David Schah

Jahrgang 1964, Redaktion eigentümlich frei

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Gebühreneinzug: Wehret den Anfängen!

von David Schah

Wollt ihr den totalen GEZ-Staat?

Wohl kaum eine legale Institution ist bei Deutschlands Bürgern ähnlich unbeliebt wie die GEZ. Zahlreiche Internetseiten wie www.schon-abgezockt.de oder www.gez-abschaffen.de widmen sich der GEZ und ihren Schergen, die gemeinhin noch niedrigere Sympathiewerte erzielen als Zeitschriftendrücker, Politessen oder Finanzbeamte. Kein Wunder, ist die GEZ doch zum Inbegriff dreister Abzocke geworden: Man zahlt eine hohe Pauschalgebühr für bestimmte Sender, egal ob man diese oft, selten oder gar nicht guckt. Ja man zahlt sogar, wenn man nur ein Gerät im Keller stehen hat, mit dem man theoretisch fernsehen oder radiohören könnte. Auch der Computer ist neuerdings so ein Gerät. Aufdringliche GEZ-Mitarbeiter suchen die Bürger heim und verschaffen sich Zutritt zur Wohnung, um zu kontrollieren, ob ein Empfangsgerät vorhanden ist. Wenn man den Einlass verweigert, wird mit dem Einholen eines Durchsuchungsbefehls oder dem Einsatz verschärfter Abhörmaßnahmen ("Peilsender") gedroht. In Werbespots werden Zahlungsmuffel als schwarze Schafe oder sündige Sektenmitglieder gezeichnet. Da liegt es nahe, dass der eine oder andere unbescholtene Bürger diesem Verein Mafia-Methoden attestiert und ihn als GEZtapo beschimpft.

Doch wie würden die Bürger erst reagieren, wenn die GEZ ihren Zuständigkeitsbereich radikal erweitern würde? Die GEZ könnte zum Beispiel nicht nur auf Fernsehgeräte, sondern auch auf jedes andere Haushaltsgerät eine Gebühr verlangen. Denn ein begnadeter Tüftler könnte jedes Elektrogerät flugs zu einem Empfangsgerät umbauen. Am besten, man unterzieht gleich alle Materialien, mit denen sich irgendwie ein Volksempfänger basteln lässt, einer Gebühr – sagen wir mal 19% des Kaufwerts. Die GEZ könnte auch kassieren, wenn Bürger untereinander nicht nur Gerätschaften, sondern auch Dienstleistungen handeln und tauschen. Wie wäre es mit einer GEZ-Arbeitsabgabe von 40%? Denn schließlich könnte der durch Handel und Tausch erarbeitete Wohlstand von den Bürgern dazu missbraucht werden, heimlich Fernseh- und Radiogeräte herzustellen und staatliche Sendeleistungen in Anspruch zu nehmen. Mit den derart gewonnenen Mitteln könnte die GEZ auch ganz solidarisch denjenigen Bürgern helfen, die sich keine eigenen GEZ-Steuern leisten können.

Die GEZ könnte auch Zugang zu allen Bankkonten gewinnen, um zu sehen, ob der Bürger ihr verborgene Reserven vorenthält. Der totale GEZ-Lauschangriff könnte in der Inhaftierung sündiger Schwarzhörer, Schwarzseher, Schwarzkäufer, Schwarzarbeiter und Schwarzdenker münden. Und die Kinder der potenziellen Volksempfängerkonsumenten – also praktisch aller Bürger – könnten dazu verpflichtet werden, spezielle GEZ-Schulen zu besuchen, wo sie dahingehend gesteuert werden, dass sie sich als Bürger nicht fragen, warum die GEZ ihnen so viel abverlangt, sondern vielmehr, was sie als Bürger alles für die GEZ tun könnten.

Eine schreckliche Utopie, nicht wahr? Eigentlich dürfte es überhaupt nicht so weit kommen, denn schließlich haben unsere Bürger doch gelernt, den Anfängen zu wehren! Doch frei nach St. Exupéry könnte man sagen: Das Wesentliche ist oft unsichtbar für das Bürgerauge. Und wie soll man den Anfängen wehren, wenn man schon dem Ende nahe ist?

23. Februar 2007

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