Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

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Marcel Leroux : Zu früher Tod eines freien Mannes

von Edgar L. Gärtner

Nachruf auf einen großen „Klimaskeptiker“

Heute am 13. August 2008 ist der französische Klimatologe Prof. Marcel Leroux, kaum emeritiert, in einem Marseiller Hospital von uns gegangen. Dass er nach der Entfernung einer Niere im Spätherbst des letzten Jahres auf einmal mit Metastasen zu kämpfen hatte, die in seinem Körper herumkreisten, war mir durchaus bekannt. Ich hatte darüber vor gut einer Woche noch mit seiner zweiten Frau Colette gesprochen. Doch während ich noch dabei war, einen Besuch am Krankenbett vorzubereiten, ereilte mich die Nachricht von seinem plötzlichen Ableben. Noch unter Schock schreibe ich diese Zeilen.

Ich kannte Marcel noch gar nicht so lange. Vor gut zwei Jahren saß ich unter den Arkaden meiner Ferienresidenz in der Nähe einer anderen südfranzösischen Hafenstadt und las mit großem Interesse sein letztes großes Werk „Global Warming. Myth or Reality“ (Springer-Verlag, Heidelberg 2005). Dessen Autor war mir bis dahin nur durch Zeitschriftenveröffentlichungen bekannt. Das Impressum des dicken Buches etwas eingehender studierend stellte ich fest, dass sein mutiger Autor gar nicht so weit von mir hinter der Sainte Victoire, dem Hausberg von Aix en Provence, bekannter als Lieblingsobjekt des genial schlechten Malers Paul Cezanne, lebte. Also: Nichts wie hin! Nach zwei, drei Stunden Plausch über Gott und die Welt waren wir schon Freunde. Wobei man noch wissen muss, dass es bei Marcel keinen Alkohol, sondern nur verdünnten Orangensaft gab.

Marcel war nicht der Typ des geselligen Südfranzosen, der einen nach einigen Gläsern Pastis umarmt. Vielmehr war er Bretone, eher klein von Gestalt, aber drahtig. Er stammte aus einer Familie, deren Angehörige sich über Jahrhunderte als Fischer oder Seefahrer durchgeschlagen hatten. Denn der dünne und saure Granitboden der Bretagne konnte nicht viele Mäuler füttern. Seinen Vater, der, nun bald 100 Jahre alt, noch immer lebt, hatte es als Offizier der französischen Kriegsmarine nach Tunis verschlagen. Dort wurde Marcel geboren. Neben der französischen Sprache blieb ihm auch das Arabische bis zu seinem Lebensende geläufig. Das half ihm ungemein in seinem Werdegang als Klimaforscher. Denn obwohl von Kindesbeinen an passionierter Skipper, fühlte er sich am wohlsten ganz allein unter dem Sternenzelt der Sahara. Das war für ihn, wie er mir immer wieder versicherte, der Inbegriff von Freiheit.

So war es alles andere als zufällig, dass Marcel bald in der Erforschung des Wetters und der längerfristigen Klimaentwicklung Afrikas seine Lebensaufgabe fand. Denn er musste schon während seines Studiums an der Universität Dakar im Senegal feststellen, dass es über das Klima des schwarzen Kontinents keine brauchbare Synthese gab. Für seine Habilitationsarbeit (Thèse d’Etat) reiste Marcel zehn Jahre lang kreuz und quer durch Afrika, um die in ehemaligen Kolonialverwaltungen unter mehr oder weniger dicken Staubschichten vor sich hin gammelnden alten Wetteraufzeichnungen auszuwerten. Oft bedurfte es seiner ganzen Überredungsgabe beziehungsweise Bakschisch in harter Währung, um an die historischen Daten heranzukommen. Leroux entdeckte dabei, dass das Wettergeschehen im tropischen Afrika stark von atmosphärischen Vorgängen an den Polen bestimmt wurde. Bis dahin dachten die Wetter- und Klimaforscher, es sei eher umgekehrt. Am Ende seiner entbehrungsreichen, aber auch faszinierenden Fleißarbeit stand ein zweibändiger Atlas der Klimageschichte Afrikas, der von der World Meteorological Organisation in Genf herausgegeben wurde.

Nach weiteren Jahren an der Universität von Dakar bekam Marcel Leroux schließlich eine ordentliche Professur an der Universität Jean Moulin in Lyon und wurde Direktor des Instituts für Klimatologie, natürliche Risiken und Umwelt. In Lyon spezialisierte sich Leroux auf die Auswertung von Satelliten-Fotos, die bei seiner Arbeit in Afrika leider noch nicht zur Verfügung standen. Er stellte dabei fest, dass als treibende Kräfte des Wettergeschehens weniger Tiefdruckgebiete in Frage kamen, wie die klassische (synoptische) Meterologie annimmt, sondern vielmehr flache Kaltluftlinsen mit hohem Druck, die in der Nähe der Pole entstehen und dann Richtung Äquator ziehen. Die dabei verdrängte wärmere Luft bildet Tiefdruckwirbel, die uns schlechtes Wetter bringen. Leroux taufte die Kaltluftlinsen und die sie begleitenden Tiefdruckwirbel „Mobile Polar High“ (MPH). Er war überzeugt davon, dass diese selbst dem ungeübten Betrachter von Satellitenfotos ins Auge springenden Gebilde unser Verständnis der Wetterabläufe revolutionieren werden.

Aus der langjährigen Beobachtung der Häufigkeit von MPH schloss er, dass die Erdatmosphäre dabei ist, sich allmählich abzukühlen. Für die hysterischen Warnungen vor einer Überhitzung unseres Planeten infolge der Verstärkung eines (nicht messbaren!) „Treibhauseffektes“ durch den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid hatte er nur Spott übrig. Damit machte er sich in den Augen der Pariser Bürokraten und der ihnen hörigen Massenmedien zum wissenschaftlichen Außenseiter, was ihn aber nicht weiter störte. Immerhin fand er sich in guter Gesellschaft mit dem führenden französischen Geophysiker Claude Allègre, der einige Jahre lang unter dem sozialistischen Premierminister Lionel Jospin das undankbare Amt des Erziehungs- und Forschungsministers übernommen hatte. Wie sein Freund Allègre ging Leroux auf Distanz zur sozialistischen Partei, als es in den letzten Jahren immer deutlicher wurde, dass diese unheilbar vom Virus des Nihilismus infiziert war. Leroux war sich sicher, seine Theorie der Klimaentwicklung werde sich durchsetzen, sobald die Vertreter der offiziellen Lehrmeinung einmal abgetreten seien. Er konnte nicht ahnen, dass er vor seinen Widersachern begraben werden würde.

13. August 2008

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