12. Dezember 2006

China Zwischen Euphorie und Panik

Weltkrieg um Dummheit

Dossierbild

Wenn es um große Zahlen, große Ängste und große Hoffnungen geht, setzt oft das Urteilsvermögen aus. Das geschieht auch bei Menschen, denen man sonst einigen Verstand zuschreiben möchte. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Umgang mit China - einem Land mit sehr vielen Menschen und aktuell einem sehr großen Wirtschaftswachstum. Auf der einen Seite die Ängstlichen: Sie wollen die chinesische Gefahr abwehren - durch neuen Protektionismus oder durch eine transatlantische Freihandelszone. Sie fürchten um Arbeitsplätze und um den Zugriff auf Rohstoffreserven.

Ihr geistiges Rüstzeug beziehen sie von einem Spiegel-Autor, der den Weltkrieg um Wohlstand ausruft und sogar der Bundeskanzlerin seine Thesen vortragen kann. Das Argumentationsmuster ist scheinbar nicht ausrottbar: Die Weltwirtschaft ist ein Nullsummenspiel. Wenn die einen gewinnen, verlieren die anderen. Das einzige Feld des Wettbewerbs sind die niedrigen Löhne, mit denen "Wir im Westen" natürlich nicht konkurrieren können. Das ist schon erstaunlich in einem Land, das seinen Wohlstand zu einem nicht geringen Teil der Kaufkraft in anderen Ländern verdankt und in dem sowohl Industrie als auch Konsumenten von billigen Importen profitieren.

Auf der anderen Seite die China-Euphoriker: Die Begeisterung über den gigantischen Markt und die Wachstumsraten schlägt bei vielen sehr schnell in einen großen Glauben an die Weisheit der chinesischen Führung um. So vernimmt man sogar von der Wirtschaftswoche große Zustimmung zu den gerade aktuellen Plänen der chinesischen Führung: den Binnenkonsum anzukurbeln und die Sparrate herunterzufahren, das Wachstum mal etwas abzukühlen, mal etwas zu beschleunigen oder bestimmte Branchen mehr und andere weniger zu fördern. Die Wachstumsaussichten scheinen ungetrübt.

Doch könnten die extrem hohen Sparraten nicht in einem tiefen Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Zukunft des Landes begründet liegen? Gibt es überhaupt einen Widersinn des Sparens, wie F.A. v. Hayek einmal fragte? China wird sich den Problemen einer Planwirtschaft, die noch in vielen Bereichen vorherrscht, auf Dauer nicht entziehen können. Schon heute fließen die oft gigantischen staatlichen Investitionen oft in unproduktive Verwendungen. Gleichzeitig steigt in anderen Bereichen aber die Produktivität immer weiter an. Es wird also weder ein dauerhaft ungebremstes Wachstum geben, noch werden die Chinesen den Weltmarkt monopolisieren. Ihre Unternehmen sind Teilnehmer am globalen Wettbewerb, und damit nützen sie allen, die sich diesem Wettbewerb nicht verschließen. Hoffentlich verstehen das auch diejenigen, die eine neue Runde des Protektionismus einläuten wollen.

Web: Institut für Unternehmerische Freiheit


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Asien

Mehr von IUF-Kommentar

Autor

IUF-Kommentar

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige