Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

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New Yorker Klimakonferenz: Skeptiker auf verlorenem Posten?

von Edgar L. Gärtner

Letztlich geht es um mehr als das Klima

Seit der „Weltklimarat“ der Vereinten Nationen, das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), im vergangenen Jahr für seinen vierten Bericht über den Klimawandel und Ex-US-Vizepräsident Albert Gore für seine in Hollywood mit einem Oscar gekrönte volkspädagogische Powerpoint-Show „Eine unbequeme Wahrheit“ mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden, steht die These, die Menschen in den Industrieländern trügen mit ihrem starken Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) die Hauptschuld an der im 20. Jahrhundert registrierten leichten Erderwärmung, wie eine unumstößliche Wahrheit im Raum. Ungeachtet der Tatsache, dass ein hohes englisches Gericht an Gores Präsentation eine ganze Liste von groben Falschaussagen beanstandete und sie nur unter Vorbehalt für den Schulgebrauch freigab, bekommen Kinder in Deutschland und anderswo das Machwerk weiterhin unkommentiert als Lehrmaterial vorgesetzt. Den Rest besorgten die Massenmedien mit einer beispiellosen Häufung apokalyptischer Bilder. Die durchaus zahlreichen Naturwissenschaftler und Ökonomen, die (meist hinter vorgehaltener Hand) weiterhin an der Berechtigung der von der EU unter deutscher Präsidentschaft beschlossenen drakonischen CO2-Rationierungsmaßnahmen zweifeln, scheinen auf verlorenem Posten zu stehen.

Zwar wissen wir aus Meinungsumfragen, dass die kleinen Leute noch längst nicht wirklich daran glauben, dass das Verbrennungsabgas CO2 die Gefahr einer „Klimakatastrophe“ heraufbeschwört, für deren Abwendung sie auf Konsumfreiheit, Wachstum und Wohlstand verzichten müssten. Dennoch fanden sich immer mehr Wissenschaftler und Publizisten, die sich einen kühlen Kopf bewahrt haben, im Abseits, weil die großen Industrieverbände die Nobelpreisverleihung an das IPCC und Al Gore als Signal interpretierten, ihren Widerstand gegen strenge CO2-Quotierung und Emissionshandel aufzugeben. Selbst von Vertretern der dadurch in ihrer Existenz bedrohten Industrien bekommt man seitdem zu hören, der Zug der „Klimapolitik“ sei abgefahren. Nun komme es nur noch darauf an, sich so rasch wie möglich mit der Politik zu arrangieren, um auch noch etwas vom warmen Subventionsregen für „regenerative“ Energien und „kohlenstoffarme“ Geschäftsmodelle zu erhaschen.

Doch seit der ebenso bunten wie ergebnisarmen UN- Klimakonferenz von Bali im letzten Dezember wagen sich wieder mehr Kritiker aus der Deckung. So veranstaltete das Düsseldorfer Stahlzentrum am 20. Februar 2008 eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „Ist Klimaschutz in der gegenwärtigen Form sinnvoll?“. Dort kamen fast ausschließlich „Skeptiker“ wie der emeritierte Berliner Meteorologe Horst Malberg sowie die Geologen Rolf Emmermann und Georg Delisle zu Wort. Der Grund für das Umschwenken der Stahlindustrie liegt auf der Hand: Die Branche fürchtet zurecht um ihre Zukunft in Europa, sollte die Politik mit der angekündigten kompletten Versteigerung der CO2- Zertifikate ernst machen.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund: Es wird immer offensichtlicher, dass die undurchschaubaren Computersimulationen, mit denen das IPCC seine Warnungen vor einer heranrückenden „Klimakatastrophe“ begründet, mit dem realen Wettergeschehen nicht viel zu tun haben. Der Winter 2007/2008 gilt schon jetzt in vielen Teilen der nördlichen Hemisphäre als der kälteste und schneereichste seit Menschengedenken. Die Arktis war um ganze 8,5 Grad Celsius kälter als vor zwei Jahren. Der Winter 2007/2008 setzte damit eine Entwicklung fort, die bereits nach dem El-Niño-Jahr 1998 mit seinen Hitzerekorden eingesetzt hat. Seit fast einem Jahrzehnt haben sowohl Bodenstationen als auch Wetterballone und künstliche Satelliten keinen weiteren Anstieg der Erdtemperatur mehr ausgemacht. In der gleichen Zeit sind die weltweiten CO2-Emissionen – nicht zuletzt wegen des Wirtschaftsbooms in Asien – kräftig weiter gestiegen. Das wirft die Frage auf, ob die Menschen mit ihren CO2-Emissionen, global gesehen, überhaupt einen nennenswerten Einfluss auf die Entwicklung der globalen Durchschnittstemperatur ausüben.

