10. Dezember 2017

Politik und Verantwortungslosigkeit Von der Scheinfreiheit

Die Antwort ist die Lösung vom Staat

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Bildquelle: shutterstock Entsteht aus Verantwortungslosigkeit: Scheinfreiheit

Freitagmorgen, 7:30 Uhr in Buntland: Eine von rund 600 Abtreibungen an diesem Tag wird via Vaginaltablette in die Wege geleitet (Zahl für Deutschland offiziell 275 pro Tag – von Experten wird diese Zahl allerdings als unmöglich bezeichnet und verzwei- bis verdreifacht). Die Presseabteilung eines Technologiekonzerns nimmt letzte Änderungen an der Medienmitteilung vor, die bekanntgibt, dass in den kommenden Jahren im Zuge der „Energiewende“ weltweit 7.000 Arbeitsstellen gestrichen werden sollen. Eine alleinerziehende Mutter ist zu spät dran und läuft, den Kinderwagen vor sich herschiebend, die Strecke vom Bus zur Kita durch den dunklen Schneeregen. Einmal mehr wird sie verspätet zur Arbeit kommen. In einem besetzten Haus regt sich noch kein Leben. Seine Beleber und Bewohner haben am Vorabend das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte gefeiert, das ihren Verein für illegale Hausbesetzungen im Widerspruch zum Urteil des Bundesgerichts zum Menschenrecht erklärt. Ein Polizist wird im örtlichen Krankenhaus verarztet. Er ist bei einem Einsatz in einer Asylunterkunft, wo ein Streit eskaliert war, am Kopf verletzt worden. In einer Garageneinfahrt steht ein Auto und läuft zu Enteisungszwecken seit zehn Minuten im Leerlauf. Die Mutter fährt die Kinder zur Schule und kehrt dann nach Hause zurück. Die Schule ist 400 Meter entfernt.

Gemeinsam ist diesen unterschiedlichen Szenen, dass darin Menschen vorkommen, die handeln oder bereits gehandelt haben. Zieht man eine Definition von Freiheit heran, die besagt, Freiheit sei ein Zustand unbehinderten Handelns, dann könnte man feststellen, dass es sich hier um freie Menschen handle.

Falsch. Was hier szenenhaft und grob skizziert wird, ist das genaue Gegenteil: Es sind Sequenzen und Momentaufnahmen einer Entwicklung, die in ihrer Ganzheit einen erschütternden Niedergang von Freiheit aufzeigen. Echte Freiheit steht in krassem Gegensatz dazu. Warum?

Weil einmal mehr und seit Jahrzehnten in die Hirne und Seelen der Menschen die Lüge hineinpraktiziert und von den so Bearbeiteten gerne geglaubt wird, Freiheit sei Synonym für Glück, für materielle Sicherheit, Zufriedenheit, Gesundheit, Wohlstand, und so weiter. Freiheit höre nicht beim Handeln von Individuen auf, sondern erstrecke sich auf daraus resultierende Situationen und Umstände. Die monströse Lüge also, die sagt, wenn einer freiwillig und allein in die Wüste marschiere, dann habe er das Recht, nicht zu verhungern und zu verdursten, sondern am anderen Ende lebend wieder rauszukommen. Oder anders gesagt: Freiheit beinhalte das moralische Recht, die ungewollten Konsequenzen des eigenen freien Handelns nicht tragen zu müssen, sondern abgeben zu können. Es ist mithin die Banken und Großkonzernen so gerne angekreidete Haltung von der Privatisierung der Gewinne bei gleichzeitiger Sozialisierung von Verlusten im Kleinen.

Es ist die Misere unserer Zeit und unseres Niedergangs. Sie wird uns mit großer Wahrscheinlichkeit das Genick brechen. Es ist der Glaube, Gewinn und Verlust, Erfolg und Scheitern, Stehen und Fallen seien heute dank weiser Lenkung nicht mehr gleichrangig konstitutiv für Freiheit. Der Glaube, der nicht merkt oder nicht merken will, dass, was als Freiheit propagiert wird, eine Rattenfreiheit, ein anreizpervertiertes Halbleben ist.

