09. Juli 2008

Liebesfeiertag II. Eine Frage bleibt

Politisch unkorrekt in Ost und West

Wir haben nüchtern an einem aktuellen Beispiel festgestellt, dass es kulturelle Unterschiede zwischen Ost- und Westeuropa gibt – dort der neue Feiertag der Familie, Liebe und Treue, hier der moderne Christopher Street Day. Beide Festivitäten werden offenbar politisch instrumentalisiert. Beide Festtage sind aber auch in ihrer Selbstverständlichkeit und in ihrem Ausmaß im jeweils anderen Teil Europas heute undenkbar. Mehr noch, eine Kritik am „eigenen Feiertag“ wird hier wie dort weder von den Wächtern des jeweils Korrekten, noch von den Massen geduldet. Wer es nicht glaubt, der versuche einmal eine Schwulenparade in Moskau oder eine rechtskonservative Veranstaltung in Frankfurt am Main zu organisieren. Als Teufel oder Nazi kann er dann froh sein, wenn er wenigstens körperlich unverletzt bleibt.

Dort, wo „traditionelle Werte“ im Volk geschätzt werden, treten auch Politiker für Treue und Familie ein. Dort, wo die überwiegende Mehrheit einen „modernen Lebensstil“ mit augenzwinkerndem „One-Night-Stand“ und ernst gemeinter Lebensabschnittspartnerschaft längst breit „akzeptiert“ hat, werden von Politikern „Toleranz“ und Ganztagskrippen propagiert.

Traditionell religiöse wie „pici“-pseudoreligiöse Gesellschaften haben jeweils ihre eigenen Riten und Feiertage, ihre eigenen Allmächtigen und Heiligen, ihre eigenen Teufel und Unberührbaren, ihre eigenen sehr bestimmten Vorstellungen von Gut und Böse. Pharisäer gibt es hier wie dort, vor allem in der Politik: Die im Westen „Antirassismus“, „Antisexismus“ und „Toleranz“ am lautesten propagieren, sind im Kern besonders rassistisch, sexistisch und hasserfüllt intolerant.

Strukturell überwiegen also die Gemeinsamkeiten. Inhaltlich bleibt die spannende Frage, ob (mindestens) eine der beiden Gesellschaftsformen langfristig lebensfähig ist.

Internet

Liebesfeiertag I.


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Kaspar Rosenbaum

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