24. Juni 2008

Satire Liechtenstein, ein Lösungsversuch

Ein luftiges Szenario

Wanderer, kommst du nach Liechtenstein, tritt nicht daneben, tritt mitten rein, sangen einst Insterburg & Co. Um mir ein Bild von der Lage zu machen, bin ich selbst nach Liechtenstein gereist. Schließlich hatte die Wut ein unerträgliches Maß angenommen angesichts der Anmaßungen und Frechheiten, die sich die liechtensteinische Staatsmacht unserem Deutschland gegenüber erlaubt hat.

Nachdem ich in Lindau den Tank meines Wagens noch mit deutsch-versteuertem Benzin aufgefüllt hatte, fuhr ich hinter Feldkirch über die liechtensteinische Grenze. Der erste Eindruck: Sauberkeit, wohin man auch schaut! Dies ist ein Ergebnis der erfolgreichen Abwerbung unseres qualifizierten Reinigungspersonals.

Vaduz wird überragt von der Burg; die Kanonen sind seit Jahrhunderten nach unten auf die Bürgerstadt gerichtet – auf diese Weise sichert sich das Fürstenhaus die Herrschaft. Der Reichtum, der sich angehäuft hat, muss so immens sein, dass ein großer, runder, donjonhafter Anbau an die Burg erforderlich wurde; er steht kurz vor der Vollendung.

Beim Blick von der Burg über das Land wird mir klar, wie wichtig für unseren Staat die Aufnahme in den UN-Sicherheitsrat ist: Wie leicht ließen sich notwendige Änderungen und Reformen durchsetzen. So sollte z.B. der Rhein zwischen dem Bodensee und Chur in der Flußmitte zum internationalen Gewässer erklärt werden; ein ca. 15 Meter breiter Streifen würde genügen. Auf diese Weise könnte die Deutsche Bodensee Marine (DBM) bis Liechtenstein vordringen, ohne die Souveränität der Schweiz oder Österreichs zu verletzen. Folgendes Szenario ergibt sich daraus stringent: Die gesamte Deutsche Bodensee Marine fährt im Geleitzug rheinaufwärts, das notwendige militärische, diplomatische und politische Personal an Bord. Sobald Vaduz in die Reichweite unserer Kanonen gerät, werden die Schiffe in der Rheinmitte verankert und die Kanonen auf die Burg gerichtet. Mit Gegenwehr ist nicht zu rechnen, da das Militär abgeschafft ist und die Landespolizei mit dem Schutz der Steuerflüchtlinge voll beschäftigt ist.

Der Fürstlich-Liechtensteinischen Regierung wird nun durch eine Friedesdelegation der Entwurf eines Staatsvertrages überreicht, der allerdings ohne Abstriche zu unterschreiben ist (wozu sonst die Kanonen?). Die Friedensdelegation besteht aus Hans Eichel und Peer Steinbrück. Sie tragen weiße Anzüge und schwenken in der rechten Hand den deutschen Friedenswimpel: weißer Adler auf weißem Grund. Die politische Verantwortung über die zurückbleibenden Kanonenboote ist Oskar Lafontaine zu übertragen – der ist froh, wenn er mal am Drücker ist.

Der Staatsvertrag hat folgenden Wortlaut:

1. Bis zur Unterzeichnung dieses Vertrages verfällt das Fürstentum Liechtenstein in Reichsacht.

2. Fürst Hans-Adam II stellt seinen Deutschen Schäferhund als Geisel zur Verfügung.

3. Das Fürstentum übernimmt die deutsche Steuergesetzgebung ohne Abstriche. Steuervergesslichkeit wird zu Steuerbetrug. Stiftungen nach liechtensteinischem Recht sind weiterhin erlaubt und erwünscht. Der Adressat dieser Stiftungen ist ab sofort ausschließlich der deutsche Fiskus.

4. Alle Banken des Liechtensteinischen Bankenverbandes fusionieren mit der West-LB, der Sachsen-LB, der Bayern-LB und der IKB zu einer neuen europäischen Großbank. Liechtenstein erhält maximale Minderheitenrechte: 50 Prozent minus einer Aktie. Die Ernennung von Frau Matthäus-Maier zur Vorsitzenden auf Lebenszeit wird anerkannt.

5. Der Staatshaushalt des Fürstentums Liechtenstein wird fürderhin vom Deutschen Finanzministerium  treuhänderisch verwaltet. Über die Ausgaben geben die deutschen Behörden dem Fürstentum einen jährlichen Bericht; die Einnahmen bleiben deutsches Staatsgeheimnis.

6. Die Währungsunion mit der Schweiz wird gekündigt, der Euro eingeführt. Der Umtauschkurs wird in Berlin bekanntgegeben. Die Bürger Liechtensteins erhalten pro Kopf 100 Euro Begrüßungsgeld.

7. Der Neubau an der Burg wird auf 99 Jahre dem BND verpachtet. Von hier aus wird künftig das liechtensteinische Bankgeheimnis garantiert und die Liechtensteinische Finanzmarktaufsicht beaufsichtigt.

8. Liechtenstein unterstützt in Zukunft bei der UN die Aufnahmebemühungen Deutschlands in den UN-Sicherheitsrat.

Im Angesicht der deutschen Flottenmacht dürfte es nicht schwer sein für Eichel und Steinbrück, die Unterschrift des Monarchen unter diesen Vertrag zu erhalten. Schließlich ist er dann die ganze Verantwortung los und kann sich in Zukunft seinem Hobby als Grüß-August widmen.

Nach Rückkehr der Friedensdelegation mit dem unterschriebenen Staatsvertrag auf das deutsche Kanonenboot werden die Kanonen von der Burg abgedreht und senkrecht in den Himmel gerichtet: Zum Dank gibt es 23 Salutschüsse:  einen Schuss pro westlichem Bundesland, zwei Schüsse pro östlichem Bundesland. Für Berlin wird drei mal geschossen.


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Autor

Rüdiger Ohl

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