01. Februar 2007

Mindestlohn Was Münte sieht und was Münte nicht sieht

Warum Umverteilung keinen Wohlstand generiert

Dossierbild

Zum Thema „Mindestlohn" ist fast alles gesagt. Doch der heutige Auftritt von Franz Müntefering im öffentlich-rechtlichen Frühstücksfernsehen hat so schön demonstriert, was Frederic Bastiat in „Was man sieht und was man nicht sieht" angegriffen hat - die Blindheit gegenüber den wirtschaftlichen Zusammenhängen. Minister Müntefering erklärte, dass gerade im Dienstleistungsbereich die Kunden ja nicht ausweichen könnten. Seine Haare ließe er sich jedenfalls immer in Berlin schneiden, und die Fensterputzer des Bundestages könnten auch nur am Ort arbeiten. Also wäre eine Vernichtung von Arbeitsplätzen durch Mindestlöhne und damit verbundene Kostensteigerungen gar nicht möglich.

Das ist doppelter Unsinn: Erstens wird unterstellt, dass die Nachfrage nach Dienstleistungen nicht preiselastisch sei. Zwar kann man zu dieser Vermutung kommen, wenn man die Friseurrechnungen einiger Damen sieht. Doch natürlich richten Menschen im Allgemeinen die Nachfrage nach Dienstleistungen nach den Preisen aus - von dem blühenden sogenannten „Schwarz"markt mal ganz abgesehen. Schließlich schaue man sich in den Grenzstädten, z.B. in Polen, mal die grenznahen Einkaufsstraßen an: Was findet man dort neben Apotheken und Zigarettenläden? Friseure.

Zweitens wird das Geld, das für den Friseur oder den Fensterputzer mehr ausgegeben wird, an anderer Stelle eingespart - hier wird Nachfrage verringert. Unter dem Mindestlohn leiden also viele andere Unternehmen, die weniger verkaufen können.

Mehr Einkommen - das dann natürlich auch für astronomische Friseurrechnungen ausgegeben werden kann - entsteht nicht durch die staatliche Umverteilung zugunsten einer Gruppe, sondern durch produktiven und innovativen Einsatz aller Ressourcen - und daraus resultierendem Wirtschaftswachstum.

Wo wir schon beim Thema verkürzter Argumente sind: Gern wird den Gegnern eines gesetzlichen Mindestlohns entgegengehalten, dass es doch „selbst in den USA" - also dort wo ja übelste Ausbeutung und Raubtierkapitalismus herrschen - einen solchen gäbe. Das stimmt zwar, aber was man dabei nicht sieht (oder nicht sehen soll) ist die ansonsten sehr große Freiheit des Arbeitsmarktes und der gesamten Wirtschaft. Deshalb gibt es in den USA eine wirtschaftliche Dynamik, die Millionen Jobs schafft und für steigende Löhne sorgt. In Deutschland dagegen wäre der Mindestlohn nur das etatistische Sahnehäubchen auf einem total regulierten Arbeitsmarkt.

Zum Schluss will ich mich noch bei einigen - besonders prinzipienfesten - Lesern unbeliebt machen: Wenn zuerst der Kündigungsschutz, das Monopol der Gewerkschaften bei Lohnverhandlungen und die Entsenderichtlinie abgeschafft würden, ließe sich ein Mindestlohn verschmerzen. Aber daran denkt Münte natürlich nicht.

Internet:

Institut für Unternehmerische Freiheit


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