02. September 2008

Sarah Palin Das tragische Ende ihrer Karriere

Über die zukünftige Apologetin John McCains

Die hektische Reaktion der Mittelschicht des ganzen Landes auf Sarah Palin ist, soweit ich mich erinnern kann, ohne Beispiel. Besonders die Reaktion der Frauen ist dabei völlig verständlich. Vom komplexbelasteten, von Missgunst gegen die Welt beladenen Modell von Frauen des öffentlichen Lebens, das uns jahrelang entgegengehalten wurde und das von der kampflustigen und unerträglichen Person Hillary Clintons verkörpert wurde, stellt sie einen sehr willkommenen kulturellen Bruch dar.

Sarah ist dagegen sowohl attraktiv als auch beruflich erfolgreich, eine Ehefrau und Mutter und eine natürliche Politikerin, sowohl religiös als auch säkular, sowohl feminin als auch furchtlos bei Tätigkeiten, wie die Jagd, die üblicherweise mit Männern in Verbindung gebracht werden. Sie bietet uns ein anderes Modell einer Frau, die sich nicht durch Einschüchterungen und aggressiven Wiedergutmachungsforderungen auszeichnet, sondern durch ihre eigenen Leistungen, Reize und Intelligenz.

Hinzu kommt, dass ihre politische Vision, soweit wir sie bisher erkennen konnten, viel empfehlenswertes beinhaltet. Es ist hier ein libertärer Impuls vorhanden. Sie hat die Nebenverdienste des öffentlichen Lebens zugunsten des gesunden Menschenverstandes abgelehnt. Sie ist wirtschaftsfreundlich, aber eine Gegnerin von Sonderprivilegien. Sie hat Ron Paul gelobt und die Parteimentalität der Stammwähler der Republikaner abgelehnt.

Vielen Menschen scheint sie eine glänzende Wahl McCains zu sein, und dem würde ich zustimmen. Sozialkonservative haben McCain sämtliche seiner Abweichungen vergeben. Viele Menschen, die noch letzte Woche keinen Pfifferling darauf gaben, ob er gewinnt oder verliert, sind völlig vereinnahmt worden. Sie wird im Wahlkampf natürlich ein riesiges Ausmaß an Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Der Vorwurf gegen sie, dass es ihr an „Erfahrung“ mangelt, ist einer der größten Täuschungsmanöver da draußen. Erstens weist die Geschichte der Vizepräsidenten eine lange Liste von Menschen auf, die sehr wenig dessen hatten, was heute als „Erfahrung“ gilt. Und im Gegensatz zu dem, was die Medienexperten sagen, sind die politischen Werte, die man hat, weit wichtiger als Erfahrung.

Das Verlangen nach Erfahrung scheint zu bedeuten, dass wir irgendwie soziale und globale Manager für die öffentlichen Ämter suchen, und das ist offenkundig nicht, was wir wollen. In einer wirklich liberalen Gesellschaft könnte das Exekutivamt im Weißen Haus von irgendwem besetzt werden – oder von keinem.

Nun beginnt der traurige Teil. Die erste Aufgabe eines jeden, der für die Regierung arbeitet – und das ist die Aufgabe des Vizepräsidenten – ist es, die Regierungslinie wiederzugeben. Die Leute halten das für vernünftig. Es ist in Wirklichkeit ein Fall der beruflichen Loyalität. Wenn Sie für Burger King arbeiten, sind Sie verpflichtet, deren Hamburger nicht öffentlich zu kritisieren.

Aber in der Regierung nimmt diese Berufsvoraussetzung eine andere Form an. Wenn ein anständiger Mensch einen Job wie den des Vizepräsidenten annimmt, ist unsere erste Reaktion das Feiern der Tatsache, dass gute Menschen in einer mächtigen und einflussreichen Position sind. Das ist es, worauf die McCain-Wahlkämpfer zählen. Aber es ist eine Illusion. Der Einfluss läuft in die genau entgegengesetzte Richtung. Gute Menschen werden Teil der Parteimaschinerie. Und geben dann, um zu überleben, alle ihre Prinzipien auf.

Wir sprechen hier vom Leviathan-Staat, der von einer Lüge lebt. Um Teil dessen zu sein, muss man Teil der Lüge werden. Es ist vielleicht möglich, Gouverneur eines kleinen Staates wie Alaska und nicht Teil der Maschine zu sein. Es ist nicht möglich, Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu sein und nicht die höchst unmoralische Arena zu betreten, die das Begraben sämtlicher Prinzipien wertschätzt und in der alles gesagt und getan wird, was nötig ist, um die Macht auszubauen.

