23. Oktober 2007

Terrorismus Ein Fall für private Sicherheitsagenturen

Wie sie uns wirksamer vor Terrorangriffen mit Massenvernichtungswaffen schützen können als der Staat

Bundesinnenminister Schäuble meint, ein Terrorangriff mit einer Atombombe sei nur noch eine Frage der Zeit. Er gibt uns den Rat, deshalb nicht in Weltuntergangsstimmung zu versinken. Einen Rat, was wir statt dessen tun sollen, hat er nicht. Nun ist es nichts neues, dass Politiker keinen (echten) Rat wissen. Neu ist, dass sie ihre Ratlosigkeit so offen kundtun. Kürzlich diskutierte Gary North auf lewrockwell.com ein noch beängstigenderes Szenario (ja, das gibt’s): Was tun, wenn Selbstmordattentäter einen Biowaffenangriff unternehmen, etwa mit einem im Labor künstlich hergestellten Pockenvirusstamm? Wenn sich ein Dutzend Selbstmordattentäter damit infizieren und dann innerhalb der Inkubationszeit von ca. 9 Tagen in einige Großstädte der USA und Europas fliegen (und zurück, um keinen Verdacht zu erregen), und dort mit möglichst vielen Menschen möglichst viel und intensiv Kontakt pflegen, könnte es, laut einer im Jahr 2001 durchgeführten Simulation, innerhalb von 13 Tagen 3 Millionen infizierte und 1 Millionen Tote geben. Das, und die darauffolgende Panik, würden den zeitweiligen Zusammenbruch der gesamten Infrastruktur der westlichen Welt zur Folge haben.

Darüber sprechen die Politiker nicht. Warum auch? Sie könnten allzu offensichtlich ohnehin nichts dagegen tun. Insofern ist Schäubles Aussage ein frühes Eingeständnis des abzusehenden Scheiterns des Nationalstaates im Bereich der inneren und äußeren Sicherheit. Und natürlich aller nationalstaatlichen Allianzen. Das entbindet aber keinen denkenden Menschen von seiner Verantwortung, für sich und den von ihm Abhängigen Vorsorge zu leisten.

Gary North schlägt 10 Schritte vor, die für viele jedoch nur mit großen Schwierigkeiten realisierbar sein werden. Insbesondere den, „wirtschaftliche Reserven“ vorrätig zu halten, die man brauchen werde, um eine gewisse Zeit einigermaßen autark zu überleben, oder den, einen ortsunabhängig Beruf auszuüben. Leichter zu realisieren ist da schon sein Ratschlag, eine Erst- oder Zweitwohnung am Rande einer Kleinstadt abseits der Hauptverkehrswege zu besitzen und gute Beziehungen mit den dortigen Nachbarn zu pflegen.

Doch was können jene tun, die beruflich nicht so mobil sind und gerade mal über so viel Reserven verfügen, dass sie mit ihnen höchstens ein paar Wochen überleben können? Zur Beantwortung dieser Frage sollte man dem Problem der Terrorbedrohung auf den Grund gehen. Nicht den Ursachen, das ist ein anderes Thema. Sondern dem Problem. Das Problem, das wir (über unsere Staaten) uns mit diesen Banden in einem „asymmetrischen“ Krieg befinden. Ein Krieg, den eine Seite nicht mehr nach den alten Regeln führt. Nicht mit großen Armeen und großer Feuerkraft, zentral gelenkt von ein paar Generälen. Statt dessen wird in dezentralen, kleinen Gruppen gekämpft, jede für sich, kreativ-destruktiv. Diese Seite kann den Kampf nicht verlieren. Die andere Seite, der Staat, kann diesen Kampf nicht gewinnen. Das Problem für ihn (und somit für uns) ist: Verlieren darf er auch nicht. Eine Niederlage darf er nicht eingestehen. Dann kann er nämlich den Löffel abgeben. Also macht er weiter. Die Zeit aber ist auf der Seite der Terroristen. Außerdem: Sie kämpfen nicht für einen Staat, sondern für eine Idee.