Das IPCC ist aufgrund seiner politischen Verpflichtung zur inhaltlichen Selbstgleichschaltung („Konsens“), wegen der Abhängigkeit seiner Mitglieder von finanziellen Zuwendungen der etablierten Politik sowie wegen des Drucks der am lukrativen Handel mit Emissionszertifikaten interessierten internationalen Großfinanz offenbar nicht in der Lage, dieser Frage unvoreingenommen nachzugehen. Deshalb trafen sich schon im Jahre 2003 auf Initiative des einst vor Hitler aus Österreich geflohenen und inzwischen längst emeritierten Atmosphären- und Raumfahrtphysikers Fred Singer, der in den 60er Jahren das erste Wettersatellitenprogramm der USA leitete, Klimafachleute aus aller Welt in Mailand, um über die Erstellung einer Gegenexpertise zu beraten. Seit dem vergangenen Jahr nennt sich diese Gruppe, zu der aus Deutschland der Meteorologe Gerd Rainer Weber zählt, „Nongovernmental International Panel on Climate Change (NIPCC)“. Ihr Ziel: Eine alternative „Summary for Policymakers (SPM)“ nach dem Muster der öffentlichkeitswirksam verbreiteten Kurzfassung des IPCC- Reports zu erstellen.

Doch es war nicht leicht, dafür ein geeignetes Forum zu finden und das nötige Geld aufzutreiben. Da heute kein einziger Großkonzern der Welt mehr bereit ist, etwas zu sponsern, das der politisch korrekten IPCC-Position widerspricht, ist „Klima“ inzwischen auch für bekannte Washingtoner Think Tanks kaum noch ein Thema. Da traf es sich gut, dass dem weniger bekannten Chicagoer Heartland Institute von einem ungenannten reichen Privatmann eine Million Dollar für einen solchen Zweck angeboten wurde. Joseph Bast, der Chef des Heartland Institute, wandte sich aus naheliegenden Gründen an Fred Singer und das von ihm schon 1990 gegründete Science and Environmental Policy Project (SEPP). Schnell waren sie sich einig, klotzen sei besser als kleckern, um den „Skeptikern“ international Gehör zu verschaffen. Kein Standort schien geeigneter, die Aufmerksamkeit der Medien zu erringen, als der Times Square im Herzen Manhattans.

So versammelten sich Anfang März 2008 am Broadway über 500 renommierte Wissenschaftler sowie Vertreter von liberalen Think Tanks und anderen von der etablierten Politik unabhängigen Organisationen, um unter den Augen eines beachtlichen Aufgebots von Medienvertretern die Schlussfolgerungen des NIPCC zu diskutieren. Einen Bezug zum US-Präsidentschaftswahlkampf, den manche Beobachter sehen wollten, gab es nicht. „Für mich steht nach allem, was die Atmosphärenforschung in den letzten Jahren herausgefunden hat, außer Zweifel, dass der Mensch nicht wesentlich zur globalen Erwärmung beigetragen haben kann. Der Klimawandel ist natürlich und kann vom Menschen nicht gesteuert werden“, erklärte Fred Singer kategorisch.

Im Prinzip arbeitete das von Singer versammelte internationale Team von Naturwissenschaftlern mit den gleichen Messdaten wie das IPCC, wertete aber auch neuere Untersuchungen aus, die vom IPCC „übersehen“ wurden. Die vom IPCC verbreitete Behauptung, der menschliche „Fingerabdruck“ in der Atmosphäre sei ausgemacht worden, konnten sie nicht bestätigen. Roy W. Spencer von der University of Alabama, einer der führenden Spezialisten für Satellitenmessungen, hat nachgewiesen, dass sich die oberen Schichten der Atmosphäre über den Tropen abkühlen statt, wie vom IPCC vorhergesagt, aufheizen. Der Grund dafür sei wohl die Vernachlässigung der negativen Rückkopplung durch die kühlende Wirkung des Wasserdampfes und der daraus entstehenden Regenwolken in den numerischen Klimamodellen. Spencers Messungen weisen eindeutig aus, dass CO2 allenfalls eine winzige Rolle im Wettergeschehen spielen kann. Leider hat bislang selbst in den USA kaum ein Massenmedium davon Notiz genommen.

