20. Oktober 2017

Diskussion bei „Maischberger“ Kippt unser Klima? Nein, aber die Kompetenz der meisten Talkgäste

Der bekannteste Klimaforscher Deutschlands kann alles genau berechnen

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Bildquelle: European People's Party (CC BY 2.0)/Wikimedia Commons „Größter Klimaforscher aller Zeiten“: Hans Joachim Schellnhuber

Neulich gab es im Ersten eine Premiere. Nicht weil es um eine Talksendung über das Klima ging, sondern weil zum ersten Mal seit Menschengedenken ein ausgewiesener „Klimaleugner“ teilnehmen durfte und sogar die Moderatorin ausgesprochen neutral blieb. Die Talkrunde begann so: Jörg Kachelmann ist beim Wetter von nichts mehr überrascht! Der „bekannteste Kimaforscher Deutschlands“, Prof. Hans Joachim Schellnhuber, sieht die Sahara bereits bis nach Europa vordringen. Der Wissenschaftsjournalist Alex Reichmuth, studierter Mathematiker und Physiker und bekennender „Klimaleugner“, sieht die versuchte Bekämpfung des Klimawandels als viel gefährlicher an als die Folgen desselben. Radikale Klimaabkommen bewirken Hungersnöte und den Zusammenbruch der Energieversorgung. Bärbel Höhn – inzwischen Öko-Oma der Grünen – tadelt die Klimabilanz der Großen Koalition, und deren Chefin Angela Merkel gleich mit. Sie habe für den Klimaschutz null erreicht. Eine neue Regierung müsse sofort alle „alten“ Kohlekraftwerke abschalten. Dorothee Bär, CSU-Staatssekretärin im Verkehrsministerium, findet im Prinzip alles richtig, nur dürften die Maßnahmen nicht zu Lasten der Bürger dieses Landes gehen.

Mit dieser illustren Truppe ging die Moderatorin Sandra Maischberger die drückende Frage an: „Xavier und die Wetterextreme: Kippt unser Klima?“ Nun, ohne den munteren Inhalt dieser Talkshow vorwegnehmen zu wollen, diese hochwichtige Doppel-Frage wurde je nach Couleur der Befragten mit ja und auch mit nein beantwortet. Obwohl öfter mal sowohl Kachelmann als auch Schellnhuber darauf hinwiesen, dass Klima und Wetter zwei Paar Schuhe sind und tunlichst nicht miteinander vermengt werden sollten, hielt sich kaum einer der Anwesenden daran, die Mahner eingeschlossen, und tat genau das und immer wieder. Fröhlich angeregt durch manche Einspieler Maischbergers, die jedes Wetterextrem der letzten Jahre dem Klimawandel andichtete.

Es wäre journalistische Schwerstarbeit, auch nur die gröbsten Schnitzer vieler Beteiligten hier im Detail aufzulisten, deswegen beschränke ich mich hier auf einige „Lowlights“, die, wie sollte es anders sein, insbesondere vom größten Klimaforscher alle Zeiten (GröKaZ?) Hans Joachim Schellnhuber und seiner politischen Erfüllungsgehilfin Bärbel Höhn zum besten gegeben wurden.

Schellnhuber gestand, als es um den Vorschlag Stockholmer „Klimaforscher“ ging, zur Rettung des Weltklimas unter anderem den Individualverkehr mitsamt dem Fliegen einzustellen, dass er leider und offensichtlich widerwillig mit dem Flugzeug nach Köln anreisen musste, weil er ja zuvor noch in Potsdam seine eigene Konferenz zu leiten hatte. Bei der ging es ebenfalls um die Weltrettung.

Allein deswegen, so mein Eindruck, müssten wir Zuschauer ihm doch dankbar sein und ihm auch das Flugzeugnehmenmüssen verzeihen! Tun wir! Wer so Großes leistet, sollte nicht an kleinliche Vorgaben gebunden werden.

