04. April 2007

EU Verbraucherschutz für Fußballfans

Kostenloses Kicken für jedermann

Wie allgemein bekannt ist, brauchen Verbraucher Schutz. Für besonders geeignet zu ihrem Schutz hält sich das Europäische Parlament. Deshalb werden jetzt auch alle Verbraucher, die, wie zum Beispiel ich, gern Fußball im Fernsehen schauen, von den Abgeordneten beschützt. Das Parlament hat sich mit dem Profifußball befasst und dabei allerlei Unsinn besprochen und beschlossen - nicht nur zum sogenannten Verbraucherschutz. Besonders schön ist, dass es jetzt offensichtlich Element des Verbraucherschutzes ist, dass die Nutzer eines Gutes nicht mehr dafür bezahlen müssen.

Denn, so der Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz, in seiner Stellungnahme, das Europäische Parlament solle feststellen, dass die Fernsehübertragung von Sportveranstaltungen immer mehr auf verschlüsselten und Pay-TV-Sendern erfolgt und dass diese Wettbewerbe daher für zahlreiche Verbraucher unzugänglich werden; fordert, dass der Zugang einer größtmöglichen Anzahl von Verbrauchern zu Fußballgroßereignissen durch kostenlose Fernsehübertragung gewährleistet wird; unterstützt den Grundsatz des kollektiven Verkaufs der Fernsehübertragungsrechte, um eine gerechte Umverteilung dieser wichtigen Finanzressource zu gewährleisten.

Die Logik dahinter: Immer dann, wenn für etwas ein Preis verlangt wird, werden Verbraucher von der Nutzung ausgeschlossen. Das ist richtig - es werden diejenigen ausgeschlossen, die nicht dafür bezahlen wollen. Das ist bei Brot genauso wie bei Autos oder Büchern. Nur bei Fußballübertragungen soll es anders sein? Natürlich gibt es einen Haken: Es bezahlt nicht etwa niemand, sondern es sollen alle bezahlen - wie beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen üblich. Auch diejenigen, die sich unverständlicherweise gar nicht für Fußball interessieren, sollen für die Politiker die Zustimmung der Fußballfans kaufen.

Zum zweiten Teil des Zitats muss nicht viel mehr gesagt werden: Politiker glauben, besser als die Fußballvereine und -verbände zu wissen, wie diese ihr Angebot vermarkten sollen. Und eine „gerechte" Umverteilung darf nicht fehlen. Selbstverständlich wird dann die Politik festlegen, was gerecht ist. Übrigens: Natürlich gibt es in anderen Ländern, z.B. in den USA, „Umverteilung" innerhalb der Profiligen. Allerdings werden dort die Mechanismen von den Eigentümern der Teams beschlossen, die damit ein attraktiveres Produkt schaffen wollen, und nicht von Politikern, die sich bei den Unterstützern einiger Vereine anbiedern wollen.

Zur Ehrenrettung des Parlaments lässt sich anführen, dass der verabschiedete Beschluss nur eine etwas abgeschwächte Form dieser Forderungen enthält. Nicht zur Ehrenrettung, aber zur Beruhigung mag auch führen, dass das Europäische Parlament, und die Europäische Ebene überhaupt, beim Sport - noch - gar keine Kompetenzen haben. Doch das hat Brüssel noch selten daran gehindert, sich irgendwo einzumischen.

Parlamente suchen sich, wie alle politischen Institutionen, Aufgaben, die ihre Popularität erhöhen sollen. Härtere Strafen für Kriminelle, die es gerade mal in die überregionalen Medien geschafft haben, mehr Geld für diese oder jene gerade bei Teilen des Wahlvolkes populäre Zwecke, Entschädigungen für Aktionäre, deren Papiere im Kurs gesunken sind (gefordert von der Partei des Liberalismus und der wirtschaftlichen Vernunft) - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und vieles, was als offensichtlicher Unsinn galt, erlangt nach ein paar Jahren Gesetzeskraft.

Web: Institut für Unternehmerische Freiheit


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