02. Oktober 2007

Ron Paul Revolution III Die Lawine rollt

Es entsteht die erste „digitale Nation“

Der „Spiegel“ berichtete kürzlich über die Spendeneingänge der US-Präsidentschaftskandidaten. Barack Obama und Hillary Clinton von den Demokraten werden mal wieder ein respektables Ergebnis vorzeigen, während die Republikaner „schwächeln“, heißt es da. Ein Kandidat wird wieder mal nicht erwähnt: Ron Paul. Das ist in diesem Fall möglicherweise weniger die Schuld des „Spiegel“ als die der amerikanischen Mainstream-Medien, aus denen der Redakteur abschreibt.

In den nächsten Tagen werden die offiziellen Quartals-Spendeneinnahmen aller Kandidaten beider Parteien veröffentlicht. Alles deutet darauf hin, dass die Ergebnisse des konservativ-libertären Republikaners Ron Paul eine Menge Menschen überraschen, und nicht wenige gar ängstigen werden. Im gesamten vorletzten Quartal sammelte er 2,4 Millionen US-Dollar ein und errang schon damit Aufmerksamkeit, weil er nun mehr Geld hatte als John McCain, der bis dahin als einer der Favoriten der Republikaner gehandelt worden war. Diesmal hat Paul allein in der letzten Quartalswoche (!) in einem spannenden Spenden-Endspurt nicht weniger als 1,2 Millionen US-Dollar eingenommen. Also genau die Hälfte des gesamten vorherigen Quartalsbetrages! Ein Grund für das „Schwächeln“ der anderen Republikaner ist sicher hier zu finden. Es ist nicht auszuschließen, dass Paul im eben abgelaufenen Quartal sogar ein zweistelliges Millionenergebnis einfahren wird. Damit wäre er zwar noch nicht in der Gewichtsklasse der beiden genannten demokratischen Favoriten, aber ignorieren können die Medien Paul danach nicht mehr – wenn sie nicht den letzten Rest journalistischer Integrität verlieren wollen. Sofern sie diese noch haben.

„Erst wirst du ignoriert, dann ausgelacht, dann bekämpft, und dann gewinnst du.“ In den Ron-Paul-Foren wird dieser Satz Mahatma Gandhis in den letzten Monaten und Wochen gelegentlich zitiert. Mehrfach haben einige Medien und andere Politiker versucht, Paul lächerlich zu machen. Sie sind bisher immer wieder an seiner Integrität und Ehrlichkeit gescheitert. Nach Debatten und bei Probewahlen bekommt Paul regelmäßig hohe bis höchste Zustimmungsraten; seine Veranstaltungen bekommen den größten Zulauf; Kleinplakate mit seinem Namen sind überall, während von anderen kaum etwas zu sehen ist. Auch wenn dies in den „wissenschaftlichen“ Umfragen noch nicht wiedergegeben wird: Trotz aller gegenteiligen Bemühungen der mächtigen Medien wird Ron Paul dank der kreativen und nimmermüden Graswurzelaktivitäten seiner Unterstützer immer bekannter und beliebter. Andere Kandidaten der Republikaner dagegen haben sich tatsächlich lächerlich gemacht. Auf die Frage beispielsweise, warum keiner seiner fünf Söhne im Irak als Soldat dient, antwortete Mitt Romney, der Beitrag seiner Söhne zum Krieg sei ihre aktive Unterstützung seiner Präsidentschaftskampagne. Und Rudy Giuliani, der im Gegensatz zu Paul und Romney auf die Unterstützung seiner Familienmitglieder verzichten muss, ist auf den krankhaft größenwahnsinnigen Trick gekommen, sich während einer öffentlichen Rede von seiner Frau anrufen zu lassen und kurz mit ihr zu plaudern.

Bei solch einem Angebot ist es kein Wunder, dass Konservative, klassisch Liberale und Libertäre nach anderen Alternativen Ausschau halten. Aber auch bisherige Wähler der Demokraten werden allmählich auf Paul aufmerksam, schließen sich ihm sogar aktiv an, da seine Antikriegseinstellung glaubhafter ist als die aller anderen Präsidentschaftskandidaten. Nichtwähler und Wähler kleinerer Parteien ergeht es ebenso, weil sie in Paul erstmals seit Jahrzehnten wieder eine echte Alternative zu den „vorgefertigten“ Kandidaten der beiden großen Parteien sehen, der sogar eine Chance zum Sieg hat. Auch bei Themen jenseits des Irakkrieges trumpft Paul auf. Bei einer Freiluftveranstaltung letzte Woche in New Hampshire erhielt er den größten Applaus für seine Forderung, das Geldmonopol der Federal Reserve abzuschaffen.

Bei aller Euphorie der „RonPaulians“ über die bisherige Entwicklung der Dinge ist zu bedenken, dass 100 Jahre Sozialismus, auch in den USA, nicht durch eine einzige erfolgreiche Kampagne eines Libertären hinweggefegt werden. Aber egal, wie die Wahl am Ende ausgeht: Die „Ron Paul Revolution“ wird Amerika verändern, so viel ist klar. Menschen werden von nun an verstärkt Kandidaten wie Ron Paul nachfragen - auf jeder Ebene. Viele „Paulians“ werden selber kandidieren, ausgestattet mit überragendem Wissen auf dem Feld der politischen Ökonomie – und einem respekteinflößenden Netzwerk.

Noch weiter gedacht ist die Ron-Paul-Bewegung mit ihrer souveränen Nutzung aller Internet-Ressourcen das erste Anzeichen für die Entstehung „geographieunabhängiger Nationen“, meint Jay Roberts, technischer Direktor der Firma Cellblock.com. „Die Tatsache, dass die erste digitale Nation sich um Ron Paul formiert, statt um Obama oder um das Verbot von gehärteten Fetten, ist ein guter Frühindikator dafür, dass digitale Nationen vielleicht dazu neigen werden, pro-libertär zu sein.“ So können die „Paulistas“ gelassen in den Wahlkampf gehen. Sie können genausowenig verlieren wie eine ins Rollen geratene Lawine aufgehalten werden kann.

Internet:

Der Spiegel: Dollarsegen für Obama und Clinton

Jay Roberts: The Ron Paul Nation


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