Teil des Zwecks von Wahlkämpfen ist, Kandidaten in diese Form einzupassen. Sarah wird Prügel beziehen, wenn sie der Politik McCains öffentlich widerspricht. Wenn sie die Wahl gewinnen, wird sie sofort verpflichtet werden, für all das, was die Regierung tut, die Rolle der Apologetin zu übernehmen.

In gewisser Weise ist das die Fortsetzung eines schrecklichen Trends der Bush-Jahre. Viele gute junge Leute mit konservativem Hintergrund, mit ausgezeichneter Ausbildung und anständigen politischen Werten haben unter Bush einen Job unter dem Eindruck angenommen, etwas bewirken zu können. Im Ergebnis gab es einen Wandel. Aber es war nicht die Regierung, die sich wandelte, sondern die jungen Leute, die für sie arbeiteten.

Es gibt sogar Fälle ehemaliger Libertärer, die in hohen Regierungsämtern saßen und alle ihre Werte opferten, um ihren Job zu behalten. Sie behaupten, dass sie den Libertarismus nicht preisgegeben haben, sondern statt dessen anstreben, ihn in der „realen Welt“ umzusetzen. Aber die reale Welt von Regierungen ist der Gegensatz von Libertarismus. Sie bedeutet stehlen, lügen, töten, abschlachten, bedrängen, plündern, nötigen und das Leben aus der ganzen Gesellschaft heraussaugen. Das ist der Wesensgehalt moderner Staatskunst.

Damit muss man entweder klarkommen. Oder den Job aufgeben. Wenn man bleibt, wird man Teil genau des Problems, das man bekämpfen wollte. Wir haben dies nicht nur in der Zeit der entsetzlichen Bush-Regierung gesehen, sondern auch in den 1980er-Jahren mit Reagan. Viele Menschen erwerben in ihrer Ausbildung solide politische Werte und fühlen sich der Politik in Washington hingezogen. Ihre Naivität bringt sie bald in Verlegenheit und sie versuchen, sich einzureihen, indem sie den anerkannten Zynismus übernehmen, der ihre Seele zerfrisst. Im Verlauf der Zeit verändern sie sich und verwandeln sich in das genaue Gegenteil dessen, was sie am Anfang waren und woran sie anfangs glaubten.

Ich könnte hier aktuelle Namen nennen, ehemalige Libertäre, die jetzt hohe politische Ämter im Innern der Bundesbürokratie besetzen. Sie wissen, das sie gemeint sind. Sie können Überlegenheit dadurch vortäuschen, dass sie sich ihre „Hände schmutzig machen“, während der Rest von uns lediglich auf unseren Tastaturen herumtippt. Aber in Wirklichkeit sind sie für großes Übel verantwortlich, und das hauptsächlichste davon ist, zur großen Lüge beizutragen, dass die Regierung etwas Gutes für uns tut.

Dies ist leider die Zukunft Sarah Palins, die in Alaska einiges Gutes erreicht haben mag. Eine noch größere Tragödie ist es, wenn Menschen den privaten Sektor verlassen, wo sie der Öffentlichkeit auf produktive Weise dienen, nur um Teil der stehlenden, lügenden und tötenden Maschinerie zu werden.

Sarah hat etwas, das ich wirklich mag, besonders ihre Sympathie, die sie für eine Sezessionsbewegung in Alaska gehabt zu haben scheint, die, und da widerspreche ich der Medienhysterie, eine absolut vernünftige und liberale Position ist. Aber man darf getrost davon ausgehen, dass, wenn sie eine erfolgreiche Vizepräsidentin zu werden plant, all dies unter den Teppich gekehrt wird und ihre Haupterrungenschaft im Leben gewesen sein wird, viele Menschen dazu übertölpelt zu haben, eine Regierung zu unterstützen, die das Schlimmste zu werden verspricht, was diesem Land passierte, seit Bush vereidigt wurde.

Information: 

Llewellyn H. Rockwell Jr. ist Präsident des Ludwig von Mises Institutes in Auburn, Alabama. Dieser Artikel erschien zuerst am 2.9.2008 in englischer Sprache auf der Website des Autors, lewrockwell.com. Übersetzung von Robert Grözinger.


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