Die einzige realistische Chance, den Terrorismus wirksam einzudämmen, liegt in der Wiederherstellung der Kriegssymmetrie. Da die Terroristen wohl kaum so freundlich sein werden, sich zu gut sichtbaren Armeen zu formieren, muss die Gegenseite (also wir, die potenziellen Opfer) eine terrorismustaugliche Abwehr entwickeln. Radikalliberale Vordenker wie Murray Rothbard, David Friedman und Hans-Hermann Hoppe haben die Idee privater Sicherheitsagenturen vorgebracht. Genau wie andere Versicherungen würden diese Agenturen Empfehlungen abgeben, wie man sich schützen kann und jenen günstigere Prämien anbieten, die Selbstschutzmaßnahmen ergreifen. Als private Unternehmen im Wettbewerb hätten sie Interesse an einen bestmöglichen Service zu einem geringstmöglichen Preis. Sie hätten ein hohes Interesse an Schadensvermeidung und bei Schadenseintritt ein hohes Interesse an einer möglichst schnellen und reibungslosen Festnahme der Verursacher und Sicherung einer Entschädigung – möglichst ohne Kollateralschäden also. Ganz anders der Staat. Ohne Konkurrenzdruck hat der Sicherheitsmonopolist kein Interesse an einer effizienten Schadensbegrenzung. Natürlich arbeiten die individuellen Beamten und Soldaten emsig daran, Terrorangriffe zu verhindern. Das Problem ist nur, dass ihnen der entscheidende Anreiz für den Erfolg fehlt: Die eigene wirtschaftliche Beteiligung daran.

Bis vor kurzem schienen private Sicherheitsagenturen ein reines Phantasieprodukt zu sein. Doch genauso, wie das Internet und andere neuen Techniken den modernen Terrorismus erst möglich macht, der sämtliche Verteidigungslinien des Staates unterwandern kann, ermöglicht diese Technologie auch entsprechende, „symmetrische“, dezentrale, flexible Schutzmaßnahmen. Ihre Entwicklung wird derzeit durch das Vorhandensein des Sicherheitsmonopolisten Staat noch behindert. Doch das beredte Schweigen Schäubles ist ebenso ein Eingeständnis des endgültigen Staatsversagens wie der mit Zwangsgeld (Steuern) finanzierte Einsatz von Privatarmeen wie Blackwater im Auftrag des Staates.

Das Internet erlaubt Zusammenschlüsse von Menschen, unabhängig von ihrem geographsichen Aufenthaltsort, in „virtuellen Nachbarschaften“. Sie können sich Gegenseitig innerhalb von Sekundenbruchteilen über für sie wesentliche Entwicklungen informieren. Die Terroristen haben das schon längst kapiert und praktiziert. Mit Hilfe dieser Technologie können nun Organisationen wie private Sicherheitsagenturen für jedermann eine realistische Option werden. Wie würde eine Sicherheitsagentur ihre Kunden vor Anschlägen mit Massenvernichtungswaffen schützen? Zunächst mal: Einen absoluten Schutz wird es nie geben. Aber: Sie würden beispielsweise Ratschläge geben, wie die von Gary North. Welcher Staat macht das? Sie würden Hilfestellung bei ihrer Umsetzung geben. Darüber hinaus würden sie ihre Kunden zu Hilfsnetzwerken verknüpfen, um ihnen den Aufbau eines Autarkiepolsters zu erleichtern. Es gäbe deutliche Prämiennachlässe für die Wahl eines weniger gefährdeten Wohnortes und für andere Vorsorgemaßnahmen. Sie hätten ein Interesse am präventiven Aufspüren und Unschädlichmachen von Attentätern. Sie würden Labors finanzieren, um im Bedarfsfall möglichst schnell einen Impfstoff zu entwickeln oder ein Gegenmittel bereitzuhalten – für ihre Kunden. Sollte es zu einem Anschlag kommen, würden die Kunden gezielt über sofort zu ergreifende Maßnahmen informiert. Und das möglichst schnell, denn die Konkurrenz schläft nicht.

Und was soll der Staat derweil machen? Er könnte beispielsweise weiter schweigen und tatenlos rumstehen, aber er sollte dann auch bitteschön nicht jenen im Weg stehen, die helfen können und wollen. Wenn genug Menschen merken, dass man ihn eigenlich nicht mehr braucht, verschwindet er dann vielleicht auch irgendwann mal, und mit ihm eine Hauptursache für die derzeitige Anschlagsgefahr.

Internet:

Gary North: Peace or Economic Catastrophe

Gary North: A 10-Step Personal Self-Defense Strategy Against a Coordinated Bioterrorist Attack

Literatur:

Hans-Hermann Hoppe (Hrsg.): The Myth of National Defense, Ludwig von Mises Institute, 2003


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