Das alles beflügelte den Professor dann, noch so einiges an Katastrophen auf die Zuschauer loszulassen, die, hochgenau berechnet, uns Erdenbürger ereilen, wenn die Erwärmung ungebremst zum Beispiel fünf Grad Celsius erreichte. Dann, so die schnelle und ausführliche Antwort – und das sei keineswegs ausgeschlossen – würde der Meeresspiegel – und alle nickten verständig, denn jeder glaubt zu wissen, was das ist – doch um sage und schreibe 60 bis 70 Meter ansteigen. Das schöne Florida zum Beispiel würde in den Fluten versinken. Auf die trockene Frage von Alex Reichmuth, wann das denn eintreten würde, sagte der GröKaZ nur: „Bis zum Jahr 3000.“

„Also in 1.000 Jahren“, kommentierte Reichmuth ungerührt, „und Sie glauben, Sie könnten das berechnen?“ Das sei doch nur einfache Physik, warf der Professor ein und schob nach: „Aber um einen Meter bis zum Ende des Jahrhunderts.“ Doch da waren die Anwesenden schon beim nächsten Thema, und niemand fürchtete sich mehr über den einen Meter. Bemerkenswert nur, dass niemand der Anwesenden sich dazu äußerte beziehungsweise an den Kopf fasste und „Herr lass Hirn regnen“ erbat, dass jemand, der sich Wissenschaftler nennt, „genau berechnen“ können will, wie hoch der Meeresspiegel in 1.000 Jahren sein wird.

Von ähnlicher Qualität war die Behauptung des Professors aus Potsdam, dass „die Wissenschaft“ mit 99,999-prozentiger Wahrscheinlichkeit berechnet habe, dass der Mensch zu 60 Prozent zum „Klimawandel“ (gemeint ist die leichte Erwärmung des vergangenen Jahrhunderts um circa 0,8 Kelvin, wenn man den vielfach manipulierten Berechnungen des GISS, der NOAA und des Hadley Centre weiterhin Glauben schenken möchte) beigetragen habe. Es lag wohl an der mangelnden Kompetenz so mancher Teilnehmer, vielleicht auch am Druck, den die Moderatorin machte, um ihre vorbereiteten Einspieler abarbeiten zu können, dass niemand den Professor fragte, wie denn „die Wissenschaft“ zu dieser Präzisionsaussage gekommen sei. Falls er wahrheitsgemäß geantwortet hätte, wäre herausgekommen, dass er Modelle meinte, die, eigens für diesen Zweck gemacht, nachwiesen, dass die anthropogenen Treibhausgase – mit Riesenvorsprung das CO2 – der Hauptantrieb der Erwärmung seien. Das zeigen 99,999 Prozent der Modelläufe. Doch der alleinige Grund ist nicht das CO2, sondern die Konstruktion der Modelle als virtueller Beweisersatz – die können gar nicht anders!

Denn wenn man das CO2 als Hauptantrieb einbaut, wird das Weglassen dieses Antriebs automatisch zu einer geringeren bis gar keiner Erwärmung führen müssen. Das ist exakt dasselbe, als wenn man ein Auto mit Benzinmotor baut, um zu beweisen, dass Autos generell nur mit Benzin betrieben werden können. Füllt man Benzin in den Tank, dann läuft der Motor, das Auto fährt. Lässt man das Benzin weg oder ersetzt es durch Diesel, Gas, Wasserstoff oder ähnliches, dann bleibt der Motor stehen und das Auto fährt nicht mehr. Und die Wahrscheinlichkeit dafür liegt sogar bei 100 Prozent.

Von ähnlicher – auch trickreicher – Qualität der Ausnutzung der Unwissenheit seiner meisten Zuschauer, gepaart mit tiefer Gläubigkeit an die Kompetenz des „bekanntesten Klimaforschers Deutschlands“ (ein Titel, der ihm unzweifelhaft gebührt, aber ein sehr schlechtes Licht auf alle anderen in dieser Kohorte wirft), sind die anderen „genauen“ Berechnungen dieses Professors, die er bei jeder sich bietenden Gelegenheit seinen beeindruckten Zuschauern an den Kopf wirft. Das Team vom Klimamanifest von Heiligenroth hat einige dieser Stilblüten zusammengestellt. Da spielte es auch keine große Rolle mehr, dass er später behauptete, dass eine Dunkelflaute in Deutschland durch große Batterien verhindert werde, wie sie EON zur Zeit baue. Es sind ja nur im Mittel 1,64 Terawattstunden, die Deutschland derzeit täglich benötige. Dafür würden immerhin schon 16,4 Millionen Superbatterien à 100 Kilowattstunden der Tesla-Klasse ausreichen. Das sagte er allerdings nicht.

