David Schah

Jahrgang 1964, Redaktion eigentümlich frei

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China: Weniger Verpflichtung beim Eigentum

von David Schah

Wie Chinesen unsere Mainstream-Journaille verwirren

Die deutschen Massenmedien von ARD bis Spiegel sind wahrlich nicht zu beneiden, wenn es um China geht, genauer gesagt um die weltanschauliche Einordnung dessen, was im Reich der Mitte und des größten Wirtschaftswunders aller Zeiten vor sich geht. Während die „Bild“-Zeitung schon besorgt feststellte, dass Deutschland sozialistischer sei als China, fragte sich „Der Spiegel“ unlängst, ob der Kommunismus vielleicht doch funktioniere, denn immerhin regiert in China ja eine Kommunistische Partei. Ein anderer Spiegel-Mann, Gabor Steingart, warnt populistisch vor der gelben kapitalkommunistischen Gefahr und bläst zum Weltkrieg gegen fernöstliche Workohlics und Sozialdumper, deren wirtschaftlicher Aufstieg automatisch den Abstieg des alten Westens nach sich ziehe. Ökologen und Klimabedenkenträgern wiederum graust es vor den Folgen für die Natur, wenn immer mehr Chinesen sich den Wohlstand erarbeiten, den westliche Umweltschützer schon seit Jahrzehnten genießen.

Und auch wenn man neidvoll anerkennen muss, dass die Asiaten es mit Fleiß und Ausdauer zu etwas bringen, findet man doch stets ein paar Haare in der Haifischflossen-Suppe: Die Chinesen werden zwar im Schnitt reicher, aber viele Arme auf dem Land können mit diesem Tempo nicht mithalten und werden nicht so schnell reich. Somit sei der ganze Wirtschaftsaufschwung Makulatur, und außerdem sehe es mit der Menschenrechtslage in China doch sehr düster aus. Dass es in den Zeiten des Kommunismus ohne wirtschaftliche Freiheit mit den Menschenrechten noch weitaus düsterer aussah, wird dabei meistens vergessen zu erwähnen. Auch die Erfahrung, dass eine wirtschaftliche Öffnung meistens einhergeht mit einer Verbesserung der persönlichen Freiheit und der Menschenrechtslage, so wie man es beispielsweise auch in Südkorea, Chile oder Ungarn („Gulasch-Kommunismus“) erlebte, wird gerne ausgeklammert.

Die Meinung, dass alle Übel im heutigen China vom ungezügelten Kapitalismus herrühren, ist also fester Bestandteil der Brillengläser gerade linker deutscher und europäischer Medien. So wurde dieser starre Blick auch nicht getrübt, als die KP Chinas vor ein paar Tagen eine Reform des Eigentumsrechts beschloss, wonach Privateigentum besser geschützt wird und die Bürger nicht mehr so schnell von Behörden und Parteikadern enteignet werden können. Wer bei westlichen Gutmenschen und Besserwessis Jubel über diesen wichtigen Schritt zur Verbesserung der Menschenrechtslage erwartet hatte, sah sich jedoch schnell getäuscht: Dieses Gesetz sei nur dazu da, die Reichen zu schützen, die sich dank des chinesischen Raubtierkapitalismus Villen und teure abgasreiche Autos leisten könnten. Ein Kommentator der Tagesschau hielt dieses Gesetz gar für eine Ausgeburt des „brutalen Kapitalismus“, den der chinesische Reformer Deng Xiao Ping mit seinem Befehl „Werdet reich!“ verkörpere. Dass der Schutz des Privateigentums auch armen chinesischen Bauern auf dem Land zugute kommen könne, die bislang korrupten Parteifunktionären wehrlos ausgeliefert waren, wurde von den meisten Kommentatoren entweder bestritten oder gar nicht erwähnt. Der Tenor ist: Privateigentum ist pervers und kapitalistisch und dient nur den Reichen.

Bleibt zu hoffen, dass die Chinesen unseren Meinungsbildnern nicht den Gefallen tun werden, das Rad der Geschichte zurückzudrehen und zum wahren Kommunismus zurückzukehren, dem Werdet-Arm-Programm des großen Steuermanns Mao, der die hierzulande geheiligte Parole „Eigentum verpflichtet“ konsequent durchgesetzt hatte.

09. März 2007

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