Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

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Klimapolitik: Was ist Öko-Nihilismus?

von Edgar L. Gärtner

Deutschland als Treibhausgasvorreiter

Ich glaube, ich habe einen Fehler gemacht, als ich meinem letzten Buch auf Anraten meines Verlegers den Titel „Öko-Nihilismus“ gab. Zwar gehe ich nicht davon aus, dass das Buch mit einem griffigeren Titel zum Bestseller geworden wäre. Aber etliche Anfragen und unqualifizierte Angriffe wären mir wohl doch erspart geblieben. Jetzt hat mir Erik Lehnert in der Nummer 25 der national-konservativen Zeitschrift „Sezession“ gar vorgeworfen, den Begriff „Nihilismus“ nirgends klar definiert zu haben. Ich gebe zu, dass ich das pejorative politisch-philosophische Schlagwort, anstelle des verständlicheren Arbeitstitels, auch deshalb auf das Cover gesetzt habe, um von der akademischen Welt, der ich nicht angehöre, ernst genommen zu werden. Das ist mir auch in Ansätzen gelungen. Dabei war mir durchaus bewusst, dass der Begriff mit ganz unterschiedlicher Bedeutung verwendet wird. Oft ist damit die atheistische Verneinung jeglichen Lebenssinns gemeint. Deshalb zitiere ich wiederholt die Definition des nun schon vor fast einem halben Jahrhundert umgekommenen französischen Literaturnobelpreisträgers Albert Camus, der ich mich anschließe: „Der Nihilist glaubt nicht an nichts, sondern nicht an das, was ist.“ Camus wiederum bezieht sich damit auf Friedrich Nietzsche, für den „Nihilismus“ im Grunde nichts anderes als eine vornehme Umschreibung der Dummheit war.

Als Nihilismus bezeichnete Nietzsche den schillernden Übergangszustand zwischen einem pervertierten, weil lebensfeindlichen Christentum und dem Glauben an den Übermenschen. Ihm war bereits aufgefallen, dass Menschen, die das Leben verneinen, alles Mögliche glauben und zu schwächlichen Opportunisten werden. Nietzsche nannte die Haltung der Gutmenschen Sklavenmoral. „Überall, wo die Sklaven-Moral zum Übergewicht kommt, zeigt die Sprache eine Neigung, die Worte ‘gut’ und ‘dumm’ einander anzunähern”, schrieb Nietzsche in „Jenseits von Gut und Böse“. Diese Dummheit hat wenig mit dem IQ zu tun, dafür aber umso mehr mit krankhafter Religiosität, mit dem Glauben, es gebe etwas Wichtigeres als das wirkliche Leben in Freiheit und Würde.

Oft setzen Nihilisten alles daran, etwas wirklich oder scheinbar Gutes zu erreichen, achten dabei aber nicht auf dessen Preis. Dieser kann unverhältnismäßig hoch sein. Das ist eindeutig der Fall, wenn des vermeintlich Guten wegen nicht nur Freiheit und Menschenwürde, sondern unter Umständen sogar Millionen von Menschenleben geopfert werden, was im 20.Jahrhundert leider wiederholt vorkam. Nihilismus wurde und wird noch heute auch zur physischen „Negation des Lebens“.

Die aktuell gefährlichste Form von Nihilismus beziehungsweise gutmenschlicher Dummheit sehe ich im „Klimaschutz“, weil dieser alles auf eine Karte setzt. Um das Ziel einer 20-prozentigen Reduktion des „Treibhausgases“ Kohlenstoffdioxid (CO2) bis zum Jahre 2020 zu erreichen und damit eine „Vorreiterrolle“ im Kampf gegen den als bedrohlich dargestellten Klimawandel spielen zu können, müssen nach den von der deutschen Bundesregierung im August 2007 im Schloss Meseberg getroffenen Beschlüssen schätzungsweise 500 Milliarden Euro investiert werden. Die EU-Kommission hat das Meseberger Programm einer 20-prozentigen CO2-Reduktion bis 2020 im Januar 2008 für die ganze EU verbindlich gemacht. Dessen Gesamtkosten, so es denn umgesetzt wird, gehen also in die Billionen. Diesen Rieseninvestitionen stünde mit Sicherheit kein messbarer Einfluss auf die Durchschnittstemperatur der Erde gegenüber. Denn Deutschlands Beitrag zu den globalen CO2-Emissionen wird nach „offiziellen“ Projektionen im Jahre 2020 nur noch 1,6 und im Jahre 2030 gerade noch 1,2 Prozent ausmachen, während China allein über ein Viertel beisteuern würde. Welchem Schicksal „Vorreiter“ entgegengehen, sollten die Deutschen eigentlich aus der Geschichte gelernt haben. Man denke nur an die Schlacht von Tanneberg in Ostpreußen.

11. August 2008

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