up-Populismus“ im Kampf gegen die steuerfinanzierten Systemlinge.

Hoppes „Zehn-Punkte Katalog“ für den Transformationsprozess:

Erstens: Ende der Massenimmigration. Dabei handelt es sich (unter den gegebenen Bedingungen des Wohlfahrtsstaates) ausschließlich um eine Einladung zum Missbrauch von Wohlfahrtsleistungen. Es darf keine Sozialisierung der Kosten der Einwanderung geben. Arbeitgeber von Einwanderern sind nicht nur für die Bezahlung deren Gehälter, sondern auch für alle durch die Zuwanderung entstehenden Sozialkosten in die Pflicht zu nehmen.

Zweitens: Augenblickliche Einstellung sämtlicher Militäraktionen in oder gegenüber fremden Ländern und Beendigung aller (militärischen) Hilfsaktionen von Staat zu Staat. Militärischer Interventionismus war und ist immerhin eine der Hauptursachen der laufenden Masseneinwanderung in Europa.

Drittens: Den herrschenden Eliten und Intellektuellen ist die Finanzierungsbasis zu entziehen.

Viertens: Ausschaltung der Zentralbanken.

Fünftens: Sofortiges Ende sämtlicher Programme zur bevorzugten Behandlung („affirmative action“) bestimmter Personengruppen und jeglicher Antidiskriminierungsbestimmungen. Menschen und Unternehmen sollen selbst frei darüber entscheiden, mit wem sie es zu tun haben wollen und mit wem nicht.

Sechstens: Rechtsstaatliche Verfolgung krimineller Handlungen unter der Flagge der „sozialen Gerechtigkeit“.

Siebtens: Herstellung des Rechtsstaates in allen Bereichen. Es kann nicht angehen, dass – unter dem Deckmantel von Kultur – bestimmte Menschen gegenüber anderen eine bevorzugte strafrechtliche Behandlung genießen. No-go-Areas dürfen nicht geduldet werden. Sämtliche waffenrechtlichen Restriktionen sind abzuschaffen.

Achtens: Missbrauch des Wohlfahrtsstaates muss unterbunden werden. Die Förderung unfreier, von staatlichen Wohlfahrtsleistungen abhängiger, generationenübergreifender Milieus ist zu beenden.

Neuntens: Der Staat hat sich aus Bildung und Ausbildung herauszuhalten. Ziel des staatlichen Schulsystems war nämlich zu keiner Zeit die Heranbildung mündiger Bürger, sondern stets die Produktion von Soldaten, Beamten und leicht lenkbaren Untertanen.

Zehntens: Niemals Hoffnungen in Politik und politische Parteien setzen! Stattdessen Konzentration auf lokale Agenden, auf Dezentralisation, Sezession und Segregation.

Mit einem Plädoyer, seinen libertären Überzeugungen immer und überall laut Ausdruck zu verleihen und niemals dem Bösen zu weichen, beendete Hans-Hermann Hoppe seinen fulminanten Vortrag.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Ludwig-von-Mises-Instituts Deutschland.


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