Die vorhandenen Messdaten zeigten keinen Zusammenhang zwischen dem CO2-Gehalt der Luft und der Temperaturentwicklung, dafür aber eine frappierende Übereinstimmung mit bekannten Zyklen der Sonnenaktivität, stellt der Report des NIPCC fest. Der von Al Gore zum Ende des Jahrhunderts prophezeite Anstieg des Meeresspiegels um sechs Meter sei ein Hirngespinst, denn selbst das IPCC erwartet in seinem letzten Bericht höchstens noch ein Zehntel dieses Betrages – anstelle von fast vier Metern im ersten IPCC-Bericht von 1990. Wahrscheinlich werden es gerade 20 Zentimeter sein, weil der bisher gemessene allmähliche Anstieg des Meeresspiegels sich fortsetzen dürfte.

Auch die in Al Gores Propagandafilm an die Wand gemalte Gefahr einer Ausbreitung der Malaria nach Norden und in höhere Gebirgsregionen erscheint an den Haaren herbeigezogen. Denn es hat auch in kühleren Landstrichen wiederholt Malaria-Epidemien mit Massensterben gegeben. So in den Jahren 1923 bis 1925 in Sibirien. In der heutigen kenianischen Hauptstadt Nairobi, die 1.624 Meter über dem Meer liegt und laut Al Gore wegen der Erderwärmung bald von der Malaria bedroht sein wird, gab es schon zwischen 1919 und 1950 fünf große Malaria-Ausbrüche, die viele Todesopfer forderten. Die britische Kolonialverwaltung musste 50.000 Pfund (heute etwa 1 Million Euro) für die Stechmücken-Bekämpfung locker machen, um den Bau der Eisenbahn von Mombasa nach Uganda voranbringen zu können. Darauf wies in New York Prof. Paul Reiter vom Pariser Institut Pasteur, einer der führenden Spezialisten für Tropenkrankheiten, hin. Reiter demonstrierte am Beispiel der aktuellen großräumigen, interkontinentalen Ausbreitung der asiatischen Tigermücke (Aedes Albopictus), wie irreführend deren Erklärung durch die globale Erwärmung ist. Die wirkliche Ursache sei der weltweite Handel mit ausgedienten Reifen. Das sich in ihnen sammelnde Regenwasser schaffe ideale Bedingungen für die Entwicklung der Mückenlarven, die sich in ihrem Ursprungsgebiet in alten Baumstümpfen vollzieht.

Sollte es sich herausstellen, dass der gerade beginnende 24. Sonnenzyklus (seit dem 18. Jahrhundert) so schwach ausfällt, wie von russischen Astronomen vorhergesagt, dann bekämen die Klimapolitiker und die Wissenschaftler, die alles auf die CO2-Karte gesetzt haben, ein ernstes Glaubwürdigkeitsproblem. Fred Singer fürchtet, die Menschen würden sich bald nach wärmeren Zeiten zurücksehnen, weil diese – wie etliche der in New York präsentierten Studien zeigen – nicht nur ihrer leiblichen Gesundheit, sondern auch ihrem wirtschaftlichen Wohlstand eindeutig zuträglicher sind als eine Abkühlung. Vor allem würde es in einer möglicherweise bevorstehenden „kleinen Eiszeit“ sehr schwer, die weiter wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.

