07. Juli 2008

Brachialessay Streifzug durch die politischen Abgründe

Oder: Merkel und die Düse

Angela Merkel hat Presseberichten zufolge einen Grillabend für George Walker Bush in Stralsund arrangiert, der mit 20 Millionen Euro zu Buche geschlagen haben soll – nicht bei ihr, sondern im Etat des Bundes und des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Sie verbrachte auf Kosten des Steuerzahlers eine gemütliche Zeit in China, traf Angehörige der kommunistischen Regierung, um unter anderem ihre Gedanken zu Menschenrechten vorzutragen. Die freundliche Aufnahme ihrer Gedichte mit viel Lächeln und Kopfnicken ist umfangreich dokumentiert. Sogar ihre Kühnheit, in arabischen Ländern Prinzen und Fürsten mit ausgestrecktem Arm zum Händeschütteln aufzufordern wurde dort diplomatisch aufgenommen. Ihr Minister Steinbrück brüstet sich öffentlich als Hehler, nachdem es ihm gelungen ist, den Kauf von Raubkopien liechtensteinischer Bankdaten in die Tat umzusetzen. Ihr als Verfassungsfeind bekannter Minister Schäuble besucht gerne als Ehrengast Fußballturniere, bei denen die Eintrittskarten ansonsten recht rar sind.

Die Liste ist lang. Der Vater von Steffi Graf hingegen musste ins Gefängnis, weil er das Geld seiner Tochter dem Zugriff der Schmarotzer entziehen wollte. Wir haben also zwei Seiten: Die „Schweine“, wie Orwell sie präsentiert, und die Leistungsträger.

Das Gebaren der Möchtegern-Elite aus der Zone, den Vorstädten, der rechtsradikalen Szene und dem von Marx so genannten Lumpenproletariat macht mir eigentlich Spaß: So will man es doch haben! Als Christ habe ich natürlich Mitleid mit den Ungebildeten und Zurückgebliebenen, selbst wenn sie fast täglich irgendwelche Straftaten begehen.

Klar, man wundert sich, dass sie alle auf freiem Fuß sind beziehungsweise auf rollenden Rädern. Aber die Peinlichkeiten, wenn etwa Merkel mit gespreizten Beinen bei öffentlichen Veranstaltungen herumsitzt, wird von Menschen aus befreundeten Nationen ja locker übergangen. Sie zeigen nicht mit dem Finger auf einen, wenn man mal im Ausland unterwegs ist. Wohl auch, weil alle ihre eigenen Schwerenöter haben. Man muss nur neidvoll anerkennen, dass die stilvoller sind. Ob Sarkozy, Putin oder Berlusconi. Zumal der Haufen auf ganz andere Art dafür sorgt, dass die Düse bereitsteht, wenn mal wieder ein bisschen Vergnügungslust aufkommt.


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Autor

Werner Habermehl

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