André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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„Bild“-Hetze: Julius Streicher lebt

von André F. Lichtschlag

Eine Zeitung wagt den „antifaschistischen“ Endkampf

Die heutige Kommentar des „Bild“-Chefkolumnisten sprengt vielleicht alles seit dem 2. Februar 1945 in Deutschland publizistisch Vorstellbare. Damals erschien die letzte Ausgabe des „Stürmers“. Franz-Josef Wagner schrei(b)t wörtlich: „Was hat die dumme Kuh gemacht vor laufender Kamera?“ – „Sie hat sich nur immer tiefer in den Sumpf hineingeplappert, in den sie sich verlaufen hat. Eva Herman ist ganz sicher keine Nazi-Hexe, die mit einem Besenstiel über Auschwitz reitet. Eva Herman ist, ich sagte es schon, eine dumme Kuh.“ – „Über das Wetter würde ich mit ihr reden und wie sie ihr Haar blond färbt. Und warum mollig sexy ist und wie der Orgasmus der 48-jährigen Frau ist.“

Abschließend verurteilt er Kerner, weil dieser Eva Herman überhaupt in die Sendung einlud. Der Hauptartikel der heutige „Bild“-Ausgabe zum Titelthema ist in dicken Lettern so überschrieben: „Ist Eva Herman braun oder nur doof?“ Springers Stürmer 2.0 beantwortet am Ende auch geschickt, warum „Eva Herman so großen Applaus“ bekam: Sie „hatte 10 Karten für Freunde bestellt, die sie im Studio lautstark unterstützten“. Wetten, dass die allermeisten Zuschauer sich tatsächlich umgekehrt fragen, warum Chefanklägerin Schreinemakers oder der nette Freisler-Mime so viel Applaus bekamen? Wetten, dass die „Bild“ derzeit Leserbrief-Rekorde einfährt von Tausenden, welche die Hetze nicht mehr ertragen können? Vielleicht sollte ein Freund den Verantwortlichen im Springer-Verlag erklären, dass der „Stürmer“ nicht eben die Zeitung mit der damals höchsten Auflage war. So viele Sadisten gab und gibt es glücklicherweise nicht unter den Lesern. Vielleicht wird es aber auch mal wieder Zeit für Demonstrationen vor der Axel-Springer-Zentrale.

11. Oktober 2007

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