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Mediengeschichte: Wladimir Putin in der ARDvon Kaspar Rosenbaum Russische Politiker und Diplomaten wie von einem anderen Stern Viele hat es an die legendäre Kerner-Sendung mit Eva Herman erinnert. Wie sie, wurde auch Wladimir Putin sytematisch von den Mainstreammedien verteufelt, bevor er zu einem höchst eigenartigen Interview mit der ARD am vergangenen Freitag-Abend geladen wurde. Er musste zwar nicht vor einem Tribunal mit Chefanklägern und Claqeuren Platz nehmen und sich immer wieder dieselbe Frage stellen lassen, um endlich vom Bösen abzuschwören. Und nein, er wurde auch nicht einfach rausgeschmissen. Vielmehr kürzte die ARD das heute schon legendäre Interview vom Abend des 29. August, das sie zuvor mehrmals als große Sondersendung angekündigt hatte, von 27 auf 9 Minuten. Für die so beschnittene Version hatte man dann einen Übersetzer gewählt, der den russischen Regierungschef dermaßen unverständlich übersetzte, dass die Zuschauer nicht einmal die ohnehin verstümmelten Antworten Putins verstehen konnten. Was dann am Wochenende folgte, war die seit dem Kerner-Skandal vermutlich größte Protestwelle in verschiedenen Internetforen und Blogs gegen die öffentlich-rechtlichen Propagandafunker. An deren Ende stellte der Sender vier Tage später kleinlaut das Interview in voller Länge online – noch dazu neu und diesmal sehr sauber übersetzt. Der unzensierte Putin ist in der Tat ein Politikum und in höchstem Maße sehenswert. Wann je wurde ein ARD-Profi von einem Interviewten dermaßen vorgeführt? Thomas Roth jedenfalls ringt mehrmals nach Luft und wirkt am Ende des Interviews völlig fertig. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, das Anschauen lohnt sich. Danach möchte man unweigerlich nun öfter einmal Mäuschen spielen dürfen und fragt sich: Wie erst springt dieser Wladimir Putin in persönlichen Gesprächen mit Spitzenintelligenzlern wie dem amerikanischen Präsidenten um? Ansatzweise kann man ein solch ungleiches Gespräch erahnen, wenn man den beinahe ebenso eindrucksvollen Auftritt des russischen Botschafters Vladimir Kotenev in der letzten Samstag-Abendshowrunde von Anne Will betrachtet. Kotenev führte hier den ehemaligen US-Botschafter John Kornblum vor, nachdem dieser etwas arrogant erklärte, dass das Kapital bereits aus Russland flüchte und dass Russland sich den Konflikt wirtschaftlich gar nicht leisten könne. Kotenev antwortet: „Unsere wirtschaftlichen Probleme liegen nicht in der Flucht des Kapitals oder der Investitionen, sondern vielmehr in der amerikanischen Hypothekenkrise. Und wir bangen jetzt um weitere Finanz- und Wirtschaftskrisen vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wir machen uns Sorgen. Das wird natürlich auch unsere Wirtschaft betreffen, denn die russische Wirtschaft ist ein integrativer Teil der Weltwirtschaft.“ Dass es den amerikanischen Militärberatern in Georgien um Ablenkung von diesen Krisen zuhause, um den Aufbau von für schwache Politiker so wichtigen Feindbildern sowie um Wahlmanipulation im US-Präsidentschaftswahlkampf gegangen sein könnte, als man den Georgischen Präsidenten zum Angriff auf Wohngebiete überredete, das deutet auch Putin an. Unmissverständlich erklärt der an dieser einen Stelle auf Deutsch: „Ja, ich glaube das, Herr Roth!“ Auch diese Passage wurde dem deutschen Publikum zunächst vorenthalten. Internet Putin in der ARD, spätere Langfassung Gegenüberstellung der gekürzten und gesendeten Passagen auf Spiegelfechter.com Anne Will mit Vladimir Kotenev 03. September 2008 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Diesen Artikel teilenAnzeigen |
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