Schon jetzt hat sich der Preis von Mais am Chicagoer Futures-Markt wegen der Konkurrenz zwischen der Nahrungsmittelproduktion und der Erzeugung von Bio-Kraftstoffen innerhalb weniger Monate mehr als verdoppelt. Der von Weizen hat sich wegen der Ausweitung des Maisanbaus seit Ende 2005 mehr als verfünffacht. Darunter leiden vor allem die Armen dieser Welt. Wie das Ziel, bis zum Jahre 2020 zehn oder sogar 20 Prozent des Benzins durch Bio-Kraftstoffe zu ersetzen, ohne soziale Verwerfungen in den Industrieländern und beispiellose Hungersnöte in den ärmeren Ländern erreicht werden kann, bleibt das Geheimnis der Klimapolitik. Nach Singers Co-Autor Dennis W. Avery vom Hudson Institute verletzt die massive Ausweitung der Produktion von Bio-Treibstoffen die agrarpolitische Grundregel, ärmere Böden der Wildnis zu überlassen. Nicht eine mäßige globale Erwärmung, sondern die Umwandlung von Tropenwäldern in Palmen-Plantagen bedrohe die Artenvielfalt.

Der als einziger Spitzenpolitiker zur New Yorker Tagung gereiste tschechische Staatspräsident Václav Klaus kritisierte mit scharfen Worten die Klimapolitik der EU. Bis jetzt habe kein einziges EU-Land die CO2-Reduktionsziele des von der EU durchgesetzten Kioto-Protokolls erreicht. Länder wie Spanien, Portugal, Griechenland und Irland liegen um mehr als 50 Prozent darüber, die postkommunistischen Länder wegen des Zusammenbruchs ihrer Industrien deutlich darunter und die „normalen“ EU-Mitgliedsstaaten um immerhin vier Prozent dahinter. Dennoch drängt die EU auf eine verschärfte Neuauflage des umstrittenen Kioto-Abkommens von 1997 und beschließt, ihre gesamten CO2-Emissionen in den kommenden 13 Jahren gegenüber 1990 um 30 Prozent zu senken. Das, so Klaus, gehe nur, wenn die EU entweder ihre Bevölkerungszahl deutlich verringert oder ihre Wirtschaftstätigkeit stark einschränkt und auf Wachstum verzichtet oder aber die CO2-Intensität der Wirtschaft drastisch verringert. Um das zu erreichen, setze die EU-Kommission auf Innovationen im Hauruck-Verfahren. Das erinnere ihn an die Wissenschaftlich-technische Revolution (WTR), mit deren Hilfe seinerzeit KPdSU-Generalsekretär Leonid Breschnew den kränkelnden Sozialismus retten wollte.

„Was ich in Europa und auch anderswo sehe, ist eine mächtige Verbindung von Unverantwortlichkeit, Wunschdenken, uneingestandenem Malthusianismus und dem Zynismus derer, die Wasser predigen und Wein trinken, mit einem starken Glauben an die Machbarkeit des Umbaus der Wirtschaft entsprechend einem radikalen politischen Programm. Aus meinen eigenen Erfahrungen mit kommunistischer Planung ist mir dagegen klargeworden, dass der unaufhaltsame Untergang des Kommunismus vor 18 Jahren nichts mit Klimatologie zu tun hatte, dafür aber umso mehr mit fehlender Freiheit“, schloss Klaus seine mit stehenden Ovationen gefeierte Ansprache.

Trotz dieses Auftritts ließ das Medienecho der New Yorker Zusammenkunft von „Klimarealisten“ – alles in allem – zu wünschen übrig. Dass Al Gore, dem das Heartland Institute sein übliches Vortragshonorar von 200.000 Dollar angeboten hatte, der Einladung nicht gefolgt war, ließ sich verschmerzen. Es hatte ohnehin niemand damit gerechnet, er würde zusagen. Doch wurde bemängelt, dass weniger radikale „Skeptiker“ wie die Amerikaner Richard Lindzen und John Christy oder der dänische Statistiker Bjørn Lomborg fehlten. So blieb die Konferenz, trotz der Präsentation von über 100 Fachvorträgen mit vielen Neuigkeiten ein warmherziges Familientreffen kampferprobter Aktivisten, die der Glaube eint, die Wahrheit werde sich letztendlich durchsetzen. Nach historischen Erfahrungen kann das aber Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte dauern. In der Zwischenzeit sind Weltreiche untergegangen.

Internet

Schlussfolgerungen des NIPCC: www.klimamanifest-von-heiligenroth.de/NIPCC-2008-1.pdf

01. April 2008

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