23. Oktober 2006

Gammelfleisch-Nachbetrachtung Das späte Erbe der Frau Künast!

Vom Versagen grüner Verbraucherschutzpolitik

Wer erinnert sich nicht an die Gesichter vergrämter Bauern, die sich auf einem Mal der strubbelköpfigen Landwirtschaftsministerin oder besser der selbst titulierten Verbraucherschützerin gegenüber sahen? Einer so harten Frau, die es schaffte, dass selbst den Bauern im entlegensten Friesland oder auf der höchsten Alm das alte Landwirtsblut in den Adern gefror. Nicht genug, dass ihnen Schweinepest und BSE die Existenz in Gefahr brachten. Nun sollten sie auch noch jemanden als politische Lenkerin ihrer eh schon gefährdeten Branche bekommen, die von Landwirtschaft soviel verstand wie der Fleischer vom Dachdecken.

Eine Ministerin, die sich zum Ziel gemacht hat, den Bauern zu Gunsten des mündigen Verbrauchers zu zeigen, wo und wie nun das Rind zum Steak oder das Huhn zum Mc. Chicken zu werden hat.

Unvergessen die großen Ansprachen und Streitgespräche im GEZ-TV, in denen die Viehhaltung der schwarzen Schafe, also der gewinnsüchtigen Bauern, einem fast jeglichen Appetit verdarben. Ungeachtet auch derer, die ihre Höfe so bewirtschafteten, wie es seit ewig üblich ist. Es wurde alles, außer der von den Grünen geliebten “Ökokultur” in den Mist der Kollektivhaftung gesogen. Grausame Bilder von Massentötungen sollten uns vor Augen führen, wie wichtig und richtig doch eine staatliche Kontrolle zum Wohle der Volksgesundheit sein soll und wie großartig das politische Streben nach grünen Ökoidealen ist.

Was ist nun davon über geblieben? Selbst wenn man nur an der Oberfläche bleibt, stellen sich Fragen über Fragen. Heute sind es nämlich nicht mehr die BSE-Erreger, die uns grausen lassen. Es ist der Gestank der aus so mancher Kühlzelle kommt. Ja da hört man von Gammelfleisch, dass seit vier bis fünf Jahren in irgendwelchen Kühlhäusern unter staatlicher Aufsicht vor sich hin mieft und von Etikettenschwindel in der Supermarkttruhe. Wie kann es sein, dass das Fleisch so lange nicht an den Verbraucher gebracht wird? Fleisch, das in einer Zeit produziert wurde, als Frau Künast mit hektischen Flecken am Hals zur “Jeanne d'Arc” der Konsumenten avancierte.

Wie kann es dazu kommen, dass ein Markt derart aus den Fugen gerät, obwohl Ökosiegel und Regulierungswut immer engere Korsetts um die Produzenten legen? Wozu muss eine Ware, die den Verbraucher täglich frisch erreichen soll, tonnenweise über Jahre in Kühlhäusern vor sich hin gammeln? Wer hat den Bauern zu welchen Preisen die Ware zu welchem Zweck eigentlich mal abgekauft? Ein Händler, der Geld mit dem Durchsatz von Ware verdient, müsste doch verlustreich einbrechen, wenn er Ware kauft um sie vergammeln zu lassen. Welche Krümmung in der Wirtschaftsachse dieses Marktes führt zu all dem miesen Gestank?

Es scheint nicht der Etikettenschwindel in der Truhe zu sein, der uns auf fünf Jahre altem Gulasch kauen lässt. Es ist wohl eher der politische Umetikettierungstrick, der zu den Fehllenkungen des freien Marktes geführt hat. Vielleicht sollten wir das bunsige Fleisch mit etwas mehr Fett vom großen EU-Butterberg anbraten, um es besser runter zu bekommen?

Danke, Frau Kühmast! Danke, liebe grüne Gutmenschen! Jetzt seit Ihr in der Opposition und könnt versuchen zu verhindern, dass das, was Ihr angerichtet habt, zu Gunsten angewiderter Verbraucher verbessert wird. Obwohl, das geht ja gar nicht mit dem besser werden. Vielmehr geht es ja nur um noch mehr politischer Regulierung.

Also weiter so. Zum fünf Jahre alten Steak vom holsteinischen Rind empfiehlt der Koch heute genmanipulierten Reis aus Nordamerika. Na denn: “Guten Appetit!”


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Autor

Volker Kruschel

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