05. Mai 2008

Klima Kurz vor einer neuen Kältephase?

Nichts genaues weiß man nicht, aber die Staaten tun so, als sei alles klar

Vor etwa einem Jahr machte der Dokumentarfilm „The Great Global Warming Swindle“ Furore. In ihm wurde die von der Politik favorisierte Theorie eines von steigender CO2-Konzentration in der Atmosphäre verursachten globalen Temperaturanstiegs stark in Zweifel gezogen. Einer der Punkte in diesem Film von Martin Durkin war der Hinweis, dass es zwar eine Korrelation zwischen Temperaturanstieg und CO2-Anteil in der Atmosphäre gibt, aber dass die Kausalität genau umgekehrt zu sein scheint, als von den „Konsensträgern“ angenommen. Der CO2-Anstieg fand nämlich durchschnittlich 800 Jahre nach dem entsprechenden Temperaturanstieg statt. Seine Hauptaussage war jedoch, dass nicht der Mensch, sondern die Sonne der weit überragende Faktor der Wetterbeeinflussung ist. Schwankungen im Partikelausstoß unseres Zentralgestirns, im sogenannten Sonnenwind, verursachen Schwankungen im Schutz der Erde vor kosmischen Strahlung. Bei niedriger Sonnenaktivität schwächt sich dieses Schild ab, mehr kosmische Partikel dringen zur Erdoberfläche durch, diese erzeugen mehr Wolken, die mehr Sonnenlicht reflektieren. Somit kühlt sich die Erde ab. Das ist die Theorie. Natürlich ist sie heftig umstritten, wie es sich besonders für eine relativ junge naturwissenschaftliche Theorie auch gehört.

Es scheint jetzt, dass wir in den nächsten Monaten und vielleicht Jahren Gelegenheit haben werden, den Wahrheitsgehalt dieser Theorie zu testen. Denn wir stehen am Beginn eines neuen Sonnenfleckenzyklus. Das ist der etwa 11-jährige Rhythmus, in dem die Zahl der Sonnenflecken ziemlich regelmäßig schwankt. Sonnenflecken sind seit der Zeit, als Galileo unser Zentralgestirn erstmals durch ein Fernrohr betrachtete*) unaufhörlich beobachtet worden. Sie sind die sichersten Indikatoren von Schwankungen der Sonnenaktivität (die unter anderem am Auftreten von Polarlichtern messbar ist). Eine hohe Zahl an Sonnenflecken korrelliert mit einem stärkeren solaren Magnetfeld, mit stärkeren Plasmaaustößen unseres Zentralgestirns und mit einem stärkeren Sonnenwind, der uns wiederum, siehe oben, vor den kosmischen Strahlen schützt. Sehr vereinfacht lautet die Theorie also: Viele Sonnenflecken = höhere Durchschnittstemperaturen auf der Erde.

Der Grund, weshalb wir die Theorie jetzt möglicherweise testen können, ist die lange Verzögerung des neuen Zyklus. Seit März letzten Jahres befinden wir uns in einem Zyklus-Minimum. Seither warten Astronomen auf den Beginn des neuen Zyklus. Anfang Januar dieses Jahres erschien ein erster Fleck, der aber nach 2 Tagen schon wieder verschwand. Seitdem hat es einige wenige Flecke gegeben, die jedoch ebenfalls klein waren und bald verschwanden. Der Zyklus kommt nicht so recht in Gang. Ein Phänomen, das der australische Geophysiker Phil Chapman für „beängstigend“ hält. „Das letzte Mal, als ein Zyklus derart verzögert wurde, war im Dalton Minimum, eine besonders kalte Periode, die 1790 begann und mehrere Jahrzehnte andauerte. Die Winter in der nördlichen Hemisphäre waren extrem.“ Die verheerende Niederlage der Grande Armée Napoleons in Russland 1812 sei zumindest teilweise auf den Mangel an Sonnenflecken zurückzuführen.

