David Schah

Jahrgang 1964, Redaktion eigentümlich frei

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Simbabwe: Die demokratische Inflation

von David Schah

Was Robert Mugabe noch vom Westen lernen kann

In der Woche vor den Wahlen vom 29. März 2008 erreichte die Inflationsrate in Simbabwe hunderttausend Prozent. In der deutschsprachigen Presse wurde die Ursache für diese horrende Geldentwertung zumeist richtig wiedergegeben: Präsident Mugabe ließ immer mehr Banknoten drucken, die er zunächst großzügig unter seinen treuen Anhängern, zuletzt aber auch unter einem immer breiteren Kreis potenzieller Wähler verteilte. Diejenigen, die das Frischgeld zuerst bekamen, mahlten zuerst. Sie deckten sich schnell mit Waren ein, deren Preise ja von Stunde zu Stunde stiegen. Denn die Differenz zwischen der Menge an Geldscheinen und der Menge der damit zu kaufenden Waren wuchs naturgemäß mit jeder Geldmengenerhöhung, was sich jeweils mit kurzer Zeitverzögerung in entsprechend steigenden Marktpreisen für alle Waren widerspiegelte. Die Menschen am Ende des Geldkreislaufes, also Mugabe-Gegner und arme Schlucker, schauten in die Röhre. Von ihrem alten Geld konnten sie sich nicht einmal die nötigsten Lebensmittel leisten, zumal diese von den Frischgeld-Erstbeziehern in weiser Voraussicht auf Vorrat weggekauft wurden. In die Hände rieben sich die Gelddruckfirmen, darunter nach Angaben der „Sunday Times“ auch die deutsche Firma Giesekke & Devrient, die immer größere Papierbanknotenmengen, natürlich zu Weltmarktpreisen, an den Präsidenten mit dem dünnen Adi-Bärtchen lieferten. Inzwischen muss man für eine Rolle Klopapier eine Handvoll ähnlich schwerer Simbabwe-Dollars hinblättern, was die Pfiffigen unter den Wahlbeschenkten bereits dazu animiert, für die Verrichtung lieber direkt das Mugabe-Scheingeld zu benutzen.

Offenbar hat Mugabe die Sache mit dem Gelddrucken etwas übertrieben, denn selbst die Erstbegünstigten des Papiersegens haben nicht allesamt ihr Wahlkreuz an der richtigen Stelle gemacht, so dass der Simbabwe-Führer wohl auf einen altbewährten Despoten-Trick zurückgreifen muss, nämlich die Wahlen für ungültig zu erklären oder so lange nachzuzählen, bis sich das gewünschte Ergebnis einstellt. Der größte Geldesel aller Zeiten hatte die Wirtschaft seines Landes auch vorher schon ruiniert, vor allem indem er die wei- ßen Farmer verjagte. Initiator der erzwungenen Wanderschaft der Landwirtschaftsprofis war der Führer des Verbandes der Unabhängigkeitskriegsveteranen, Chenjerai Hitler Hunzvi (den Mittelnamen legte sich der inzwischen an Aids verstorbene militante Umverteilungs-Fan selbst zu), der die enteigneten Landflächen für die etwa 50.000 Mitglieder seiner Organisation klarmachte. Leider verstanden die Veteranen nicht annähernd so viel von Agrikultur wie von Kampf und Lobby-Arbeit, so dass die Farmen sehr schnell heruntergewirtschaftet wurden und die einstige Kornkammer des südlichen Afrika nun auf ausländische Lebensmittelspenden angewiesen ist.

Nun fragt man sich vielleicht, warum der in der westlichen Presse nicht zu Unrecht als Diktator bezeichnete Mugabe überhaupt Schein-Wahlen abhalten lässt, wenn diese ihm sowieso missraten, so wie ihm auch schon das Schröpfen der Produktivkräfte sowie das Lobby- und das Scheingeldmanagement gründlich misslungen sind. Analysieren wir doch einmal kurz, was unser Schmalspur-Adolf und Turbo-Keynes falsch gemacht hat und wie er stattdessen lieber hätte vorgehen sollen: 1. Statt die Leistungsträger und Wohlstandsschaffer zu vertreiben, hätte er sie bis kurz vor Erreichen der Schmerzgrenze besteuern müssen, um einen stetigen Einnahmenfluss zu generieren. 2. Statt die Geldmenge derart rasant auszuweiten, so dass der Schwindel auch jedem Deppen sofort klar wird, hätte er sie nur maßvoll, vielleicht jährlich um etwa 10 Prozent, erhöhen sollen, so dass er entsprechende Preissteigerungen bequem irgendwelchen obskuren raubtierkapitalistischen Finanzmechanismen oder auch der Gier der Händler und Warenanbieter hätte zuschreiben können. 3. Statt eine kleine Lobbygruppe wie die Veteranen ganz offenkundig zu bevorzugen, hätte er seine kleinen Gaben breiter streuen müssen, so dass eine strukturelle Volksfront-Mehrheit der Umverteilungsgewinnler entstanden wäre, deren Wahlgunst er sich nachhaltig gesichert hätte.

Erst dann klappt’s nämlich auch mit der Demokratie und man muss nicht zu hässlichen Despoten-Mittelchen wie Gewalt und Wahlbetrug greifen. Vom demokratischen Westen lernen heißt eben Siegen lernen.

01. Mai 2008

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