Von dieser Einsicht sind wir heute bereits Lichtjahre entfernt: Wer sich freiwillig verantwortungslos durchs Leben vögelt – pardon! – und schwanger wird, ist Opfer einer ungewollten Schwangerschaft. Wer sich freiwillig verheiratet, Kinder kriegt, sich scheiden lässt, ist Opfer nicht des eigenen Handelns, sondern der „Situation“ und hat Anrecht auf Unterstützung. Ein Konzern, der sich aus Gründen optimalen Abgreifens von Subventionen dafür einsetzt, dass der Staat via Klimadiktatur den erneut zum Scheitern verurteilten Versuch antritt, einen Markt zu schaffen, wo Forschung und Entwicklung, Angebot und Nachfrage noch nicht marktreif sind, wird nicht gleichermaßen angeprangert für die Massenentlassungen wie einer, der schlicht und einfach scheitert. Es ist die Situation, es sind die Umstände, die verantwortlich sind, und nicht macht- und geldgierige Menschen seitens der Politik und des Unternehmens. Wer unrechtmäßig das Eigentum eines anderen besetzt, muss nicht mit Konsequenzen für dieses freiwillig eingegangene Risiko der Verletzung der Freiheit eines anderen rechnen. Wer sich für die Aufnahme Hunderttausender kulturfremder, integrationsunwilliger und unaufgeklärter Menschen an Bahnhöfen die Hände wundklatscht und sich auf Verkehrsinseln hoffnungsmaschinenmäßig heiser singt, hat keine dieser willkommen geheißenen Personen persönlich zu betreuen, aufzunehmen, auszubilden, zu unterrichten und zu finanzieren. Wer seine Kinder jeden Meter mit dem Auto chauffiert, sie 13 Stunden am Tag fremdbetreuen lässt und abends eine Pizza hinzaubert, ist nicht schuld an der Fettleibigkeit seiner Kinder. Die Situation ist es. Da ist es nur konsequent, dass Arbeitslose „Arbeitslose“ und nicht „Arbeitssuchende“ genannt werden und sich auch so verhalten.

Auf diese Weise können fast sämtliche „Probleme“ unserer Zeit durchdekliniert werden. Und man stellt fest: Die Problemzonen treten überall da zutage, wo Menschen die Konsequenzen für ihr Handeln, das auch jede Art von Konsum einschließt, nicht tragen und die Verantwortung abgeben. Oder – der Gipfel der Groteske – gezwungen werden, sie abzugeben (Rente, Bildung, Gesundheit). Wo Menschen also die Hälfte ihrer Freiheit abgeben oder abgeben müssen an den, der ihnen sagt, er sei dazu da, ihre Freiheit zu sichern: den Staat.

Im Umkehrschluss heißt das: Wo jeder einzelne echt frei ist und die Konsequenzen all seines Entscheidens und Tuns selber trägt, braucht es keinen Staat. Weder Familien‑, noch Sozial‑, Finanz‑, Migrations‑, Gesundheits‑, Kultur- oder Wirtschafts-Politik. Und würde der Staat wirklich „mündige Bürger“ und eine „freiheitliche Gesellschaft“ wollen, wie seine Repräsentanten das so gerne betonen, dann müsste er noch vor morgen früh anfangen, alles Staatliche, Halbstaatliche und ihm Zugewandte abzuschaffen und die Menschen in die Freiheit zu entlassen.

Das wird nicht passieren: Die Gier der Menschen, die den Staat bilden, von ihm profitieren und ihm zudienen, nach Macht, Prestige, Geld, Sicherheit und Posten ist durch das Nicht-Riskieren von Eigenem im Rahmen allen Handelns derart aus dem Ruder gelaufen, dass eher die Zerstörung des Noch-Vorhandenen in Kauf genommen würde, als liebgewonnene Selbstverständlichkeiten abzugeben. Das ganze unter lauter Besingung des eigenen Nutzens zur Begrenzung der Gier, wie sie auf „freien Märkten“ des „zügellosen Kapitalismus“ grassieren würde, gäbe es nicht den Schutz der Politik. Ganz ohne rot zu werden. „Der rohe Egoismus der Märkte, die Ausbeutung“, sagen sie. Sie müssten eingedämmt werden. Von ihrem eigenen Egoismus des Abgreifens, dem Egoismus der Faulen und Bequemen, der „Herumschlafer“ und sich Scheidenden, wahllos konsumierenden und sich gesundheitlich Zugrunderichtenden spricht keiner. Es anzudeuten gilt heute als Verrat der neuen Freiheit. Schöne neue Welt.

Man könnte es abtun als Dekadenz, sich abwenden und darauf beschränken, selber frei zu bleiben. Das Problem ist allerdings: Genauso sicher, wie Freiheit immer „funktioniert“, zerstört halbe Freiheit konsequent und lässt keinen unberührt. Weil irgendwann immer der Punkt erreicht ist, an dem die schiere Last der abgegebenen Verantwortung finanziell nicht mehr gestemmt werden kann und die weich gewordenen Subjekte der Scheinfreiheit sich gegenseitig, neidgetrieben, bespitzelnd, beraubend, belügend und verratend zugrunderichten. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch diesmal der Weg über eine zum Göttlichen erhobene Staatsallmacht, Zwang und Gewalt zum natürlichen Ende unserer Gesellschaft führt, wie sie heute ist, ist groß.

Wer sich vorbereiten will, der löse sich und die Seinen finanziell, gesellschaftlich, gesundheitlich, vorsorgemäßig, beruflich und bildungsmäßig soweit wie möglich aus allem Staatlichen heraus. Der Preis ist hoch, das ist unbestritten. Das Risiko ist groß. Aber nur so ist volles Leben möglich, ganze Freiheit, die Chance auf Glück.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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