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Fußballstadionsheriffs: Der „Spiegel“ in der Antisemitismusfallevon Kaspar Rosenbaum Ein Magazin ganz tief unten - jetzt wird der Amateursport politisiert Spiegel-Online als größtes Nachrichtenportal Deutschlands berichtet gerne über Fußball. Champions-Leage- und Länderspiele werden kommentiert, die Bundesliga per Liveticker begleitet und hin und wieder werden nett zu lesende Anekdoten über Herberger, Weisweiler, Beckenbauer, Netzer und Co. ausgegraben – Fußballphilosophie auf oft erstaunlich hohem Niveau. Nun hat sich Spiegel-Online auf seiner Titelseite in Deutschlands vierte Liga begeben und sich niveautechnisch unterhalb der Grasnarbe niedergelassen. In besagter Oberliga fanden am Wochenende so spannende Spitzenspiele statt wie Linx – Nöttingen (Ergebnis 1:2), Crailsheim – Bahlingen (1:0), Bautzen – Auerbach (1:1), Plauen – Eilenburg (1:0) oder Cloppenburg – Altona (1:1). Die hochdotierten Topjournalisten aus Hamburg interessierten sich für diese Schlager weniger als für die Partie der zweiten Mannschaft des auch nicht eben erstklassigen FC Carl Zeiss Jena gegen den Provinzclub Hallescher FC (Ergebnis 1:1). Der „Spiegel“ ist nach dem Spiel empört und schreibt von einem „Skandal in Ostdeutschland“. Dem Halleschen FC drohen, so Spiegel-Online, mit Recht hohe Geldstrafen und am Ende gar der Ausschluss aus der Spielklasse. Was war passiert? Wurde ein Spiel gekauft und geschoben? Ein neuer Wett-Skandal? Tote gar, wie einst im Heysel-Stadion? All dies nicht. Die Journalisten mokieren sich lediglich über das, was ein paar kaum nüchterne Fans des Halleschen FC gerufen haben. Denn die haben sich mal etwas neues einfallen lassen. Nicht das übliche „Ihr habt den Herpes, ihr den Tripper, wie seiner Zeit Jack the ripper“. Auch nicht den immer wieder beliebten Stadionhit „Arschloch, Wichser, Hurensohn – deine Mutter hat ich schon“ oder dessen Abwandlung „Arschloch, Wichser, Hurensohn – deine Eltern sind Geschwister – deine Mutter hat nen Schwanz“. Dies oder der berüchtigte Hit „Ruhrpottkanacken, ihr seid Ruhrpottkanacken“ ist sams- und sonntägliche Routine in Deutschlands Stadien, kaum „skandaltauglich“, und wird keinesfalls bestraft, geschweige denn mit Ausschluss aus der Liga. Die Fans des Halleschen FC hatten jedoch dies gebrüllt: „Juden Jena“ – und das ist nunmal nach „Spiegel“-Logik die weitaus schlimmere Beleidigung. Die Mannschaften aus dem Ruhrgebiet antworten inzwischen auf den Schmähgesang: „Ruhrpottkanacken, ja wir sind Ruhrpottkanacken“ – quasi die Marktlösung. Ähnliches ist als selbstbewusst humorvolle Antwort aus Jena nun nicht mehr zu erwarten, nachdem Politik und Medien sich des „Falles“ angenommen haben. 03. April 2008 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Diesen Artikel teilenAnzeigen |
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