06. September 2008

Messe Politica 1 Pogo in Kassel

Die Blockflöten kneifen, meldet die APPD bei einer anarchistisch-subversiven Aktion

Heute, am 6. September 2008, eröffnet in Kassel die Ausstellung „Deutsche Grammatik“ des Künstlers Christoph Büchel. Auftakt der Ausstellung, die bis zum 16. November im Museum Fridericianum in Kassel zu sehen ist, stellt die Messe Politica I dar, die wie eine Verbrauchermesse konzipiert ist. Dabei bekommt jede Gruppierung, gereiht nach Alphabet, ihren Stand. Die Überbleibsel der Messe werden als Installation bis zum Ausstellungsende am 16. November genauso zu sehen sein, wie sie am Sonntagabend verlassen werden.

Der Schweizer hat hierfür sämtliche 114 beim Bundeswahlleiter zugelassenen Parteien eingeladen, sich zu präsentieren. Zugesagt haben 39 Parteien. Darunter, so meldet die Partei uns stolz in einer Information, „selbstverständlich auch die APPD“. Ihr Kommentar verdient es, im Folgenden im Wortlaut zitiert zu werden. Die Anarchistische Pogo-Partei, eine Art parteimäßiges Artefakt-Pendant zur Politik karikierenden Kunstmesse, nämlich „freut sich, das holde Stimmvieh mit abgefeimter Propaganda zu verseuchen. Auch für die Blockflöten stehen genormte Messestände bereit. Allerdings zog es das Berliner Parteienkartell vor, durch Nichtanwesenheit zu glänzen. Fadenscheiniger Vorwand für die kurzfristige Absage stellte die Anwesenheit anderer Parteien dar, darunter – man höre und staune – NPD und REP. Dass die Nomenklatura den Schwanz einzieht und ihre Teilnahme an der Politica I absagt, lässt tief blicken. Einerseits offenbart es doch ein krudes Verständnis vom Meinungskampf als Wettbewerb, wenn Angehörige des Parteienkartells Sonderrechte bei der Standgestaltung verlangen. Das ist, als ob beim 100-Meter-Sprint ein paar Läufer 95 Meter Vorsprung einfordern, weil sie in der Vergangenheit schon mal irgendein angeblich tolles Ergebnis gehabt hätten. Andererseits ist es ein allzu durchsichtiger Versuch, jegliche politische Konkurrenz mit NPD und REP in einen Topf zu werfen nach dem Motto: Wer sich mit denen in einem Raum aufhält, gehört dazu. Der wahre Grund dürfte ganz woanders liegen. Die Etablierten haben schlichtweg Schiss in der Buchse, dass die Messebesucher beim direkten Vergleich feststellen, was sie sind: Das Selbe in rot, grün, schwarz oder gelb. Die von der Politeska verwendeten Begriffe ‚Rechts’ und ‚Links’ unterscheiden doch lediglich zwischen National- und Internationalsozialismus! Die APPD steht außerhalb dieses Spektrums, quasi in der dritten politischen Dimension. Darum finden wir die herrschende Politik Scheiße und lassen uns den Spaß dennoch nicht vermiesen.“

Zur Ausstellung wird, so meldet das Fridericianum, ein Katalog für 35 Euro erscheinen. Wir freuen uns auf die Fotos!

Internet

Ausstellungsseite Fridericianum

APPD Hessen


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Kaspar Rosenbaum

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