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![]() Robert Grözinger, Jahrgang 1965, Diplom-Ökonom, ist freier Journalist und Übersetzer. ef-Sucheef-EinkaufspartnerWenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button: |
Bericht aus Bodrum VI: „Freie“ Einwanderung zerstört Freiheitvon Robert Grözinger Folge der Missachtung des "Metamarktes" Peter Brimolows Thema war „Das libertäre Argument gegen freie Einwanderung“. Amerikanern wird beigebracht, dass sie „eine Nation von Einwanderern“ seien. Diese Aussage relativiert der Finanzjournalist Brimolow auf zweierlei Weise: Zum einen sind alle Nationen Einwanderernationen. Die Besonderheit der Nation Amerikas sei die Geschwindigkeit, mit der sie zusammengestellt wurde. „Leider kann sie genauso schnell wieder auseinander fallen. Und genau das passiert derzeit.“ Zum anderen war auch das Land mit der Freiheitsstatue nicht immer offen für Einwanderer. So habe es zwar von 1880 bis 1920 eine große Einwanderungswelle gegeben, dann habe die Gesetzgebung die Barrieren erhöht. Erst um 1970 habe die Einwanderung wieder zugenommen. In der dazwischenliegenden „Phase der Assimilation“ liegt aber mit dem „New Deal“ die Einführung des Umverteilungs- und Sozialstaates. Das hat entscheidende Folgen: Während der letzten Einwanderungswelle seien 40 Prozent nach einiger Zeit wieder in die alte Heimat zurückgekehrt, weil sie gescheitert waren und es in den USA kein staatliches soziales Netz gab, das sie hätte auffangen können. In der neuen Einwanderungswelle dagegen bleiben 90 Prozent für immer. Es sei Konsens unter Ökonomen, so Brimelow, dass die moderne Einwanderung den Einheimischen keine ökonomische Vorteile biete. Das Wirtschaftswachstum komme vollständig den Einwanderern zugute. In Wahrheit haben wir keine „freie“ Einwanderung, so Brimolow, sondern eine „sehr aufdringliche und komplexe Regierungspolitik“. Folglich sei Passivität gegenüber der Einwanderung, wie sie derzeit stattfindet, keine libertäre Option, sondern eine etatistische. Die Reduktion oder Abschaffung des Sozialstaates und anderer staatlicher Transferleistungen (wie staatliche Bildungseinrichtungen) und Zwangsumverteilungen (wie Verpflichtung zur Krankenversorgung) werde sehr viel länger brauchen als die Einschränkung der Einwanderung. Währenddessen werden Freiheiten eingeschränkt, in Form von positiver Diskriminierung und Bestrafung staatlich unerwünschter Meinungen über ethnische Minderheiten. In Anlehnung an die berühmte Aussage von Randall Bourne, dass sich der Staat am Krieg gesundstößt („war is the health of the state“) behauptet Brimolow, dass die gegenwärtige Einwanderung „das Viagra des Staates“ ist. Sie hat den Staat wiederbelebt, der sonst aufgrund des Zusammenbruchs des Sozialismus und des Triumphs des klassischen Liberalismus seine Macht verlieren würde. Zum Schluss betont Brimolow, dass Libertäre die Bedeutung des „Metamarktes“ erkennen sollten, nämlich die institutionellen Rahmenbedingungen, ohne die Märkte nicht funktionieren können. Das seien zum einen die Sicherung der Eigentumsrechte, zum anderen aber auch „ein gewisser Grad an kultureller Kohärenz“. Die Politik in den USA und im Westen insgesamt zerstöre diese Kohärenz, indem sie Einwanderergruppen importiert, deren kulturelle Traditionen weit auseinander klaffen. Libertäre Philosophie, so kritisiert Brimolow, „ist allzu oft eine unvollständige Philosophie". Die „nicht-atomistischen Aspekte der menschlichen Erfahrung, der menschlichen Gruppen, ihrer Dynamik und Unterschiede“ werde von ihr zu wenig oder gar nicht beachtet. Es sei zum Beispiel kein Zufall, dass in den Romanen Ayn Rands Familien im Grunde nicht vorkommen. Besonders unter extremen Bedingungen aber bedeute nationale Identität den Menschen sehr viel. Internet: Peter Brimolows Webseite 24. Mai 2008 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. 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Selbst wenn es vorkommt, dass für einzelne Bevölkerungsgruppen ein kleiner temporärer Nachteil entsteht (meist für die unteren Arbeitsschichten, die dann Konkurrenz bekommen), ist der Nutzen langfristig positiv. (und es gibt andere Studien, die besagen das selbst Niedriglohngruppen davon profitieren, denn diese können meist die native Sprache und kennen die Gepflogenheiten, sodass sie insgesamt im sozialen Rang *aufsteigen*). Das ist wie mit der Globalisierung - gegen die wettert doch auch kein Libertärer. ;) Anmelden oder Registrieren, um Kommentare schreiben zu können |
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chrisv, am 25. Mai 2008 um 13:03 ( Link )
Diese Behauptung macht nur Sinn, wenn Einwanderung in die Sozialsysteme und Einwanderung mit anschliessender Erwerbstätigkeit undifferenziert in einen Topf geworfen werden. Schliesslich wandern selbst in Deutschland nicht ausschliesslich zukünftige Sozialhilfeempfänger ein, sondern auch eine nicht geringe Zahl Arbeitnehmer, z.B. Fachkräfte im medizinischen Bereich oder in der IT-Branche.
Bei letzteren kann man mit grosser Sicherheit annehmen, dass sie sehr wohl ökonomische Vorteile bieten, ansonsten stellt sich ja die Frage, was in aller Welt denn denjenigen treibt, der diese Leute anstellt (wenn ihm das keine ökonomischen Vorteile bieten würde).
Es kann zwar gut möglich sein, dass die durch Einwanderung in die Sozialsysteme verursachten Kosten den durch die produktiven Einwanderer erwirtschafteten Nutzen übersteigen, allerdings ist dies wohl kaum der Einwanderung als solcher anzulasten, sondern vielmehr ein eindeutig durch die Existenz bzw. Ausgestaltung des Sozialsystems bedingtes Problem. Und vor allem eines, das nicht zu lösen ist, indem man die Einwanderung stoppt - im Gegenteil, dadurch würden die Probleme sogar noch verschlimmert, denn es gibt einige Branchen, die ohne ausländische Fachkräfte kaum mehr existenzfähig wären, einfach weil das Personal fehlt.
Das erinnert an den alten Witz, bei dem ein Betrunkener seinen verlorenen Schlüssel unter der Laterne sucht, weil man dort schliesslich besser sieht - nur weil etwas einfach zu implementieren und ggf. populär ist, muss es ja noch lange kein Problem lösen (eine Reichensteuer wäre ebenfalls einfach zu implementieren und sicher auch in gewissen Kreisen populär).
Anstatt sich über vermeintliche Mängel in libertärer Philosophie auszulassen, wären konkrete Vorschläge zur Differenzierung zwischen produktiver und unproduktiver Einwanderung bzw. zur Reduktion der letzteren sicher hilfreicher gewesen - dass Verbesserungen in diesem Bereich bitter nötig sind, ist ja völlig unbestritten. Mit zweifelhaften Anbiederungen an kollektivistische Denkmuster ("nationale Identität") leistet man dazu jedoch keinen Beitrag.