Es mag Zufall sein oder auch nicht, dass die klimahysterische Presse ausgerechnet in diesen Tagen eine neue Studie durch das globale Dorf jagt, die aufgrund von bisher angeblich nicht beachteten Schwankungen in atlantischen Ozeanströmungen eine zehnjährige „Pause“ im globalen Temperaturanstieg vorhersagt. Pflichtbewusste Kommentatoren ergänzen eilfertig, dass dies keinesfalls zu einer Verlangsamung unserer staatlichen Klimaschutzprogramme führen darf. Was die Medien mal wieder nicht erwähnen ist, dass der Temperaturanstieg schon seit zehn Jahren eine bislang unerklärte Pause macht. Im vergangenen Jahr ist die Temperatur sogar um 0,7 Grad Celsius gesunken, berichtet Chapman, womit wir auf den Stand von 1930 zurückgefallen seien. Aufgrund dieses relativ schnellen Rückgangs schätzt der Wissenschaftler die Gefahr, dass wir uns kurz vor einem neuen jahrzehntelangen Minimum befinden, bei 50-50 ein. Noch ist es zu früh, um mit mehr Bestimmtheit zu sagen, wie sich der kommende Sonnenfleckenzyklus tatsächlich entwickeln wird. Die Nasa hat im Jahr 2006 einen relativ schwachen übernächsten Zyklus vorausgesagt. Nun aber scheint es, dass die Sonne damit schon jetzt begonnen hat.

Es ist klar, dass den Politikern die Theorie menschengemachten Temperaturanstiegs besser ins Konzept passt als eine Theorie der Wetterauswirkungen der Sonnenaktivität. Noch befindet sich die Sonne nicht unter der Kuratel der Staatsmacht, muss sie keinem staatlichen Gesetz gehorchen. Wie schon zu Zeiten Napoleons führt die Machtverliebtheit der Staatsbesoldeten zu gefährlicher Realitätsblindheit. Dabei gibt es durchaus Handlungsbedarf. Die Frage ist nur: Wer soll handeln? Sollten die nächsten Jahrzehnte tatsächlich ungewöhnlich kalt werden, werden dann die Ernten noch ausreichen, um mehr als 6 Milliarden Menschen zu füttern? Werden die Menschen in der nördlichen Hemisphäre die steigenden Heizkosten bezahlen können? Das sind Fragen, die unsere Staaten nicht beantworten und Probleme, die sie nicht lösen können. Also ignorieren sie sie. In einer freien Marktwirtschaft würden sie nicht ignoriert. Einige Investoren würden darauf wetten, dass es kälter wird, und vielleicht die Erforschung der Genmanipulation von Getreide in Richtung Kälteresistenz finanzieren, oder in der Erschließung von Wüsten für den landwirtschaftlichen Anbau. Andere würden auf weiterhin steigende Temperaturen wetten und in kosteneffektivere Klimaanlagen und hitzeresistentes Getreide investieren. Der Markt würde dafür sorgen, dass für alle bekannten Eventualitäten, entsprechend ihrer von den Marktteilnehmern aktuell geschätzten Eintrittswahrscheinlichkeit, gesorgt wäre. Einige Investoren würden bankrott gehen, andere würden sehr reich werden, aber am wesentlichsten ist: Die bestmögliche Versorgung des größtmöglichen Teils der Menschheit wäre gesichert. Staatsbedienstete dagegen tun anmaßend so, als ob sie über das nötige Wissen verfügen und werden lediglich den von ihnen verursachten Mangel auf eine Weise umzuverteilen versuchen, die ihnen die wenigsten Probleme verursacht. Ob die Weltbevölkerung dabei um ein oder zwei oder mehr Milliarden zurückgeht, ist nicht wirklich deren Sorge.

*) Dabei erblindete er fast, also auf keinen Fall nachmachen! Ist auch nicht mehr nötig, ein Fernrohr einzusetzen, denn es gibt Websites, die von Weltraumsonden aufgenommene aktuelle Bilder der Sonne darstellen (siehe Link unten).

Internet:

Phil Chapman in „The Australian“ über den aktuellen Mangel an Sonnenflecken

„Erderwärmung macht zehn Jahre Pause“ in „Spiegel Online“

Langfristige Sonnenfleckenzahlvorhersage der NASA

Aktuelles Bild der Sonne

Friedrich August von Hayek: „Die Anmaßung von Wissen“


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