Kümmern wir uns noch ein wenig um die anderen Teilnehmer. Kachelmann hält mit überzeugenden Argumenten den Sturm Xavier für Wetter, wie alle anderen aufgezählten extremen Wetterphänomene auch. Einen Bezug zum Klimawandel, gar zum menschgemachten, sieht er nicht. Glaubt aber trotzdem daran, dass – weil er einen dreijährigen Sohn hat, auf Nachfrage bezieht er den zehnjährigen Sohn der Moderatorin mit ein – die Regierung – er schaut zu den beiden zukünftigen Regierungsmitgliedern oder -macherinnen hinüber – unbedingt etwas gegen den Klimawandel machen müsse.

Eine der Angesprochenen, das grüne Urgestein Bärbel Höhn, hatte zuvor – wenn auch unfreiwillig – im Drang, die Schließung zunächst „alter“, dann aller Kohlekraftwerke auch als sozial berechtigt darzustellen, ein klassisches Eigentor geschossen. Weil ja – so Höhn – immerhin 370.000 Arbeitsplätze bei den „Erneuerbaren“ schon für 35 Prozent des Stroms hierzulande sorgen würden, während nur 20.000 Arbeitsplätze bei den Kohleverstromern allerdings 40 Prozent des Stroms erzeugten. Sie wollte verdeutlichen, dass die Arbeitsplätze der Erneuerbaren doch um soviel wertvoller, weil zahlreicher seien, als die wenigen 20.000 Arbeitsplätze bei den Kohleverstromern, die nun leider, leider – was soll man machen – wegfallen müssten. Abgesehen von der auch nicht unwesentlichen Tatsache, dass beide Zahlen zu den Arbeitsplätzen falsch sind, zeigte sie damit auf, dass die Erzeugung von Kohlestrom fast 20 Mal produktiver ist (370.000 zu 20.000) als die von Zappelstrom.

Und wenn man dann noch weiß, dass die Vergütung für den Erzeuger einer Kilowattstunde für Kohlestrom nur circa drei bis vier Cent beträgt, während für Zappelstrom im Mittel 16 Cent pro Kilowattstunde bezahlt werden müssen, dann muss jedem klar werden, dass die bereits heute irrsinnig hohe Zweitkapazität an Zappelstromerzeugung nichts weiter als ein ausschließlich ideologisch begründeter, aber extrem teurer Irrweg ist. Doch leider wurde auch dieses Eigentor nicht zum Thema, sondern ging im Getümmel der lebhaften Aussprache unter. Ebenso wie der zaghafte Hinweis der Staatssekretärin im Verkehrsministerium Dorothee Bär, die zwar alles gut und richtig fand, was der Professor und ihre vielleicht zukünftige Koalitionärin zum Klimawandel so sagten, und auch fest zum Pariser Abkommen steht, wie sie sagte, aber all dies nur machen wollte, wenn es nicht zu Lasten der Menschen gehen würde. Wie das gehen sollte, sagte sie allerdings nicht. Jedenfalls, so warf sie schüchtern ein, stehe ja Deutschland nur für zwei Prozent der weltweiten Emissionen. Und sei damit – wollte sie wohl sagen – im weltweiten Ringen um den „Klimaschutz“ völlig unbedeutend. Und, hätte sie ergänzen müssen, auch wenn Deutschland komplett auf seine CO2-Emissionen verzichtete – im Vorgriff auf die Forderungen der Stockholmer „Wissenschaftler“, die dem Westen auch noch die Ein-Kind-Politik à la Mao empfahlen –, würden China und Indien zusammen diese Menge in wenigen Monaten zusätzlich in die Atmosphäre blasen. Es ist also total irrelevant, was wir hier machen oder nicht machen. Aber auch dieser schüchterne Einwand mit dem Ziel, doch wieder etwas mehr Vernunft walten zu lassen, ging unkommentiert unter.

So bleibt nur noch das Schlusswort von Alex Reichmuth erwähnenswert, der tapfer gegen den Mainstream schwimmend allen sagen durfte, dass er jeglichen Versuch der Menschheit, das Klima der Welt zu ändern, für Hybris halte, allerdings gepaart mit einem entsetzlichen Verlust an Wohlstand beziehungsweise die Aussicht darauf. „Man würde Hunderte Millionen Menschen zurückbringen ins tiefste Mittelalter, es gäbe Hungersnöte.“ Wohl wahr! Freunde in der Runde hat er sich aber damit nicht gemacht.

ARD: „Kippt unser Klima?“

„Das Klimamanifest von Heiligenroth“ über Hans Joachim Schellnhuber

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE).


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