25. Dezember 2007

Berlinale Verliebt in die Filmförderung

Die subventionierte Seichtigkeit der bewegten Bilder

Am 7. Februar startet wieder die Berlinale. Die Bosse der deutschen Filmfirmen klopfen sich dann mal wieder auf die Schultern: Es geht aufwärts. Dem Steuergeldsegen sei dank!

Es herrscht Goldgräberstimmung. Erst im Dezember gründete die Ufa eine neue Tochterfirma speziell für Kinofilme (Ufa Cinema). Seit den 60ern ist die Ufa auf die Produktion von Seifenopfern (GZSZ), Telenovelas (Verliebt in Berlin), Talentshows (DSDS) und ähnlichem geeicht.

Zugegeben, die Ufa hat auch preisgekrönte Serien wie „Edel und Starck“ gedreht oder gute TV-Filme wie „Der Tunnel“ – aber das große Geld wurde eher mit seichter und seichtester Unterhaltung gemacht. Bis jetzt.

Inzwischen haben sich nämlich die Bemühungen der Filmwirtschaft bezahlt gemacht. Noch vor drei Jahren jammerten sie im Chor über die „schlechten Rahmenbedingungen“ – namentlich die guten Abschreibungsmöglichkeiten für Hollywood-Produktionen, die zu viel deutsches Kapital nach Kalifornien lockten.

Dazu die gemeine europäische Konkurrenz! Im Kulturausschuss des Bundestages sagte der Produzent Sytze van der Laan im Januar 2005, die Filmwirtschaft sei „ein reisender Zirkus“. Produziert werde dort, wo es am billigsten sei.

Das geht natürlich nicht, befanden die Produzenten. Wo kommen wir denn hin, wenn dort produziert wird, wo es am billigsten ist? Und die Volksvertreter schlossen sich gleich an und kippten schnurstracks die Steuervorteile von US-Produktionen.

Statt einfach deutschen Produktionen die gleichen Steuervorteile einzuräumen, gründete Kulturstaatsminister Bernd Neumann den Deutschen Filmförderfonds (DFFF), der den Produzenten seit 2007 Geld nach den Gesetzen des Wohlfahrtsstaates zuschießt: Wer hohe Kosten hat, bekommt viel dazu – ein neues deutsches Subventionswunder.

Mit sechzig Millionen Euro wurden im ersten Jahr seines Bestehens 99 Filme gefördert. Alle weiteren deutschen Filmtöpfe machen übrigens – laut Tagesspiegel –weitere 230 Millionen Euro aus. Diese Summe wächst beständig. Gerade haben Berlin und Brandenburg ihre Förderung um weitere drei Millionen erhöht. Das heißt: Der deutsche Steuerzahler unterstützt die Branche mit annähernd 300 Millionen Euro jährlich. Schon jubelt Petra Müller, die Geschäftsführerin des Medienboards Berlin Brandenburg, dies sei eine „kluge Investition für Wachstum und Arbeitsplätze.“

Wirklich? Natürlich nicht! Es ist wie immer, wenn sich der Staat einmischt: Es geht gründlich in die Hose. So hat der DFFF nur die Taschen der deutschen Filmproduzenten voller gemacht, aber nicht die Kinosäle.

Die Zahl der Kinobesucher sank 2007 sowieso schon um etwa zehn Prozent. Die etwa 500 deutschen Filme lockten aber ersten Schätzungen zufolge nur noch halb so viele Zuschauer in die Kinos wie im Vorjahr. Macht ein Minus von satten fünfzig Prozent! Was interessiert es die Filmproduzenten. Solange jedoch das Geld vom Staat kommt, gilt das Motto: „Hauptsache, ich werde geholfen.“
Der Filmmarkt wird nicht nur durch die neuen Neumann-Subventionen verzerrt. Dazu kommt die Konkurrenz vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Beispiel: das Thriller/Krimi-Genre.
Warum gibt es in Deutschland nie auch nur einen einzigen erfolgreichen Thriller a là „Das Schweigen der Lämmer“? Wegen des Tatorts!

Niemand wird bestreiten, dass die ARD-Serie richtig gut gemachte Unterhaltung ist (außer wenn Maria Furtwängler als Kommissarin antritt), die aber mit gewaltigem Finanzaufwand aus den GEZ-Gebühren hergestellt wird. Da kann keine private Produktionsfirma mithalten.

So bleibt für private deutsche Krimiproduktionen nur das Trashgenre wie „Niedrig und Kuhnt“ auf Sat1, wo die Kommissare so aussehen wie sie heißen, oder „Im Namen des Gesetzes“, eine Billigst-Kopie von „Law and Order“ auf RTL.

So wird auch in Zukunft für die Filmwirtschaft nicht ausschließlich der Erfolg beim Zuschauer ausschlaggebend sein, sondern die Form der Förderung, die Herangehensweise beim Abgreifen von Staatsknete. Subventionen sind bekanntlich wie Crack. Einmal genommen, sofort süchtig.

Die Gründer der neuen Ufa Cinema sagen übrigens, dass sie von der DFFF geradezu dazu inspiriert worden seien, diese Kinofilmfirma zu gründen. Die Verantwortlichen bei dem Fonds haben natürlich ein großes Interesse an weiteren „Kunden“, die ihre „Leistungen“ beziehen möchten. Und so dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Forderung an die Politik herangetragen wird, die DFFF-Subventionen doch bitte zu erhöhen.
Ganz bestimmt. Demnächst in diesem Kino.


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