20. Dezember 2007

DDR 2.0 Mauerbau um die Familien

Per Kinderschutz zur totalen Entmündigung

Der volksrepublikanische Kindergipfel droht in einen neuen Mauerbau rund um die Familien zu gipfeln. Ganz im Ernst fordert der deutsche Städtetagspräsident, der sozialdemokratische Christian Ude,  jetzt sogar, dass Kinderschutz vor Datenschutz gehen soll. Wie einst die DDR ihre Bürger aufwendig schützte, so sollen jetzt auch im wiedervereinigten Deutschland Kinder beschützt werden. Ude fordert weiter, dass verhindert werden müsse, "dass sich Eltern durch Arztwechsel, Umzüge, Schulwechsel den notwendigen Hilfen und Maßnahmen entziehen".

Das sind in der Tat Forderungen, die den Verfassungsschutz auf den Plan rufen sollten, denn sie heißen nicht mehr und nicht weniger, als dass nicht nur ohnehin schon alles behördlich registriert wird, sondern dass damit das Recht auf freie Arztwahl, das freie Aufenthaltsrecht und die freie Wahl einer Schule restlos abgeschafft werden. Wann der Staat, wie es die Nationalsozialisten ja schon einmal zur Zeit des sogenannten Dritten Reiches planten, auch die freie Ehegattenwahl einschränkt, scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein; vielleicht aber reicht ja auch nur die Regelung der Beischlafmodalitäten.

Schon jetzt sind freie Schulwahl, freie Arzt- und Wohnungswahl schon reichlich eingeschränkt, weil der Staat überall seine ungeschickten Hände im Spiel hat: Schulzwang, staatlich betriebene Ausbildung, Schulen und streng reglementierter Wohnungsbau. Es ist der vorläufige politische Höhepunkt einer Vorstellung, die im doppelten Wortsinn steuerbaren Menschen von der Geburt bis 20 Jahre nach dem Tod fest im Griff zu haben – damit auch ja alles so läuft, wie die hohen Damen und Herren sich das vorstellen. Selbstverständlich nur zum Besten, was man ja dank demokratischer Legitimation automatisch kennt und umsetzen kann. Und das muss natürlich kontrolliert werden. Wie zum Beispiel bei den ebenfalls vorgesehenen verbindlichen ärztlichen Zwangsuntersuchungen von Kindern, die den letzten Rest Vertrauen in Ärzte zu zerstören vermögen. Auch hier ist das Menschenbild von Misstrauen geprägt – abgesehen von dem abgedrehten Alleinseligmachungsanspruch staatlicher Politik.

Ein Staat aber, der auf Misstrauen und Kontrolle setzt, kann niemals aufbauen. Denn wer zwingt die Menschen, trotzdem Kinder zu bekommen? Und wer kontrolliert die Kinderärzte? Und wer die Kontrolleure der Kinderärzte? Und wer passt auf die Kontrollen der Kontrolleure auf? Und wer legt die fest und organisiert die - von wem kontrolliert?

Irgendwo setzt Vertrauen ein - oder das Misstrauen frisst uns auf. Ganz abgesehen davon, dass die "staatlich"-bürokratisierten Kontrolleure schon jetzt versagen, wie es denn dem Menschen ohnehin eigen ist, gelegentlich zu versagen. Bei alledem ist die vorgeburtliche Kindstötung staatlich sanktioniert, der Schwangeren traut man Verantwortung zu, hält gar eine Tötungshandlung für verantwortliches Handeln. Aber die jungen Eltern Geborener zwingt man voller Misstrauen in staatliche Überwachung. Wenn dann dort falsch beraten wird - was zu erwarten ist, da die zwangsweise Zuführung von "Kunden" niemals Qualität schafft - an wen wende ich mich dann vertrauensvoll, um Schadenersatz einzuklagen? An die Richter des Staates, dessen Polizei mich und meine Kinder zum Arzt bringt?

Ach so: wer kontrolliert eigentlich meinen Kühlschrank? Da lag abgelaufener Käse drin. Womöglich hätten meine Kinder davon gegessen. Wir brauchen dringend staatliche Hilfe! Am besten füttert ihr uns gleich und führt uns die Hand zur Arbeit. Und natürlich möge uns eine schussbewehrte Mauer in unserem sozialdemokratischen Alltag allezeit beschützen!

Internet:

Spiegel-Artikel zum Kindergipfel und zum Ude-Vorstoß

www.essenspflicht.de

Literatur:

Eugen Richter: Sozialdemokratische Zukunftsbilder


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Stefan Sedlaczek

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