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Ahmadinedschad-Demo: Die Achse des Guten und die Fratze des Bösen

von Kaspar Rosenbaum

Westen, Westler, Westentaschenalarm. Oder: Die Demonstration der Nichtdenker

Gute Journalisten sind „meinungsstark“, heiß oder kalt, aber nie lau. Deshalb stimmen gute Journalisten gerne mit ein, wenn es heißt: „Im Leben, im Leben, geht mancher Schuss daneben!“ Man munkelt, auch in eigentümlich frei sei schon mal über das Ziel hinaus- oder meilenweit danebengeschossen worden. Kann man der Zeitschrift ein schöneres Lob machen?

Im Onlinetagebuch „Achse des Guten“ schreiben fast durchweg meinungsstarke, gute und liberale Journalisten. Achsenchef Henryk M. Broder ist der personifizierte Scharfschütze. Diesmal schoss allerdings sein Freund Hannes Stein, Redakteur von „Welt“, einen Bock. Er ruft nämlich gleich zweimal, am 3. Januar und dann sicherheitshalber – „nicht vergessen!“ – nochmal am 18. Januar, zu einer „Großdemonstration“ auf, die am 28. Januar in Berlin stattfinden soll.

Wogegen wird demonstriert, dass Hannes Stein so laut trommelt und die Achse zur Mobilmachung aufruft? Gegen die Gesundheitsreform? Gegen den Überwachungsstaat, den Wegfall des Bankgeheimnisses, die ständigen Steuererhöhungen, die Freiheitsverluste durch immer neue Anti-Terror-Gesetze? Oder ist es die „german Angst“ vor allem, über die sich Broder und seine Freunde auch immer gerne und lesenswert lustig machen? Was treibt unsere Vorzeigeliberalen, die meist konvertierte Vorzeigelinke sind, so sehr an, dass sie am liebsten heute schon das gute alte Demosäckel packen und wie in alten (antiamerikanischen) Tagen mit- oder besser gleich voranmarschieren wollen?

Es ist mal wieder – festhalten, ernsthaft – „der gefährlichste Politiker unserer Zeit“, gegen den die Achsenmacht mobilmacht. Und das ist für unsere Freunde heute mal nicht mehr der US-Presi, sondern Irans leibhaftiger Präsident Mahmut Ahmadinedschad.

Das Plakat der Veranstalter dieser „Großdemonstration“ bietet gleich noch mehr an Superlativen, denn angeblich, so lesen wir etwas verwundert und eingeschüchtert, muss dieser hypergefährliche Ahmadinedschad gesagt haben: „Ich will den atomaren Holocaust!“

Und damit jetzt wirklich jeder, der gerade nichts mit dem Wort „Holocaust“ anfangen kann, merkt, worum es geht, ist eine Zeichnung beigefügt, in dem Ahmadinedschad, iranische Kernkraftwerke, die er bauen lassen will, und die Fassade des Konzentrationslagers Auschwitz, dessen er mal eben gezichtigt wird, es wieder aufbauen zu wollen, schwuppdiwupp zusammengemengt wird. Die Schornsteine in Auschwitz, so wird deutlich gezeigt, rauchen bald wieder. Zumindest, wenn wir guten Deutschen – jetzt! – nicht dagegen demonstrieren! Freunde! Genossen! Volksgenossen!

Ob soviel Relativierung auf Kosten der wirklichen Opfer des Holocausts hat sogar der Zentralrat der Juden in Deutschland es abgelehnt, sich an dieser geschmacklosen Demonstration zu beteiligen.

Aber vielleicht hat sich ja der Stein des Anstoßes auch einfach vertan. Vielleicht ist alles nur ein schrecklicher Irrtum. Denn der Demoaufruf ist recht eigentlich so aberwitzig, dass sich die Achse mit einem passenden Kommentar ins seit jeher geballte Fäustchen gelacht hätte, wenn ähnlich perfide Ariel Scharon mal wieder des „Holocausts“ an den Palästinensern geziehen worden wäre. Vielleicht will also Hannes Stein uns nur vor dieser schlimmen Demonstration von durchgeknallten Antisemiten warnen? Denn warnen kann man ja in solchen Fällen nicht oft genug! Am deutschen Warnen und Wesen müsste doch endlich mal die Welt genesen.

Irgendwo muss Ahmadinedschad aber vielleicht auch doch gesagt haben, dass er nicht nur „den Holocaust“, sondern sogar „den atomaren Holocaust“ „will“. Wir warten also gespannt auf die Auflösung des Rätsels in Hannes Steins sicherlich noch folgendem dritten Demoaufruf. Wird er die Quelle des Zitats nennen, den Quell-Kot öffnen? Oder hat der „gefährlichste Politiker unserer Zeit“ sich nicht nur „Mein Kampf“ - gleich offenbart, sondern sogar schon ganz real und klammheimlich mit dem „Holocaust“ – etwa an 30.000 im Iran seit Jahren unter seiner Herrschaft lebenden Juden – begonnen und wir wissen es nur noch nicht? Ich jedenfalls habe jetzt „german Angst“!

Internet:

Die Achse des Guten

Demoaufruf und Plakat

25. Januar 2007

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