21. April 2008

Klimapropaganda Diskussion über das richtige Maß an Täuschung

Mit wieviel Panikmache kommt man davon?

Holger Darnbeck von „Spiegel-Online“ macht sich Sorgen über die richtige Kommunikationsstrategie (oder sollte man sagen: Propagandastrategie?) in Sachen Klima („Stell dir vor, es ist Klimawandel, und keinen interessiert’s“, Artikel vom 18.04.2008). Sollen Klimaexperten nur das sagen,was sie mit Sicherheit wissen, oder sollten sie – selbstverständlich mit den besten Absichten – übertreiben, um die Politik zu schnellerem Handeln anzutreiben?

Darnbeck kommt zum Schluss, dass „Forscher lieber zu viel als zu wenig dramatisieren sollten. Schließlich wird eine zügige Reduktion des CO2-Ausstoßes kaum Schaden anrichten, auch wenn sich hinterher herausstellt, dass sie auch weniger groß hätte ausfallen können. Tut man hingegen zu wenig, und die Auswirkungen des CO2 stellen sich gleichzeitig als schlimmer heraus als bislang angenommen, dann stehen der Erde heiße Jahrzehnte bevor - im Grunde ist es simple Spieltheorie.“ Aber man sollte dabei vorsichtig vorgehen, so sein Rat, denn schließlich warten ja die bösen Skeptiker nur darauf, dass „bewusste Übertreibungen publik werden, um so die gesamte Forschergemeinde zu diskreditieren.“

Dieser Artikel ist in sich schon ein Beispiel für Desinformation. Die Behauptung Darnbecks, eine „zügige“ (gemeint ist: eine übertriebene) Reduktion des CO2-Ausstoßes könne „kaum Schaden anrichten“, wird nicht weiter erhärtet. Dabei ist diese Aussage keineswegs unstrittig, man denke nur an die Einwände des Björn Lomborg. Der Statistiker, der an einen menschengemachten Klimawandel glaubt, kam nach umfangreichen Untersuchungen zum Schluss, dass eine Durchsetzung einer CO2-Reduktion mittels hoher Steuern wie im Kyoto-Protokoll gefordert weitaus teuerer und uneffektiver sei als andere Strategien, wie z.B. die Förderung der Entwicklung umweltschonender Technologien. Lomborg vermittelt den Eindruck, dass ihm die menschliche Wohlfahrt tatsächlich am Herzen liegt. Auf dieser Prämisse kommt er zum Ergebnis, dass andere Probleme, wie beispielsweise die Bekämpfung der Malaria, des Hungers und des Analphabetentums dringender seien als die Verhinderung eines eventuellen Temperaturanstiegs um ein paar Zehntelgrade in hundert Jahren. Während die Verwirklichung des Kyoto-Protokolls mindestens 150 Milliarden US Dollar pro Jahr kosten wird, würde die Finanzierung eines Zugangs zu einer Gesundheitsversorgung, Bildung, Trinkwasser und Abwasserentsorgung laut UNICEF gerade mal die Hälfte davon kosten, hat sein Team vorgerechnet. Im Gegensatz zu Lomborg und anderen Skeptikern produziert Darnbeck hingegen nur heiße Luft und rät: Wenn’s einem mulmig wird, ist es das Beste, die Leute erstmal in Panik zu versetzen.

Es geht hier nicht darum, welche Seite in diesem Streit mehr Recht hat. Da Lomborg ebenfalls staatliche Programme fordert, nur andere als im Vertrag von Kyoto vorgesehene, und da auch er CO2-Steuern fordert, nur nicht so hohe, ist auch er mit Skepsis zu betrachten. (Einen weit besseren Ansatz hat der Ökonom George Reisman: Staatliche Interventionen radikal zurückschrauben und mit dem dann erzielten Wohlstand und geleitetet von den Marktkräften die effizienten Lösungen gegen das Problem „schlechtes Wetter“ finden.) Es geht hier darum, ob hinreichend ehrlich berichtet wird. „Kaum Schaden anrichten“ kann man nicht behaupten, wenn man nicht gleichzeitig darlegt, wie die vielen Millionen Menschen in unterentwickelten Ländern leben sollen, wenn ihnen aufgrund einer künstlichen Verteuerung oder Verknappung von fossilen Brennstoffen das simple Kochen ihrer einzigen Tagesmahlzeit zunehmend erschwert wird, ganz abgesehen von vielen anderen Selbstverständlichkeiten in den Industriestaaten. Die schlampige Behandlung dieses Themas nährt den Verdacht, dass nicht die Wohlfahrt der Menschen im Vordergrund steht, sondern die Durchsetzung eines ideologischen Ziels, nämlich Planwirtschaft, also Sozialismus.

Des weiteren wird nicht „die gesamte Forschergemeinde diskreditiert“, auch nicht von den strengsten Skeptikern, wenn einige Übertreibungen publik werden. Dass sich einzelne Forscher irren können, ist ja wohl nichts neues. Diskreditiert werden allenfalls Forschungsfunktionäre wie der im Bericht erwähnte Vorsitzende der European Geosciences Union, Gerald Ganssen, der offenbar eine symbiotische Beziehung zur Politik und zu den Medien unterhält. Und der darüber vergessen zu haben scheint, das Skeptizismus die allererste Pflicht aller Wissenschaft ist. Wie viele Naturwissenschaftler und Ingenieure versteht er sicherlich sehr viel von seinem Fach. Doch heutzutage kann man auf naturwissenschaftlich-technischem Gebiet nur aufsteigen, wenn man sich auf ein sehr eng begrenztes Forschungsfeld konzentriert. Es herrscht hier also eine Tendenz, den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen. Hier können Hinweise aus anderen Fachgebieten, wie zum Beispiel aus der Statistik und der Ökonomie, hilfreich sein. Nur: Man muss auch zuhören wollen. Und daran hapert es auf einer Seite der Debatte ganz gewaltig.

Was Darnbeck überhaupt nicht anspricht ist die Frage, inwiefern Übertreibungen in der Klimadiskussion die Naturwissenschaft als Institution diskreditieren. Und welche Folgen das haben wird. Menschen wollen sich nicht permanent täuschen lassen. Sie suchen irgendwo einen festen Halt, einen Orientierungsrahmen. Wenn sie den Erklärungen der Naturwissenschaft nicht mehr trauen können, werden sie sich mystischen und okkulten Erklärungen zuwenden. Ein Trend, der schon seit Jahrzehnten anhält und durch die Klimadebatte und der entsprechenden Indoktrination an den Schulen noch beschleunigt wird.

Internet:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,547941,00.html

http://www.lomborg.com/

http://www.capitalism.net/


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