14. August 2008

SPD Die Lage der Partei ist hoffnungslos, aber nicht ernst

Über die sozialdemokratische Kultur

Immerhin wusste das schon Nietzsche, obwohl er noch gar keine richtigen Sozis kennengelernt hatte, aber in den „Sozialisten“, den „sozialistischen Rattenfängern“ (Morgenröte, Kap. 207) – völlig zu Recht übrigens – die Feinde der „Zonen der Kultur“, der Kultur als „Verfeinerung“, als „Feinheit und Divination“ erkannte. Und der Spätnietzscheaner Albrecht Fabri setzte gar noch eins drauf: „Geist ist nicht sozial“ und natürlich auch nicht „für alle“ da. Fehlt nur noch Karl Kraus mit seiner „Verderbtheit der sozialdemokratischen Kunstpolitik“ (Die Fackel, 1929).

Das wiederum kollidiert nun geradezu aufs Schönst mit der „möglichst umfassenden Kulturversorgung“, die uns die SPD in ihren Wahlprüfsteinen immer wieder gerne präsentiert und angedeihen lassen möchte. Um sich dann mit Kulturträgern und Geistesgrößen wie Burkhard Driest, Udo Lindenberg, Peter Maffay, Sabrina Setlur, und Klaus Staeck zu umgeben. Und das auch noch unter der Parole „500mal Ganztagsschule“.

SPD und Kultur, das war halt schon immer eine „besonders prächtige Dreamteam-Alliance“ (Eckhard Henscheid), und daran wird sich auch in Zukunft wohl kaum etwas ändern. Doch geht es aktuell wohl eher um den (inzwischen wohl abgewendeten) Parteiausschluss des ehemaligen Wirtschaftsministers Clement, einem speziellen Liebling Schröders, den dieser auch sogleich, nachdem Clement NRW ziemlich ruiniert hatte, in seine Mannschaft holte. Was es mit sozialdemokratischer Solidarität so auf sich hat, erfuhr dann im Hessenwahlkampf Andrea Ypsilanti, als ihr „Parteifreund“ Clement den Hessen dringend von ihrer Wahl abriet.

Logisch ist das parteischädigendes Verhalten, und so was wird nun mal nicht nur in der SPD üblicherweise mit Rausschmiss geahndet. Doch so kurz vor den Bayernwahlen könnte ein solcher Schritt vielleicht ins Auge gehen, also plädieren die Parteigranden für gegenseitige Abrüstung. Was den amtierenden Weltmeister des Dummschwätzens, Wolfgang Thierse, dann auch bewog, mal wieder seine speziell von ihm erfundene „Entfeindungskultur“ ins Spiel zu bringen. Bislang jedoch – obwohl von Generalsekretär Hubertus Heil, einem weiteren Glanzlicht der Partei, forsch unterstützt – relativ erfolglos.

Doch bergab ging es mit der SPD eigentlich schon zu unserer Juso-Zeit Anfang der siebziger Jahre, als auf den wackeren und klugen Karsten Voigt, einen linken Anti-Kommunisten und Atlantiker, Heidemarie Wieczorek-Zeul („Sag doch einfach Heidi zu mir!“) folgte, und das Niveau bedenklich in den Keller ging.

„Diese Partei ist nicht in Ordnung!“ dekretierte Rainer Barzel einst bei einer Bundestagsdebatte mit Blick auf die SPD, obwohl er von der alten Nietzscheschen Unvereinbarkeit von Kultur und Sozialismus garantiert noch nie was gehört hatte. Aber wie auch immer: Auf dieser „Partei der strukturellen Mehrheitsfähigkeit“ (Schröder) – da ruht kein Segen. Ob mit oder ohne Clement.  

Information

Dieser Artikel erschien zuerst in der zweimal im Monat erscheinenden Zeitschrift "Gegengift", Ausgabe vom 15. August 2008.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Autor

Werner Olles

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige